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VW Aktuell Fiebig im WAZ-Interview

VW-Werkleiter Fiebig im WAZ-Interview

Viele VW-Beschäftigte sind aktuell im Werksurlaub – nicht so Werkleiter Dr. Siegfried Fiebig. Grund: Auch im Werksurlaub läuft die Produktion und zusätzlich stehen 300 Bauprojekte an. Über die aktuelle Lage im VW-Werk Wolfsburg sprach WAZ-Redakteur Jörg Lünsmann mit Dr. Siegfried Fiebig.

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Arbeitet auch im Werksurlaub durch: Wolfsburgs VW-Werkleiter Siegfried Fiebig – in seiner wenigen Freizeit lernt er gerade Russisch.

WAZ: Herr Fiebig, vor einem Jahr haben Sie der WAZ gesagt: „Ich würde mich freuen, wenn wir 2011 in Wolfsburg mehr als 800.000 Autos bauen“. Werden Sie am Jahresende Grund zur Freude haben?

Fiebig: Wenn ich mir die Stückzahlen des ersten Halbjahres anschaue, haben wir schon jetzt mit der Mannschaft allen Grund zur Freude. Bis zum Werksurlaub haben wir rund 475.000 Autos produziert und bis zum Jahresende sollten es insgesamt 825.000 Fahrzeuge werden.

WAZ: Mit dem so genannten Modularen Querbaukasten will VW noch effizienter und flexibler Autos produzieren. Derzeit läuft der Umbau der Produktionsanlagen in Wolfsburg auf Hochtouren. Was haben sie schon hinter sich, was läuft aktuell und wann sind Sie mit dem Umbau fertig?

Fiebig: In der aktuellen Fünf-Jahres-Planung ist für das Werk Wolfsburg eine Investitionssumme von mehr als zwei Milliarden Euro vorgesehen. Das ist ein großer Vertrauensvorschuss, den unser Vorstand dem Standort Wolfsburg gewährt. Mit dem Modularen Querbaukasten schaffen wir jetzt die Voraussetzungen für die Produktion in den nächsten 15 Jahren. Die Materialflusskette wird optimiert die Fertigungsstrukturen werden schlanker, wir bekommen ein Höchstmaß an Qualität. Für das Werk Wolfsburg bedeutet die Einführung eine völlig neue Belegungsstruktur. Eine besondere Herausforderung ist, dass der Umbau bei laufender Produktion geschieht.

WAZ: Für die Umbauarbeiten hätte man eine produktionsfreie Zeit im Werksurlaub gut gebrauchen können. Stattdessen wird nun durchgearbeitet. Das bringt sicher Probleme mit sich, oder?

Fiebig: Die Kunden haben bei uns ihre Autos bestellt und warten darauf. Die Produktion dieser Fahrzeuge hat bei uns oberste Priorität. In der Golf-Fertigung haben wir uns deshalb das Ziel gesetzt, im Werksurlaub mehr als 10.000 zusätzliche Golf zu bauen. Wenn es dann noch mehr werden – umso besser. Auch in der Produktion des Tiguan geht es voran. Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, die Kapazität des Karosseriebaus zu erhöhen, damit wir künftig 1000 Tiguan pro Tag produzieren können. So erweitern wir zum Beispiel aktuell die Seitenteilstraße. Ansonsten steht der Werksurlaub ganz im Zeichen der Umbauten für den Modularen Querbaukasten für künftige Modelle. Die Umrüstungen sind eine große Herausforderung für die Mannschaft. Die Planung macht da gemeinsam mit den einzelnen Gewerken einen tollen Job. Ich habe hier einen dicken Ordner, darin sind alle 300 Bauprojekte aufgeführt, die im Werksurlaub anstehen.

WAZ: Auch bei Audi läuft gerade der Umbau für den Modularen Querbaukasten.

Fiebig: Stimmt. Bei Audi in Ingolstadt ist man aktuell mit dem Umbau für den A3 befasst. Wir stimmen uns deshalb ständig ab, um voneinander zu lernen.

WAZ: Wann werden denn die ersten neuen Golf-Modelle aus dem Querbaukasten produziert?

Fiebig: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußern möchte. Das allerwichtigste für uns ist wie bei jedem neuen Fahrzeug zunächst, dass die Qualität zu 100 Prozent stimmt. Wir richten uns streng nach dem Standard der Konzernvorgaben. Da machen wir keine Kompromisse, denn wir wissen genau, dass wir uns bei der Qualität keinen Fehler erlauben dürfen. Die Serienproduktion des neuen Golf ist im Laufe des kommenden Jahres vorgesehen. Bis dahin stehen noch viele Tests und Dauererprobungen an. Ich habe ihn übrigens schon gesehen und kann Ihnen versichern: In ihm steckt Liebe zum Detail, er weckt Begierde und Leidenschaft.

