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Volkswagen VW-Betriebsrat schränkt Mehrarbeit drastisch ein
Wolfsburg Volkswagen VW-Betriebsrat schränkt Mehrarbeit drastisch ein
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09:50 14.02.2018
Warnstreik in der Technischen Entwicklung (TE) in Wolfsburg: Viele Beschäftigte leiden unter der hohen Arbeitsbelastung.  Quelle: IG Metall
Wolfsburg

 Wenn sich die Verhandlungspartner in der nächsten Woche zur nächsten Runde um den neuen VW-Haustarif treffen, wird es um weit mehr gehen als die Stellen hinterm Komma. Vielerorts im Werk schwelt es unter der Oberfläche, Grund ist die hohe Arbeitsbelastung. Und wenn Betriebsrat (pocht auf 35 Wochenstunden) und Unternehmen (will mancherorts reguläre 40 Stunden) um Arbeitszeiten streiten, können viele Beschäftigte beispielsweise in der TE nur müde den Kopf schütteln. Müde ist dabei wörtlich gemeint: Für manche Mitarbeiter sind 50 oder 60 Stunden hier eher die Regel als die Ausnahme.

Letzte Woche gab’s Wirbel im Werk, nachdem dem Betriebsrat angeblich der Kragen geplatzt sei und man sämtlicher Mehrarbeit ab sofort kategorisch nicht mehr zustimmen werde – sei es im direkten, im indirekten Bereich oder im Home-Office. Das dürfte so kaum stimmen; wenn es um lebenswichtige Zusatzaufgaben ging, hat sich der Betriebsrat in der Vergangenheit nie verweigert.

„Die Personalzuführung ist miserabel“

Was aber stimmt: Es brennt. Beispiel TE: Betriebsrat Gerardo Scarpino machte in einem Schreiben an die Unternehmensseite deutlich, warum man mit dem Thema Mehrarbeit ab sofort weit rigider umzugehen gedenkt: Die Arbeitsbelastung in vielen Bereichen sei „nicht mehr tragbar“; die betroffenen Bereiche arbeiteten „rund um die Uhr und die Personalzuführung ist miserabel“; seit fast 15 Monaten gebe es „keinen Personal-Ersatz in den Werkstätten“; und: „Dem Arbeitszeit-Fixpunkt haben wir nicht zugestimmt“ – weil zu erwartende Projekte mit immer weniger Personal umgesetzt werden sollten.

Doch wie kann das sein in einem Unternehmen, das sich für die Zukunft ganz neu aufstellen muss? Für Außenstehende nicht ganz leicht nachzuvollziehen ist ein Grundkonflikt, der offenbar zwischen Betriebsrat und Unternehmen schwelt.

Volkswagenwerk: In vielen Bereichen fehlen Mitarbeiter. Quelle: Archiv

Die Arbeitnehmervertretung beklagt sich über mangelnde personelle Durchlässigkeit innerhalb des Unternehmens. In der TE (so genannter „indirekter Bereich“) fehlten nicht nur Ingenieure, sondern auch haufenweise gut ausgebildete Facharbeiter, die konstruieren, Prototypen aufbauen und Prüfstände fahren können. Das Unternehmen aber sperre sich gegen den internen Wechsel von Leuten aus der Produktion („direkter Bereich“) – auch hier werden Mann und Maus gebraucht, zumal gerade hunderte Leiharbeiter abgebaut worden sind. Fragt sich, warum.

Betriebsrat zog die Zügel an

Nirgends zeigt sich der Wandel in der Automobilproduktion so direkt wie in der TE. Schon in den normalen Zyklen, was neue Modellreihen und Vorserienmodelle betrifft, hinkt man den Zeitplänen wegen immenser Arbeitsüberlastung regelmäßig hinterher. Hinzu kamen die Entwicklung von Soft- und Hardware zur Bewältigung des Diesel-Skandals und kommen Digitalisierung und E-Mobilität. Hier, wo es um die Zukunftsausrichtung des Unternehmens Volkswagen geht, wissen viele Mitarbeiter nicht mal mehr, wie sie die Aufgaben des morgigen Tages wuppen sollen. „Da würden von heute auf morgen hunderte neuer Kollegen gebraucht“, sagt ein Insider.

Doch der Wandel, die personelle Durchlässigkeit innerhalb des Werks werde von der Unternehmensseite blockiert, beschwert sich die Arbeitnehmerseite. Deswegen zog der Betriebsrat die Zügel an – und wundert sich über die Reaktion der Gegenseite. „Das Management hat 365 Tage im Jahr Zeit, seine Projekte ins Ziel zu bringen“, sagt Scarpino. „Jetzt nehmen wir eine Woche die Mehrarbeit raus, und plötzlich hat der Betriebsrat Schuld, wenn Ziele nicht erreicht werden. Lächerlich.“

Am 20. Februar treffen sich beide Seiten zur nächsten Runde in den VW-Tarifverhandlungen. Ob man sich dann einigt, ist kaum vorherzusagen. Wenn nicht, dürfte der nächste Warnstreiks ins Haus stehen. Und dabei geht es um weit mehr als um die Stellen hinterm Komma.

Von Ulrich Franke

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