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Dunkles Kapitel: Munitionsherstellung in Lehre

Viele Gebäude der Muna sind noch gut erhalten Dunkles Kapitel: Munitionsherstellung in Lehre

In der Heeresmunitionsanstalt Lehre, kurz Muna, entstanden im Kampstüh während des Zweiten Weltkrieges tonnenweise todbringende Waffen. Viele Gebäude auf dem riesigen Areal mitten im Wald sind heute noch gut erhalten.

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Die Muna als Mahnort: Die Gedenktafel am Eingang steht erst seit vergangenen Sommer. Uwe Otte hat sich viele Jahre für die Aufstellung stark gemacht.

Quelle: Boris Baschin

Lehre. Nach dem Baustart 1934 wuchs eine eigene, streng abgeschottete und bewachte Welt heran. Uwe Otte zeigt auf ein Gebäude mit stark verrosteten Metalltüren und vier Fenstern, das versteckt hinter Bäumen liegt. „Das ist die alte Trafostation“, erläutert der Mitbegründer der Basisgruppe Lehre, der sich seit über 30 Jahren mit der Geschichte der Muna befasst. Die 100 Gebäude auf dem rund 200 Hektar großen Areal waren einst vom Stromnetz völlig unabhängig. Zu dem Bestand gehörten die Munitionsarbeitshäuser, Lagerhäuser, Wohnhäuser, ein Verwaltungsgebäude und ein kleines Wasserwerk.

Die Herstellung von Munition für Infanteriewaffen, Tellerminen und Panzergeschossen war höchst gefährlich. „Laut einem Zeitzeugen begann die Produktion 1937“, berichtet Otte. Die Beschäftigten und zunehmend auch Zwangsarbeiter mussten in großer Stückzahl fertigen. Die Waffen wurden auch in Bunkern auf dem Gelände gelagert, in Waggons geladen und mit der Bahn offenbar direkt an die Front abtransportiert - die Muna hatte einen eigenen Gleisanschluss, von dem heute nur noch wenig zu sehen ist. „Wegen der großen Mengen an hergestellter Munition erfolgte der Abtransport auch mit Pferdewagen durch Lehre“, hat Otte bei seinen Recherchen herausgefunden. Diese stützt er auf eine Vielzahl von früheren Behördendokumenten. „Originaldokumente wie etwas das Kriegstagebuch des Lagerkommandanten gibt es nicht mehr“, berichtet der Berufsschullehrer.

Heute, 72 Jahre nach Ende des Krieges, haben sich eine Reihe von Firmen auf dem Areal am Rand von Lehre angesiedelt. „Dieses ist nach offiziellen Angaben komplett von Munition geräumt“, sagt Otte. Am Eingang steht seit vergangenen August eine Gedenktafel, die die Muna als „Mahnort“ ausweist. Dafür hat sich Otte politisch seit Beginn der 1980er-Jahre eingesetzt. „Für mich eine späte Genugtuung“, sagt er.

Von Jörn Graue

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