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Stadt Wolfsburg Wolfsburger CDU steht vor Scherbenhaufen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wolfsburger CDU steht vor Scherbenhaufen
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23:59 16.10.2017
Betretene Gesichter: Landtagskandidat Peter Kassel (Mitte) hatte am Wahlabend wenig zu Lachen.  Quelle: Boris Baschin
Wolfsburg

 Nein, sagt Angelika Jahns – an einen Rücktritt als CDU-Chefin denke sie trotz der zwei Wahlschlappen in kurzer Zeit nicht. Nein, sagt auch der abgewatschte CDU-Landtagskandidat Peter Kassel – es gebe auch andere Optionen als Rücktritte. Das sehen ganz offensichtlich nicht alle so in Reihen der Christdemokraten. „Diejenigen, die die Verantwortung für die Wahlen hatten, müssen nun auch die Konsequenzen ziehen“, sagt Ratsherr Frank Roth. Steht die CDU in Wolfsburg vor einer Zerreißprobe?

Roth selbst hatte nach der Rücktrittsankündigung von Angelika Jahns die Palastrevolution gewagt, stellte sich parteiintern als Kandidat gegen Peter Kassel auf – und wurde deswegen als CDU-Kreisgeschäftsführer gefeuert. Rausschmiss als Konsequenz auf eine demokratische Gegenkandidatur – „dafür haben Jahns und Kassel jetzt das Wahlergebnis bekommen, das sie moralisch verdient haben.“ Um bestimmte Personen gehe es ihm aber gar nicht in erster Linie, wenn er Konsequenzen anmahne: „Es geht nicht um Egoismen, es geht um die Partei. Da ist auch die ganze Organisationsstruktur auf den Prüfstand zu stellen, irgendjemand muss die Verantwortung übernehmen.“

Das Dilemma der Wolfsburger Christdemokraten begann mit der Stadtwerke-Affäre, die Markus Karp zu Fall brachte. Der frühere Vertraute des Ex-Oberbürgermeisters Rolf Schnellecke sah sich gern als Lichtgestalt der Partei und gab sich auch so. Als er fiel, hinterließ er nicht nur ein Vakuum, sondern Risse in der CDU – seine Lieblingskinder hatte er getätschelt, weniger gelegene Mitstreiter fielen durch den Rost. „Ja“, räumt auch Angelika Jahns pauschal ein. „Die Stadtwerke-Geschichte hat uns schon sehr geschadet.“ Dass sie ihrer Partei womöglich schaden könnte, glaubt sie nicht. Im Gegenteil: „Nach dem Rückzug aus dem Landtag habe ich die Zeit, um mich von der Partei stärker in die Pflicht nehmen zu lassen“; sie werde im Frühjahr wieder antreten.

Auch Fraktionschef Peter Kassel hält nichts von vorschnellen Rückzügen. Analysieren und diskutieren müsse man die jüngsten Ergebnisse sehr wohl: „Und wenn dazu gehört, Personen zu hinterfragen, dann hinterfrage ich auch mich.“ Eine Antwort hat er angesichts der miesen CDU-Ergebnisse im ganzen Land bereits gefunden: „Ich glaube, auch jeder andere Kandidat hätte kein anderes Ergebnis erreicht.“

Die Frage steht dennoch im Raum: Muss sich die Partei runderneuern? So drastisch würden es die Ratspolitiker Werner Reimer und Melissa Schröder auf keinen Fall formulieren. Aber beide äußerten sich auf WAZ-Anfrage ähnlich: Der Zeitpunkt sei geeignet, sich neu aufzustellen. „Dazu gehören bewährte Namen und neue Namen gemeinsam“, sagt Reimer. Auch Schröder setzt auf einen Mix der Generationen, auf ein Miteinander von Jung und Alt: „Und dafür müssen die Älteren lernen, dass sie etwas abgeben müssen. Sonst können Jüngere nicht nachrücken.“

Von Ulrich Franke

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