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Volkswagen VW-Konzernumbau beherrscht die Schlagzeilen
Wolfsburg Volkswagen VW-Konzernumbau beherrscht die Schlagzeilen
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12:23 11.04.2018
Umbau bei Volkswagen: VW-Markenchef Herbert Diess (l.) soll Matthias Müller an der Spitze des Volkswagen-Konzerns ablösen. Quelle: dpa
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Wolfsburg

 
Hannoversche Allgemeine Zeitung: „Der Job als Vorstandschef bei VW verlangt mehr als das Management technikgetriebener Prozesse entlang der Hierarchiekette – der Spitzenmann ist auch der wichtigste Botschafter für das Unternehmen und dessen Werte. Ganz ohne Diplomatie geht es also nicht. Zuletzt verglich Matthias Müller die Forderung nach einer Obergrenze für Managergehälter mit der Regelungswut in der DDR - und handelte sich harsche Kritik aus der Staatskanzlei in Hannover ein. Nun ist klar, dass der Manager auch die Rückendeckung der Porsches und Piëchs verloren hat.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Der nächste Paukenschlag bei Volkswagen: Der Vorstandsvorsitzende Müller wird ohne Vorwarnung vor die Tür gesetzt. Neuer Konzernchef wird Helmut Diess, der seit Monaten auf jede erdenkliche Weise an Müllers Stuhl sägt. Auch das sagt viel über die Zustände beim größten Autohersteller der Welt, über den neben den beiden Eigentümerfamilien Porsche und Piëch maßgeblich Politiker und Betriebsräte bestimmen. (...) Vom besonders effizienten Autobauer BMW nach Wolfsburg gewechselt, galt Diess unter VW-Arbeitern vor allem als Kostensenker. Mit welchem Deal hat er nun den Betriebsrat von sich überzeugt? Raunend ist in Wolfsburg von faulen Kompromissen und weiteren Personalien die Rede, die allerdings erst am Freitag spruchreif sein sollen.“

Tagesspiegel (Berlin): „Nach dem Dieselskandal hat Müller aufgeräumt. Doch die Zweifel sind geblieben, ob Müller, der Jahrzehnte seines Berufslebens im Konzern verbracht hat, der Richtige ist, um VW neu zu starten. Der Kulturwandel im Unternehmen sei noch lange nicht geschafft, klagte er zuletzt. Dabei zeigte sich allzu oft, dass er selbst die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat - etwa, als es um sein Zehn-Millionen-Euro-Gehalt ging oder um die Frage, wie geprellte VW-Kunden entschädigt werden. Ob der früherer BMW-Manager Diess hier das nötige Fingerspitzengefühl hat, muss sich zeigen. Den Stallgeruch des Porsche-Piech-Clans hat er jedenfalls nicht. Das wäre an der Konzernspitze eine Premiere - und eine Chance für einen echten Kulturwandel.“

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Stuttgarter Zeitung: „In Wolfsburg herrschen nicht die in anderen Unternehmen üblichen Checks and Balances zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, Gewerkschaften und Eigentümern, beobachtet und kontrolliert von einer interessierten Öffentlichkeit. In Wolfsburg wäscht eine Hand die andere. Das ist das Kernproblem von VW, das die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche lösen müssten. Der Wechsel des Vorstandschefs ist dafür nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung.“

Emder Zeitung: „Müller hat in den letzten zweieinhalb Jahren bei VW gute Arbeit geleistet. Die Rekorde bei Absatzzahlen und erzielten Quartalsgewinnen sprechen für sich. Dennoch agierte Müller auch immer wieder unglücklich – ob bei seinen schwachen Entschuldigungen im Abgas-Skandal oder seinen Auslassungen zum Thema Vorstandsgehälter. Offensichtlich ist der Aufsichtsrat der Ansicht, dass Müller für den - von ihm selbst angestoßenen – Führungswandel im Konzern nicht mehr der richtige Mann ist. Seine Aufgabe bestand darin, VW aus der Dieselkrise herauszuführen. Diese Aufgabe hat er, auch wenn das Thema den Autobauer noch einige Zeit beschäftigen wird, weitgehend erfüllt. Die großen Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren sollen nun aber unter neuer Leitung angegangen werden.“

Badische Zeitung: „Der Vorzug des mutmaßlichen neuen Chefs Herbert Diess ist, dass er erst wenige Monate vor Bekanntwerden des Dieselskandals von BMW nach Wolfsburg kam. An den Manipulationen der VW-Dieselmotoren mit Schummelsoftware war er mit ziemlicher Sicherheit nicht beteiligt. Insofern steht er für ein Stück Neubeginn. Mit Matthias Müller tritt ein Mann beiseite, der den Übergang organisiert hat. Nach dem überstürzten Abgang des langjährigen Vorstandschefs Martin Winterkorn sorgte Müller dafür, dass VW mit einem blauen Auge davonkam. Er gehörte aber unter Winterkorn zum Führungszirkel des Konzerns, war Porsche-Chef und konnte deswegen nie den Ruch abschütteln, mit im Manipulationssumpf zu stecken - auch wenn gegen ihn nicht ermittelt wird.“

Schwäbische Zeitung: „Wenn Matthias Müller nicht mehr an der Spitze des umsatzstärksten Autoherstellers der Welt steht, kann er mit Leichtigkeit sein möglicherweise angeschlagenes Selbstwertgefühl aufpeppen. Ein Blick in die letzte von ihm verantwortete Bilanz genügt. Denn unter Müllers Führung hat der Volkswagenkonzern 2017 ein Rekordergebnis erzielt. VW verdoppelte seinen Nettogewinn und verbuchte 11,4 Milliarden Euro zu seinen Gunsten. Trotz des Dieselbetrugs. Aus Sicht eines Topmanagers kann Müller nicht viel falsch gemacht haben. Zum Verhängnis wurde dem früheren Porsche-Boss neben internen Querelen seine fehlende Sensibilität. Dass er in einer Zeit, in der er dem Weltkonzern einen Kulturwandel verordnete, seine persönlichen Bezüge von sieben auf über zehn Millionen Euro steigerte, ist nicht nur für jene schwer verständlich, denen Fahrverbote in deutschen Innenstädten drohen. Solch exzessive Managergehälter sind nicht zu vermitteln.“

Von der Redaktion

Der Umbau bei VW ist mit dem Wechsel an der Konzernspitze noch lange nicht beendet. Mindestens ein weiterer Manager muss Platz machen. Der Konzern will sich für die großen Herausforderungen der Branche rüsten.

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