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Vorsfelde Pastorin und Propst stellen sich der Kritik
Wolfsburg Vorsfelde Pastorin und Propst stellen sich der Kritik
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23:59 19.06.2017
Viel Bürokratie, hohe Kosten: Propst Ulrich Lincoln und Pastorin Beate Stecher erläuterten im WAZ-Gespräch die Schwierigkeiten bei der Friedhofsverwaltung durch die Kirche.   Quelle: Boris Baschin
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Vorsfelde

Wildwuchs von Pflanzen auf dem alten Friedhof an der Meinstraße in Vorsfelde ärgert die Besucher (WAZ berichtete). Negativ entwickelt hat sich die Situation, seit die Kirchengemeinde St. Petrus/Heiliggeist das Areal aus Kostengründen im Januar an die Stadt abgegeben hatte. Trotzdem sei man sich der Verantwortung bewusst, sagen Pastorin Beate Stecher und Propst Ulrich Lincoln. Die WAZ fragte nach.

Viele Menschen schimpfen mehr auf die Kirche als über die Stadt. Ein Hauptvorwurf lautet, dass die Kirchensteuer ausreichen müsste, um die Pflege zu bezahlen.

Beate Stecher: Ich verstehe, dass die Leute das nicht auseinander halten können – aber wir dürfen kein Geld der Gemeinde für den Friedhof verwenden. Das ist rechtlich so festgelegt.

Ulrich Lincoln: Bis vor rund 100 Jahren waren die Friedhöfe tatsächlich in Händen der Kirchen. Gefühlt sind wir deshalb noch immer zuständig. Aber Friedhofspflege ist eine staatliche Aufgabe, die Kirche fungiert lediglich als freier Träger. Und der Verwaltungsaufwand ebenso wie die Zukunftsperspektive sprachen dagegen, hier so weiterzumachen.

Was passiert mit der Kirchensteuer?

Die Kirchensteuer wurde 1919 wegen der angestrebten Trennung von Kirche und Staat in Deutschland eingeführt und ist eigentlich keine Steuer, sondern eine Art Mitgliedsbeitrag, der allerdings durch das Finanzamt eingezogen wird. Die Kirche ihrerseits bezahlt für diese Dienstleistung eine Gebühr. Die Kommunen wiederum beauftragen die Kirche unter anderem gern als Träger von Kindertagesstätten. Eine Trennung von Staat und Kirche sei trotzdem gegeben, versichern beide Seiten.

Laut Info-Blatt der evangelisch-lutherischen Landeskirche, zu der die Propstei Vorsfelde gehört, werden pro Jahr bundesweit etwa 160 Millionen Euro für die Beauftragung des Finanzamts fällig (Zahl aus dem Jahr 2013). Die jährlichen Einnahmen beziffert die evangelische Kirche bundesweit auf knapp zehn Milliarden und gibt an, dass diese nur gut zur Hälfte aus Kirchensteuer und Kollekten bestehen. Weitere Einnahmen: Fördermittel und Zuschüsse, Entgelte für kirchliche Dienstleistungen und Vermögenseinnahmen.

Bezahlt werde davon in der Hauptsache das Personal sowie die Unterhaltung von Gebäuden. Dazu gehören nicht nur Kirchen sondern auch viele diakonischen Einrichtungen; zu den Aktionen neben Gottesdiensten gehören auch Feriencamps, Konzerte oder die Denkmalpflege. Als wichtigste Betätigungsfelder nennt die Kirche die Bereiche Soziales, Gesundheit, Seelsorge, Jugendarbeit, Bildung und Kultur. Friedhöfe dagegen sind grundsätzlich Sache der Kommunen – zumindest seit 1919.

Welche Rolle spielte die marode Friedhofsmauer?

Beate Stecher: Sie war der Auslöser. Wir konnten nur die schlimmsten Schäden beheben und durften sie nicht abreißen, weil sie unter Denkmalschutz steht. Das machte mir lange Bauchschmerzen. Als die Stadt mit dem Angebot an uns herantrat, die Friedhofsverwaltung zu vereinheitlichen, war das eine Erleichterung.

Hätte das Problem nicht durch die Gründung eines Fördervereins gelöst werden können?

Lincoln: Geld ist nicht das einzige . In einer Gemeinde, wo auch noch eine Kita betreut wird, kommt man aus dem Verwalten gar nicht mehr heraus. Die Energie, die jetzt frei wird, können wir an anderer Stelle nutzen.

Es geht also um Prioritäten?

Lincoln: Es heißt nicht, dass uns die Bedürfnisse der Menschen nicht wichtig wären. Kritik ist zum Teil sicher berechtigt. Vielleicht müssen wir ein Forum schaffen, in dem sich die Menschen besser mit uns austauschen.

Vielleicht könnte man auch jetzt einen Verein ins Leben rufen – und die Pflege an Stellen übernehmen, die die Stadt mit ihren Maschinen nicht erreicht...

Beate Stecher: Das ist rechtlich sehr problematisch – wegen der Sicherheitsvorschriften und der Besitzverhältnisse. Aber wird sind weiterhin bei Begehungen dabei. Da geht es zum Beispiel darum, welche Grabdenkmäler versetzt werden können, um die Pflege zu erleichtern. Und vielleicht kann man die schwer erreichbaren Räume zwischen den Grabstellen mit Platten oder Kies versehen.

Ulrich Lincoln: Wir möchten auf jeden Fall weiterhin vermittelnd tätig sein, die Sorgen der Gemeindemitglieder an die Stadt weitertragen...

Beate Stecher: ...und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Von Andrea Müller-Kudelka

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