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Volkswagen Uwe Hück: Der Ex-Thai-Boxer steigt für die SPD in den Ring
Wolfsburg Volkswagen Uwe Hück: Der Ex-Thai-Boxer steigt für die SPD in den Ring
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11:35 11.02.2019
Uwe Hück: Der Ex-Porsche-Betriebsratschef tritt für Pforzheims SPD an. Quelle: dpa
Pforzheim

Als Politiker versteht sich Uwe Hück nicht. Und doch will der Ex-Porsche-Betriebsratsboss nun in die Politik. „Ich will da etwas bewegen.“ So wie bei Porsche, wo er am vergangenen Montag überraschend sein Betriebsratsmandat niedergelegt hat. Mitte der 80er Jahre kam er zu dem Sportwagenbauer. Damals, sagt der 56-Jährige, sei die Firma in ähnlich marodem Zustand gewesen wie heute die Stadt Pforzheim. Im Mai will er sich für den Gemeinderat zur Wahl stellen. Und das nicht auf einer eigenen Liste, wie ursprünglich geplant, sondern für die SPD. „Ich liebe die SPD!“, meint Hück jetzt.

2005 stieg Uwe Hück im Wahlkampf für Gerhard Schröder in den Ring

Dabei glich das Verhältnis zur Partei in den vergangenen Jahren eher einer Hassliebe. Wenn die SPD so weitermache, werde sie ihr Erbe vernichten, hatte Hück mal gesagt und unterstrichen: „Ich brauche eine Struktur, die lebendig ist.“ Seit 1982 ist Hück SPD-Mitglied. 2005 stieg der ehemalige Profi-Thai-Boxer im Wahlkampf für Gerhard Schröder in den Ring, 2008 hatte SPD-Chef Kurt Beck ihn in sein Team für den Bundestagswahlkampf geholt.

Er hat sich vom Lackierer zum Betriebsratsboss hochgearbeitet. Jetzt verlässt Uwe Hück Porsche – um für die SPD in der Politik weiterzukämpfen.

2016 brachte sich Hück selbst als Teil einer Doppelspitze im Land ins Gespräch - zuletzt ging er mit der eigenen Partei jedoch hart ins Gericht. Die Kritik gipfelte in der Ankündigung, bei der Kommunalwahl mit einer eigenen Liste antreten zu wollen. Hück gilt als wortgewaltig und kann Menschen für sich einnehmen. Viele trauen ihm zu, der AfD in Pforzheim Paroli bieten zu können. Die AfD hatte die SPD dort bei den jüngsten Landtagswahlen überrundet.

Hück: „Ich verwende eine Sprache, die das Volk versteht“

Will der Thai-Boxer nun der AfD eine reinhauen? „Darum geht es nicht“, sagt Hück. „Mit geht es um die Bürger. Ich werde meine gesamte Kraft für die Stadt Pforzheim einsetzen und sie wieder erfolgreich machen.“

Dass er durchsetzungsfähig ist, hat er bei zahlreichen Metalltarifrunden unter Beweis gestellt. Hück ist für seine flammenden Reden berühmt-berüchtigt. „Ich verwende eine Sprache, die das Volk versteht“, sagte er einmal über sich.

Derzeit organisiert er seinen Umzug nach Pforzheim, wo er schon seit Jahresanfang gemeldet ist. Dort hat er 2013 seine „Lernstiftung“ ins Leben gerufen, die benachteiligten Jugendlichen helfen soll. Ganz in der Nähe lebte der 56-Jährige selbst als Waisenkind in Heimen, bevor seine steile Karriere bei Porsche begann.

Hück sicherte Porsche die Eigenständigkeit nach der VW-Übernahme

Begonnen hat er als Lackierer. Zuletzt saß er dank seines Betriebsratsmandats im Aufsichtsrat der Porsche AG und bei Volkswagen. Zu seinen Verdiensten gehört, dass er die Eigenständigkeit von Porsche nach der VW-Übernahme erhalten konnte, und auch der Ausbau der Produktion am Standort in Stuttgart-Zuffenhausen. Dort soll künftig das neue E-Modell gefertigt werden.

Kritiker werfen Uwe Hück auch Populismus vor

Kritiker werfen Hück auch Populismus vor. „Tische umwerfen“ wollte er etwa 2016 bei einer Tarifrunde, wenn die Arbeitgeber nicht ordentlich nachlegten. Bei Kürzungsüberlegungen drohte er „Krach“ an. Bei der Belegschaft kam das an, er war als Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratschef durchaus beliebt. Doch so lautstark Hück als Arbeitnehmer-Sprachrohr auftrat, so selten war er doch ernsthaft über Kreuz mit dem Management. Zum langjährigen Firmenchef Wendelin Wiedeking hatte er zum Beispiel ein enges Verhältnis.

Nach dem Gemeinderat könnte eine Kandidatur für den Landtag folgen

Nach einer Abschiedstour durch die Werke will Hück am kommenden Mittwoch Porsche endgültig verlassen. „Ich habe meine Familie vernachlässigt“, sagt der Vater eines leiblichen Sohns und zweier angenommener erwachsener Söhne. Als Gemeinderat will der „evangelische Buddhist“ (Hück über Hück) sonntags nach der Kirche ein Bürgerfrühstück einführen. „Ich fange ganz unten an“ – um später eventuell auch im Landtag durchzustarten. „Ich werde wahrscheinlich einige Fehler machen - aber ich habe genügend Pflaster dabei.“

Von Annika Grah und Susanne Kupke