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Stadt Wolfsburg „Unsere Chance ist, dass wir ein Reallabor von VW sein können“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Unsere Chance ist, dass wir ein Reallabor von VW sein können“
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00:19 01.07.2018
WAZ-Doppelinterview zum Stadtgeburtstag: Oberbürgermeister Klaus Mohrs (re.) mit Dennis Weilmann, Dezernent für Wirtschaft und Digitalisierung. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Hier das große WAZ-Doppelinterview zum 80. Stadtgeburtstag mit Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) und Dennis Weilmann, Dezernent für Wirtschaft, Digitales und Kultur.

Herr Mohrs, die Stadt Wolfsburg entwickelt sich höchst dynamisch und das auf ganz unterschiedlichen Feldern. Was sind die beherrschenden Themen für die kommenden Jahre?

Mohrs: Eines der bedeutendsten Themen bleibt zum einen das Thema Bildung. Wir müssen die Infrastruktur bei Krippen, Kindergärten und Schulen auch weiterhin den erfreulich hohen Geburtenzahlen bei Kindern anpassen. Außerdem müssen wir vorhandene Schulen und Kitas modernisieren.Ganz wichtig ist zum anderen die Wohnbauoffensive, die 2012 gestartet ist. Nach den notwendigen Planungen, die in Deutschland sehr lange dauern, sind wir jetzt an dem Punkt, dass in Wolfsburg Neubauten in größerer Zahl entstehen. Die Verkehrsentwicklung wird uns in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen. 80.000 Pendler bringen täglich viel Verkehr in die Stadt. Bei diesem Thema sind wir noch nicht am Ziel. Dazu gehört die Verlegung der L 290 zwischen Reislingen und Neuhaus. Die neue Strecke für den Kfz-Verkehr muss etwas von Reislingen weg- und an Neuhaus heranrücken. Absolut wichtig sind die Ausplanung und der Bau der sogenannten Grünen Route für Elektrobusse und Fahrräder von Nordsteimke über die Steimker Gärten und den Hellwinkel bis zum Hauptbahnhof. Wichtig sind aber auch der vierspurige Ausbau der B 188 vom Weyhäuser Kreuz bis zur Schosskreuzung und der sechsspurige Ausbau der A 39. Hauptziel ist es, die Dörfer von Verkehr zu entlasten.

Bezahlbarer Wohnraum im Neubaubereich

Immer mehr Menschen möchten Wolfsburg zu ihrem Lebensmittelpunkt machen, die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen hoch. Wie wird es mit der bereits seit einigen Jahren laufenden Wohnbauoffensive weitergehen?

Mohrs: In den Steimker Gärten, den Hellwinkel-Terrassen und dem Sonnenkamp zwischen Nordsteimke und Hehlingen entstehen in großer Zahl neue Wohnungen. Aber es gibt auch viele kleinere Projekte. So sorgt die Neuland dafür, dass auch neue Wohnungen unter dem Stichwort „Wohnen für alle“ entstehen und diese nicht teurer als sieben Euro pro Quadratmeter sind. Mir ist sehr wichtig, dass auch im Neubaubereich bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Im Altbestand sind Mieten deutlich unter sieben Euro ohnehin sehr preiswert. Geärgert hat mich, dass die Privatinvestitionen im Baugebiet Kleekamp in Fallersleben deutlich länger dauern als erhofft. Ich behaupte mal, dass hätten wir als Stadt vielleicht schneller hingekriegt.

Weilmann: Die Wirtschaftskraft, die hinter der Wohnbauoffensive steckt, ist enorm. Der Standort Wolfsburg wird für Investoren immer interessanter. Außerdem profitieren die lokalen Handwerksbetriebe in hohem Maße.

Mohrs: Das gilt bei 10.000 bis 15.000 Menschen mehr in der Stadt natürlich auch für den Handel und die Vereine. Das wird häufig vergessen.

Digitalisierung erfasst alle Bereiche des täglichen Leben

Herr Weilmann, als Wirtschaftsdezernent sind Sie auch maßgeblich für das Thema Digitalisierung verantwortlich. So häufig der Begriff auch verwendet wird, so unklar ist mitunter, was er bedeutet. Was verstehen Sie unter Digitalisierung?

Weilmann: Die digitale Transformation ist ein Veränderungsprozess, der auf digitale Technologien setzt. Für mich ist mit der Digitalisierung zwingend die Steigerung der Lebensqualität für den Menschen verbunden. Die Digitalisierung verbindet man in erster Linie mit Mobilität und Breitbandversorgung, aber sie umfasst alle Bereiche des täglichen Lebens. Sie kann das Wohnen im Alter oder den Weg zur Arbeit erleichtern, ist aber ebenso in der Bildung und im Kulturbereich präsent. Unser Ziel ist es, die digitale Modellstadt zu werden und uns zu einer Smart City zu entwickeln. Für mich steht bei allen Innovationen aber immer der Mensch im Mittelpunkt. Für ihn müssen sich klare Vorteile ergeben.

