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Volkswagen VW-Chefwechsel: „Wichtig ist, dass es gut weiter geht“
Wolfsburg Volkswagen VW-Chefwechsel: „Wichtig ist, dass es gut weiter geht“
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10:11 11.04.2018
Beben bei VW: Beim bevorstehenden Wechsel an der Konzernspitze gehen die Meinungen der Wolfsburger auseinander Quelle: Archiv
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Wolfsburg

 In den Medien herrschte am Dienstag wegen der geplanten Umstrukturierungen bei VW Wirbel. Die Wolfsburger allerdings blieben eher ruhig, wie eine Straßenumfrage der WAZ zeigte.

Ein 50-jähriger vom Hohenstein scherzte: „Der Müller hat ja jetzt auch eine Freundin. Vielleicht hat er keine Zeit mehr.“ Natascha Neumann (28) aus Detmerode sagte: „An der Dieselaffäre ändert es rückwirkend auch nichts mehr.“ Der 42-jährige Dennis Köhler ist grundsätzlich nicht gut zu sprechen auf Firmenchefs: „Die stecken sich die Taschen voll und dann gehen sie, egal ob bei VW oder anderswo.“

Suche nach Gründen

Eine Wolfsburgerin rätselte: „Was ist da jetzt schon wieder los?“ Ihr Mann glaubt: „Das liegt immer noch an Dieselgate. Diess wird auch nicht lange bleiben.“ Deshalb hätte Gudrun Braschoß (64) „lieber jemanden an der Spitze, der nichts mit den Skandalen zu tun hatte“.

Einige VW-Mitarbeiter setzen dagegen Vertrauen in Diess. „Er hat den Stallgeruch angenommen, Querelen mit dem Betriebsrat gemeistert und die Marke in die Erfolgsspur geführt“, lobte ein 51-Jähriger aus der Beschaffung. Überraschend sei ein Wechsel trotzdem, so ein 48-Jähriger aus dem Vertrieb. Möglicherweise komme ja jetzt auch die angekündigte Verjüngung – und mehr Frauen. „Ich würde das begrüßen“, meinte ein 50-Jähriger aus der FE.

Yulia Diterle (34) glaubt: „Was passiert, hat sicher Folgen für die Region – aber wir alle können es nicht beeinflussen.“ Joachim Richter (67) sinnierte: „Tja, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Außerdem hat er ja einen goldenen Handschlag bekommen.“

Skeptisch: Marina Peschka (l.) und Tochter Jennifer halten nicht viel von der Ablösung von Matthias Müller durch Herbert Diess. Quelle: Frederike Müller

Marina Peschka (57) ist misstrauisch: „Da stimmt was nicht. Mir kann keiner erzählen, dass Müller freiwillig geht. Ich vermute, es hat mit der Dieselaffäre zu tun.“ Ihre Tochter Jennifer (25), bis Dezember als Zeitarbeiterin bei Volkswagen in Hannover beschäftigt, hat eine andere Theorie: „Jetzt habe ich gelesen, dass Müller im Zuge derselben Umstrukturierung und Stellenkürzung gehen muss. Wenn Diess Nachfolger wird, sieht es bitter aus für die restlichen Zeitarbeiter bei VW.“

Blick nach vorn

Optimistisch bleibt Bora Stojadinvic. Der 70-Jährige hat als Monteur die Halle 54 mit aufgebaut und ist überzeugt: „Ob mit oder ohne Müller – es wird immer weitergehen.“„Als Chef trägt Matthias Müller für den Diesel-Skandal Verantwortung. Daher finde ich es gut, dass er abgelöst werden soll. Der Nachfolger sollte darauf aufpassen, dass es in Zukunft überhaupt keine Skandale mehr gibt“, sagte Anja Groß (16). Überrascht, dass Müller nach so kurzer Zeit schon geht, zeigte sich ein 44-jähriger Mitarbeiter aus der Konzern-IT von Volkswagen. „Die Nachricht löst bei mir jetzt keine großen Emotionen aus“, gab er sich gelassen.

Aus Sicht von Siegfried Kurkowski aus der Stadtmitte „ist jetzt wichtig, dass ein unbelasteter Nachfolger kommt. Herbert Diess wäre eine gute Wahl“, sagte er. „Matthias Müller war mitverantwortlich für die Dieselaffäre. Auch seine Aussage zur Deckelung von Managergehältern mit Bezug zur ehemaligen DDR fand ich absolut verfehlt.“ Eine eindeutige Position vertrat auch Dieter Schult (69) aus Reislingen: „Mit Beginn des Abgas-Skandals hat Müller manche Entscheidungen nicht konsequent umgesetzt.“ Allerdings blickte er auch nach vorne: „Wichtig ist jetzt, dass es an allen VW-Standorten jetzt gut weitergeht.“

Von der WAZ-Redaktion

Die Reaktionen reichen von Lob für beziehungsweise Kritik an Matthias Müller bis zur kompletten Verwunderung über den Zeitpunkt der Entscheidung. Die Erwartungen an Herbert Diess sind hoch.

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