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Volkswagen Kritik am Abgang des Volkswagen-Chefhistorikers
Wolfsburg Volkswagen Kritik am Abgang des Volkswagen-Chefhistorikers
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00:01 02.11.2016
Manfred Grieger: Der langjährige VW-Chefhistoriker hat den Konzern nach fast 20 Jahren verlassen. Quelle: dpa
Wolfsburg

Die Historiker mahnen: „Es stellt sich die Frage, ob VW zur Geschichtspolitik vergangener Tage zurückkehren will, die einseitig der Verherrlichung der eigenen Geschichte unter Ausklammerung dunkler Seiten diente.“ Der Konzern wies die Kritik als unbegründet zurück

Ende Oktober war bekanntgeworden, dass der Konzern-Chefhistoriker Manfred Grieger Europas größten Autobauer nach fast 20 Jahren Zugehörigkeit verlässt (AZ/WAZ berichtete). Der Auslöser ist laut dpa-Informationen ein interner Streit über Abstimmungsvorgaben für Griegers Arbeit. Der Experte für Zwangsarbeit im Nazi-Deutschland hatte eine Studie über die NS-Verstrickungen der Konzern-Tochter Audi als handwerklich mangelhaft und verharmlosend kritisiert. Ende Oktober hat Grieger einem VW-Sprecher zufolge den Konzern verlassen. Er sei aber nicht entlassen worden, ebenso wenig habe VW eine Trennung forciert, sagte der Sprecher.

Das Schreiben der Historiker hat nun Prof. Hartmut Berghoff von der Universität Göttingen versendet, stellvertretend für seine Kollegen. Nach seinen Angaben haben mehr als 75 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland die Erklärung unterzeichnet, darunter auch Hitler-Biograf Ian Kershaw von der Universität Liverpool. Mehrere Historiker bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, zu den Unterzeichnern zu gehören. „Der VW-Konzern, der selber aus dem NS-Regime hervorgegangen ist, fügt sich auf diese Weise einen in seiner Tragweite noch gar nicht übersehbaren Schaden zu“, heißt es in der Erklärung.

Ein VW-Sprecher erklärte: „Wir sind verwundert über diese Thesen. Sie sind durch nichts belegt.“ Volkswagen erkenne die von Grieger erbrachten Leistungen „unverändert an“. Volkswagen habe seine Geschichte „konsequent, ehrlich und nachhaltig“ aufgearbeitet und werde dies auch künftig tun.

Der VW-Betriebsrat hatte die Trennung von Grieger bereits als „einen Fehler“ und „großen Verlust für Volkswagen“ bezeichnet. Der Betriebsrat werde auch künftig auf die Beratung von Grieger setzen.

Volkswagen muss bei seiner Kernmarke VW in den vom Dieselskandal besonders betroffenen USA einen weiteren herben Rückschlag einstecken. Der Absatz im Oktober ging im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 18,5 Prozent auf 24 779 Autos zurück, wie die US-Tochter des Konzerns am Dienstag mitteilte.

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