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Zweijähriger Prozess gegen Maik Nahrstedt: „Mir ist großer Schaden zugefügt worden“

WAZ-Interview Zweijähriger Prozess gegen Maik Nahrstedt: „Mir ist großer Schaden zugefügt worden“

Maik Nahrstedt ist eine der Hauptpersonen der Stadtwerke-Affäre. Er war angeklagt, anonyme Schmähbriefe geschrieben zu haben. Zudem ging es um Anstiftung zur Untreue. Dieser Prozess endete im Mai.

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Maik Nahrstedt ist eine der Hauptpersonen der Stadtwerke-Affäre. Er war angeklagt, anonyme Schmähbriefe geschrieben zu haben. Zudem ging es um Anstiftung zur Untreue. Dieser Prozess endete im Mai.

Quelle: Photowerk (he)

WAZ: Wie beurteilen Sie die vergangenen zwei Jahre vor Gericht und das Ende des Prozesses um die anonymen Briefe?

Nahrstedt: Ich bin froh, dass dieser Prozess vorbei ist und freue mich natürlich sehr über den Freispruch!

WAZ: Die Zeit war wahrscheinlich enorm belastend?

Nahrstedt: Das kann man so sagen. Ich wurde seit August 2010 zu Unrecht von einigen Leuten beschuldigt, diese Schmähbriefe gegen Ex-Stadtwerke-Vorstand Markus Karp und Ex-Stadtwerke-Betriebsrat Heinz-Helmut Plath geschrieben zu haben. Ich wusste, dass dieser Vorwurf nicht stimmt und viele meiner Kollegen wussten es auch. Durch die gegen mich erhobenen Verdächtigungen ist mir großer Schaden zugefügt worden.

WAZ: Geht das nicht jedem Angeklagten so?

Nahrstedt: Viele Menschen hielten mich durch die mediale Berichterstattung für einen bösen Briefeschreiber oder beschimpften mich als Menschenvernichter. Andere versuchten, mich als schwul hinzustellen. Mein Anwalt hat ermittelt, dass mehr als 170 Presseberichte seit 6. August 2010 nur zu diesem Thema der anonymen Briefe über mich geschrieben wurden. Man wird in der Stadt, auf der Arbeit, beim Einkaufen, beim Fußball, in der Nachbarschaft - eigentlich überall - angesprochen. Damit muss man drei Jahre erst einmal umgehen können. Das war keine leichte Situation, in die mich da einige Personen gebracht haben.

WAZ: Wobei der Prozess auch sehr langwierig war...

Nahrstedt: ...deshalb war es vom Gericht eine sehr vernünftige Entscheidung, dieses Verfahren endlich zu beenden. Rund drei Viertel der Zeit von den 24 Verhandlungstagen ging es um die anonymen Briefe. Zum Vergleich: In Braunschweig wurde zeitgleich mit meinem Verfahren ein Messerstecherprozess eröffnet und nach sechs Verhandlungstagen schon beendet, während wir noch Monate weiter verhandelten.

WAZ: Ärgert Sie dieses lange Verfahren sehr?

Nahrstedt: Im Grunde haben viele Bürger doch zum Schluss gedacht, dass es in der Stadtwerke-Affäre ausschließlich um die anonymen Briefe oder um Fußballkarten ging. Die Sache mit der CDU-Parteiarbeit in unserem Unternehmen hatten viele schon beinahe vergessen.

WAZ: Aber wegen der Fußballveranstaltung in der VW Arena wurden Sie zu 4800 Euro Geldstrafe verurteilt...

Nahrstedt: Stimmt! Letztlich kann man das als Gericht eben auch gegen mich werten. Ich habe mir das Geld für die Veranstaltung in der VW-Arena ja nicht in die eigene Tasche gesteckt, sondern Fußballer aus dem WDZ-Hallenpokal wie in jedem Jahr mitgenommen.

WAZ: So ganz ist die Stadtwerke-Affäre jedoch noch nicht vorüber, oder?

Nahrstedt: Richtig. Ich gehe stark davon aus, dass wegen der CDU-Parteiarbeit, denn darum geht es ja letztlich wirklich, die Anklage der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Braunschweig gegen Markus Karp und mich zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird.

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