Unser Ziel ist es, die digitale Modellstadt zu werden und uns zu einer Smart City zu entwickeln. Für mich steht bei allen Innovationen aber immer der Mensch im Mittelpunkt. Für ihn müssen sich klare Vorteile ergeben.

Ein Reallabor für Volkswagen

Welche konkreten Chancen ergeben sich daraus für Wolfsburg?

Mohrs: Unsere Chance ist, dass wir ein Reallabor für Volkswagen sein können. Und das müssen wir auch sein.Das gilt natürlich insbesondere für neue Mobilität. In Zukunft kann ich mir jederzeit anzeigen lassen, wie ich mein Ziel am besten erreiche – über welche Route und mit welchem Verkehrsmittel. Ich bin sicher, dass es in absehbarer Zeit öffentlichen Nahverkehr nicht mehr ausschließlich mit großen Bussen und Bahnen auf festen Linien geben wird. Vielmehr wird es dann möglich sein, Kleinbusse von zu Hause aus vor der Abfahrt zu buchen. Hinzu kommt die Möglichkeit des autonomen Fahrens. Das ist gerade auch für Ältere, die sich heute nicht mehr trauen, selbst zu fahren, eine große Chance.

Weilmann: Mobilität wird sich in Zukunft stark verändern. Fahrzeuge werden viel mehr miteinander und mit der Verkehrsinfrastruktur kommunizieren. Das wird zu einem besseren Verkehrsfluss und zur Stauvermeidung führen und die Voraussetzungen für autonomes Fahren schaffen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt in Wolfsburg ein Testfeld für digitale Mobilität aufzubauen. Da geht es zum Beispiel um das Thema Fahrzeugsensorik und moderne Technologien wie 5G W-LAN P. Solche Dinge müssen wir jetzt vorantreiben, da diese bei einer modernen Verkehrsinfrastruktur schon bald Standard sein werden.

Mehr Elektromobilität und weniger Verkehrslärm

Natürlich muss die Verkehrsinfrastruktur dies alles aber überhaupt erst einmal hergeben ...

Mohrs: Wenn Verkehre intelligenter gesteuert werden, führt dies auch zu einer Entlastung der Straßen. Zudem darf man sich bei deutlich mehr Elektromobilität auf weniger Verkehrslärm auf Wolfsburgs Straßen freuen. Bis 2025 sollen auf unseren Straßen 50 Prozent E-Fahrzeuge unterwegs sein. Dass wir hier rechtzeitig mit Volkswagen im Gespräch sind, zum Beispiel bei der Schaffung der notwendigen Ladeinfrastruktur, ist ein großer Vorteil für Wolfsburg.

Die Menschen im Prozess der digitalen Transformation mitnehmen

Ob die Umwandlung der einstigen Markthalle in ein Digitallabor oder der erste Wolfsburger Digi Day. Die ersten Pflöcke sind eingeschlagen. Wie geht es in dieser Richtung weiter?

Weilmann: Ein zentrales Thema ist es, die Menschen im Prozess der digitalen Transformation mitzunehmen und dauerhaft zu informieren. Ganz bewusst haben wir frühzeitig begonnen, Digitalisierung erlebbar zu machen. Der Digi Day Anfang Februar war ein gutes Instrument, bei dem sich viele Menschen mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Das gilt auch für die PopUp-Phase der Markthalle. Auch zum Stadtgeburtstag wird es eine Digitalmeile geben. Wichtig ist, sowohl Menschen mitzunehmen, die sich gut mit dem Thema Digitalisierung auskennen als auch jene, die noch Ängste und Sorgen haben.

Herr Mohrs, haben Sie den Eindruck, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung schon bei allen Menschen angekommen sind?

Mohrs: Mit Sicherheit nein! Viele können sich unter dem Begriff noch nichts vorstellen. Es ist enorm wichtig, das Thema begreifbar zu machen.

Heinrich-Nordhoff-Straße: Der neue Stadtboulevard

Werfen wir einen Blick in die Zukunft, Herr Mohrs: Die geplante Nordhoff-Achse sieht vor, dass das VW-Werk in die Stadt hineinwächst. Bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze könnten entstehen, dazu viele neue Bürogebäude, was eine völlige Umgestaltung von bestehender Heinrich-Nordhoff-Straße und angrenzender Umgebung nach sich zieht. Wie stellen Sie sich die Zukunft an der verkehrlichen Lebensader der Stadt vor?

