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Vorsfelde Minigolf-Lehrstunde bei einem Profi
Wolfsburg Vorsfelde Minigolf-Lehrstunde bei einem Profi
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18:00 25.07.2018
Wichtige Minigolf-Lektion: Geschlagen wird durch die Bewegung des Oberkörpers. Quelle: Roland Hermstein
Vorsfelde

Minigolf, ein Spiel für Kindergeburtstage. Oder steckt mehr dahinter, sogar ein ernstzunehmender Sport? WAZ-Redakteur Kevin Nobs wollte es wissen, auf der Anlage des 1. Bahngolfclub (BGC) Wolfsburg in Vorsfelde führte Tim Clasen (47) ihn in die Feinheiten des Sports ein, in dem der BGC-Sportwart schon Welt- und Europameister war. So viel vorweg: Verletzt wurde niemand.

Von wegen Spiel für Kinder! Minigolf wird zur reinsten Wissenschaft, wenn man sich darauf einlässt. Das erfuhr WAZ-Redakteur Kevin Nobs bei seiner Erlebnisreportage auf der Anlage des 1. Bahngolfclubs in Vorsfelde.

Schon die Wahl des Schlägers ist wichtig, je nachdem auf welche Seite der Bahn ich mich stellen möchte. Vorsitzende Hanna Minuth leiht mir für den Nachmittag ihren Schläger: „Damit war ich schon Landesmeisterin“, sagt die 75-Jährige fröhlich. Macht mir ruhig Druck...

Versenken mit dem ersten Schlag ist Pflicht

Mein letzter Besuch auf einer Minigolf-Anlage ist fast 20 Jahre her. Trotzdem weiß ich noch, dass man an den 18 Bahnen jeweils bis zu sieben Schläge hat. Oder? Tim nimmt mir alle Hoffnung: „Ein Ass ist hier Pflicht!“, sagt er und deutet auf die Bahn mit dem V-Hindernis. Also Versenken mit dem ersten Schlag.

Die WAZ beim Minigolf: Profi Tim Clasen (M.) und die BGC-Vorsitzende Hanna Minuth gaben Redakteur Kevin Nobs Tipps. Quelle: Roland Hermstein

Hier bilden zwei Streben ein V, das unten geöffnet ist – dort soll der Ball rein. Ich lerne: Der direkte Weg ist nicht immer der einfachste. Statt von unten ins V zu treffen, spielt Tim daran vorbei, von der kreisrunden Begrenzung dahinter prallt der Ball ab und kullert wie bei einem Trichter ins Loch. Gewusst wie.

Geschlagen wird nicht durch Bewegung des Oberkörpers

Bevor ich an der Reihe bin, geht es um meine Körperhaltung. Die Beine schulterbreit, die Körpermitte in Höhe des Balls, die Hände untereinander, die Zeigefinger am Schläger ausgestreckt. „Beuge dich weiter nach vorne“, empfiehlt Tim. Mache ich. „Nicht ganz so weit.“ Okay.

Nächste Lektion: Geschlagen wird nicht durch Bewegung der Arme, sondern des Oberkörpers. Die Arme bleiben mehr oder weniger steif.

Minigolf ist ganz leicht? Mal klappt’s mit einem Schlag, mal sind deutlich mehr nötig. Quelle: Roland Hermstein

Meine ersten Versuche fühlen sich ungelenk an – und sehen wohl auch so aus. Aber Tim Clasen, Zweite Bundesliga, ist nicht nur hervorragender Spieler, sondern auch Trainer. Einen Hinweis zur Schlagkraft, einen zum Punkt, den ich anpeilen soll – und da ist mein erster Treffer. „Nochmal bestätigen!“, fordert Tim. Ich wiederhole den Schlag: passt. Minigolf ist ganz leicht!

Temperatur des Balles ist wichtig

Denkste. Die stumpfen Kegel, zwei rote Hindernisse auf dem Weg zum Ziel, und der Klapperstorch – der Schuss durch ein schmales Rohr – bringen mich an den Rand der Verzweiflung. Anfänger hin oder her, man ist ja ehrgeizig. Die stumpfen Kegel meistere ich irgendwann, der Klapperstorch... ach, lassen wir das.

Zwischendurch steht Ballkunde an. Je nach Bahn setzt der Profi ganz unterschiedliche Bälle ein, neben Gewicht und Oberfläche spielen auch Härte und Sprunghöhe eine Rolle. Die Werte gibt der Hersteller für 20 Grad Temperatur an. Sprich: Ist der Ball wärmer oder kälter, ändern sich seine Eigenschaften entsprechend. „Deswegen habe ich immer ein Thermometer dabei, mit dem ich die Balltemperatur messe“, erklärt Tim Clasen.

Gut, dass er mir die passenden Bälle auswählt. Weiter geht es mit einer kleinen Actioneinlage, an Bahn 8 schießen wir über eine Rampe in ein Netz. Klappt nicht auf Anhieb, aber klappt, als ich meinen Linksdrall abstelle.

Zum Tagesausklang wartet noch eine echte Herausforderung. Bei den „Pyramiden“ blockieren drei versetzte Dreiecke den Weg zum Ziel. Verrückt: Auch hier reicht ein Schlag. Es ist im Prinzip ganz einfach. Leicht gegen die Bande spielen, dann prallt der Ball ans Ende der Bahn, folgt dem Kreislauf, trifft danach auf eines der Dreiecke, prallt im genau richtigen Winkel ab und kullert ins Loch. Beim dritten Versuch schaffe ich es. „Bestätigen!“ Ich schaffe es wieder. Dann beenden wir die spannende Lehrstunde.

Ich habe viel gelernt, vor alles dieses: Mini- oder Bahngolf ist mehr als ein reines Spiel für Kindergeburtstage. Wer wirklich erfolgreich sein will, braucht ein gutes Auge, Koordination, Körperbeherrschung und ganz viel Training. Zumal keine Anlage wie die andere ist. Kleine Senken im Beton, eine unebene Eternit-Platte oder ein verschlissener Abschlagpunkt machen auch für den Profi jede neue Anlage zu einer Herausforderung.

„Kein Meister ist vom Himmel gefallen“, sagt Tim Clasen. Ich fürchte, das gilt auch bei mir.

Von Kevin Nobs

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