WAZ: Und ab wann läuft dann die komplette Fabrik mit dem neuen Produktionssystem?

Fiebig: Wir planen Innerhalb der nächsten Jahre, die gesamte Modellreihe schrittweise umzustellen.

WAZ: Im VW-Werk herrscht akuter Büro-Notstand, den Sie mit neuen Gebäuden lindern wollen. Wo werden Flächen geschaffen und wie gehen die Arbeiten voran?

Fiebig: Unser Vorstand und der Betriebsrat haben sich darauf verständigt, dass es dazu nach dem Werksurlaub, spätestens aber vor der nächsten Betriebsversammlung im September, ausführliche Informationen gibt.

WAZ: Ein Dauerbrenner ist die Parkplatznot rund ums VW-Werk. Bereits vor Monaten hat VW den Bau von Parkgaragen angekündigt. Bisher ist nichts davon zu sehen. Wann geht‘s los?

Fiebig: An der Service Akademie bauen wir bereits 500 Stellplätze und an der FE entstehen bis 2012 Parkplätze für 3200 Mitarbeiter. Spätestens nach dem Werksurlaub sind die Bauarbeiten zu sehen. Unser Vorstand hat grundsätzlich auch grünes Licht für den Bau des Parkhauses Wellekamp und für ein Parkdeck auf dem ehemaligen Schnellecke-Gelände am Bahnhof gegeben. Aber auch hier gilt: Nach dem Werksurlaub wird im Detail darüber informiert.

WAZ: Für einen Großteil der Beschäftigten im VW-Werk wird das gerade erst neu eingeführte Schichtmodell nach dem Werksurlaub erneut angepasst. Künftig wird auf Wunsch vieler Kollegen von Früh- auf Nachtschicht und dann zu Spätschicht gewechselt. Sorgt die erneute Änderung nicht für neue Unruhe?

Fiebig: Wir haben nie den Anspruch gehabt, dass ein Schichtmodell statisch sein muss. Die Umstellung des Schichtwechsel-Rhythmus ist bewusst für die Zeit nach dem Werksurlaub vereinbart worden, damit es möglichst keine Anpassungsprobleme beim Übergang auf den neuen Rhythmus gibt. Der Wechsel von Früh- auf Nacht- auf Spätschicht ist den meisten Betroffenen aus der Vergangenheit bekannt und deshalb auch vom überwiegenden Anteil so gewünscht worden. Ich will übrigens klar sagen, dass wir bei Schichtmodellen weitere Alternativen suchen. In Bereichen mit hoher Kundennachfrage, zum Beispiel im Presswerk, könnten wir bereits im vierten Quartal des laufenden Jahres mit einer vierten Schichtmannschaft arbeiten.

WAZ: Vier von fünf in Wolfsburg produzierte Fahrzeuge standen bei der Qualität zuletzt in den Top Ten der Konzernwelt-Liga. Holen die anderen Werke auf oder hängen Sie die interne Konkurrenz dauerhaft ab?

Fiebig: Weder noch. Sowohl wir im Werk Wolfsburg als auch die anderen Standorte verbessern stetig die Qualität unserer Fahrzeuge. Alle Parameter zeigen in die richtige Richtung. Wenn es zum Beispiel um die Zahl der Liegenbleiber geht, sind wir bereits nah an unserem Ziel, das nur lauten kann: Null Liegenbleiber!

WAZ: Das VW-Werk Wolfsburg gilt als vorbildlich und übernimmt Patenfunktion für andere Werke. Auch Sie sind in der VW-Welt viel unterwegs, helfen und geben Ratschläge. Was können andere Standorte von Wolfsburg lernen?

Fiebig : Etwa 300 bis 320 Mitarbeiter aus Wolfsburg sind ständig unterwegs. Wir verfügen über Jahrzehnte aufgebautes Produktions-Knowhow und Erfahrungen mit Neuanläufen. Für die Werke in Osnabrück und Kaluga in Russland übernimmt Wolfsburg Patenfunktion. Ich selbst lerne deswegen zum Beispiel gerade Russisch, damit es mit der Verständigung in Kaluga noch leichter geht.

WAZ: Sie arbeiten im Werksurlaub durch, wann dürfen Sie in Urlaub?

Fiebig (schmunzelt): Sobald es die Zeit zulässt.

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