Mohrs: Da kann auf Dauer ein neuer Stadtboulevard entstehen. Die Nordhoff-Achse ist für mich zu schade, um sie auf der einen Seite ausschließlich mit Parkplätzen zu belegen. Es bedarf hier guter Planungen, damit Neues entsteht. Aber auch Parkmöglichkeiten muss es weiterhin geben. Mein Interesse ist, dass Volkswagen über den Kanal an der Heinrich-Nordhoff-Straße viel stärker an die Stadt heranrückt. Wichtig ist es, einen Mix aus Büros, Wohnraum und Handel in Richtung Nordkopf zu entwickeln. Neu zu ordnen sind der öffentliche Nahverkehr, der Individualverkehr, Radwege und auch das Parken. Dadurch soll auch die Porschestraße gestärkt werden. Um einigen möglichen Sorgen vorzubeugen: Auch Kleingärten wird es noch lange an der Heinrich-Nordhoff-Straße in Richtung Fallersleben geben. Wolfsburg bleibt auch dort eine mit Grün durchzogene Stadt.

Klaus Mohrs: „Es lohnt sich, mit Menschen zu reden.“

Bei aller Aufbruchstimmung und allem Enthusiasmus: Gerade große bauliche Veränderungen rufen naturgemäß auch Kritiker auf den Plan, die beispielsweise um einen Verlust von Natur und Lebensqualität fürchten. Ich denke da auch an die Schaffung großer Wohngebiete in der jüngsten Zeit, zum Beispiel an der Nordsteimker Straße oder der Reislinger Straße. Sind solche Einwände berechtigt?

Mohrs: Die meisten Einwände zeigen die Interessen von Betroffenen und mit diesen muss man sich auseinander setzen. In vielen Bürgerdiskussionen habe ich eigene Gedanken angepasst. Ich freue mich, wenn Bürger ihre Einwände vortragen, aber zugleich akzeptieren, dass es genauso andere Interessen gibt. Ich kann gut verstehen, wenn Menschen bei neuen Baugebieten oder auch bei Baulücken darauf verweisen, dass es sich dort zuvor um eine grüne Oase gehandelt hat. Dann muss man daran erinnern, dass dort, wo heute Wohnungen sind, früher auch Bäume oder anderes Grün waren. Den Großteil der Menschen erlebe ich offen für diese Argumentation. Es lohnt sich immer mit Menschen zu reden. Es gibt viele Anregungen und man kann auch Überzeugungsarbeit leisten. Viel mit Menschen zu sprechen, macht für mich den Reiz des Amtes als Oberbürgermeister aus.

Klaus Mohr zum VfL: „Ich habe gelitten wie viele andere auch.“

Seit jeher spielt auch der Sport in Wolfsburg eine wichtige Rolle. Da trifft es sich gut, dass der VfL in der ersten Fußballbundesliga bleibt. Wie stark haben Sie um den Klassenerhalt gezittert?

Mohrs: Gezittert ist hier der falsche Begriff. Ich habe gelitten, wie viele andere Fans auch. Zum einen unter dem schlechten Fußball, den wir zum Teil gespielt haben, zum anderen aber auch unter der Sorge, was im schlechtesten Fall ein Abstieg bedeutet. Als Robin Knoche dann in Kiel traf, war für mich klar, dass hier nichts mehr passiert. Ich hoffe, das es in der neuen Saison keine Relegation des VfL für den Klassenerhalt braucht.

In Sachen sportlicher Erfolg könnten die VfL-Männer wohl etwas von den VfL-Frauen lernen, oder Herr Weilmann?

Weilmann: Auf jeden Fall! Die Frauenmannschaft des VfL zeigt seit vielen Jahren eindrucksvoll, wie man sich national und international auf allerhöchstem Niveau bewegen kann. Aber auch wenn die beiden letzten Jahre nicht so viel Spaß gemacht haben, sollte nicht vergessen werden, dass die Männer in den letzten zehn Jahren zwei nationale Titel geholt haben – das würde ich mir für die nächsten zehn Jahre wieder wünschen.

Wünsche für die Stadt Wolfsburg

Zum 80. Stadtgeburtstag steht die nächste Partysause nach dem Tag der Niedersachsen 2017 bevor. Was wünschen Sie beide Wolfsburg für die nächsten 80 Jahre?

Mohrs: Ich wünsche mir für die nächsten Jahre, dass sich weiterhin so viele Menschen ehrenamtlich engagieren, die Stadt zusammen mit Volkswagen immer neugierig auf die Zukunft bleibt und dass wir unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Die Bürger müssen an ihre Stadt glauben. Das gelingt, wenn sie das Gefühl haben, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit ihnen handelt.

Weilmann: Ich wünsche mir für meine Heimatstadt, dass sie sich weiter so prächtig entwickelt wie in den letzten 80 Jahren. Wolfsburg soll weiterhin ein starker Wirtschaftsstandort mit einer sehr hohen Lebensqualität sein. Und wenn beim 160. Stadtgeburtstag Wolfsburg rückblickend als eine der digitalen Städte Deutschlands gefeiert wird, haben wir vieles richtig gemacht.

Von Jörn Graue

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