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Stadt Wolfsburg Weihnachten in der Antarktis
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Weihnachten in der Antarktis
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10:00 23.12.2017
Arved Fuchs  Quelle: privat

In den zurückliegenden knapp 30 Jahren haben Sie weit mehr als 20 Expeditionen, darunter viele in die Arktis unternommen. Führen Sie als Abenteurer ein Leben am Limit?

Im Laufe solcher Expeditionen sammelt man einige existenzielle Erfahrungen und teilweise sind das natürlich auch Grenzerfahrungen. Meine Zielsetzung war es allerdings nicht, möglichst gefährlich zu leben, sondern Zugang zu Landschaften zu bekommen, die einfach schwer zu bereisen sind. Dafür ist viel handwerkliches Geschick erforderlich und man muss wissen, worauf man sich einlässt, so dass Gefahren minimiert werden.

Wie bereiten Sie sich auf eine solche Reise vor?

Die Kunst des Expeditionsreisens besteht darin, dass man weiß, wo man leistungsmäßig steht, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ich muss die Spielregeln der Natur kennen und sie beherrschen. Wenn ich zum Beispiel zum Nordpol laufen möchte, muss ich genau wissen, mit welchen Eisverhältnissen ich es zu tun habe, wo die Gefahren liegen und wie ich mich zu verhalten habe.

1989 haben Sie als erster Mensch sowohl den Nord- als auch den Südpol in nur einem Jahr zu Fuß erreicht und werden darüber auch in Ihrer neuen Multivisionsshow im Wolfsburger CongressPark berichten. Mit welchen Gefühlen blicken Sie 28 Jahre danach auf Ihren großen persönlichen Triumph zurück?

Im positiven Sinne war das eine Auseinandersetzung mit der Natur, die mich an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit gebracht hat. Damals war ich insgesamt 4000 Kilometer mit schweren Schlitten auf Skiern unterwegs. Solche Erfahrungen heftet man nicht einfach ab wie eine Urlaubsreise, sondern diese werden zum Teil der eigenen Biografie und haben damit einen großen Nachklang.

Wie gingen Sie damals und wie gehen Sie heute mit den ständigen Gefahren durch extreme Klimaphänomene um?

Solche Expeditionen, wie ich sie gemacht habe, sind nur möglich, wenn man die Signale der Natur richtig interpretiert. Wenn man etwa veränderte Eisverhältnisse in der Antarktis entdeckt, macht einen das stutzig. Die Polarlandschaften verändern sich in einem dramatischen Tempo und ich sehe es auch als meine Aufgabe an, darüber zu berichten. Gefahr ist immer eine Frage der Betrachtungsweise. Für mich ist es nicht so gefährlich bei Minus 40 Grad Celsius draußen zu leben, weil ich einfach weiß, was ich dort machen muss. Natürlich gibt es immer wieder auch gefährliche Momente, wenn ich an die gewaltigen Gletscher mit ihren großen Spalten denke. Es darf einfach nichts passieren. Man geht immer sehr vorsichtig voran, das hat nichts mit Tollkühnheit zu tun.

Gehören Ehrfurcht und ein besonderer Respekt zu jeder Ihrer Reisen dazu?

Natürlich begegne ich den Reisen mit einem besonderen Respekt. Respektlosigkeit und Routinedenken sind völlig deplatziert. Eine Haltung wie „Irgendwie wird das schon gehen“ geht natürlich nicht. Es stellt sich auch Demut ein. Der Natur ist es völlig egal, ob ich überlebe oder nicht. Entscheidend ist, dass ich mich so vorbereite, dass ich die Aufgabe bewältigen kann und mit einem guten Gefühl zurückkomme.

Und Angst? Gibt es diesen Begriff in Ihrem Wortschatz als Polarforscher überhaupt?

Angst gehört zum Leben dazu und ist eine Schutzfunktion des Körpers. Als biochemischer Prozess hilft Angst, bestimmte Situationen zu überwinden. Wenn wir ehrlich sind, kennt das jeder von uns. Ein Beispiel sind Schreckmomente auf der Autobahn, in denen man Angst hat, dass etwas passieren könnte und dann ist die Situation auch wieder vorbei. Die Reisen sind für mich sehr positiv. Ich mache sie nicht, weil ich ein Masochist wäre, sondern aus Spaß und Freude an der Sache.

Dagegen löst der Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest rundherum positive Gefühle aus. Blicken wir noch einmal auf Ihren Trip zum Südpol, den Sie am 30. Dezember 1989 zusammen mit Ihrem Begleiter Reinhard Messner erreicht haben. Das Christfest verbrachten Sie damals in einem Zelt bei Sturm und eisiger Kälte ...

Ich habe schon viele Weihnachtsfeste in einem Zelt verbracht, etwa in der Antarktis, in Patagonien oder Feuerland. Das ist immer auch gelebter Minimalismus. Man hat keinen Vorrat an Naschereien, sondern nur ganz wenig zur Verfügung. Aber gerade dieses Wenige schärft dann auch den Blick für das Wesentliche. Man freut sich über ganz kleine Dinge. Eine Lehre, die ich aus den Expeditionen ziehe, ist immer auch, mit wie wenig man glücklich sein kann. Es geht nicht um ein Riesenangebot, sondern um eine innere Haltung und Nachdenklichkeit zu dem Fest.

Wie feiern Sie in diesem Jahr Weihnachten?

Weihnachten werde ich zu Hause mit der Familie und Freunden mit einem Essen feiern. Das wird ein ganz normales Fest, wie es alle anderen Menschen auch verbringen, denke ich. Das Haus wird weihnachtlich geschmückt sein, einen Baum werden wir aber nicht haben.

Haben Sie bei einer Ihrer Reisen schon einmal den Weihnachtsmann auf seinem schnellen Schlitten gesehen?

Nein, ich habe den Weihnachtsmann noch nicht gesehen. Allerdings habe ich ihn früher oft für Kinder in der Nachbarschaft oder von Freunden gespielt. Das hat mir immer großen Spaß gemacht.

2015 absolvierten Sie die „Ocean-Change“-Expedition mit den Zielen Kap Hoorn und Antarktis, über die Sie ebenfalls in Wolfsburg berichten werden. Was war das Außergewöhnliche an dieser Reise?

Die Expedition dauerte genau ein Jahr. Mit der „Dagmar Aaen“, einem alten Segelschiff, ging es von Hamburg aus nach Kap Hoorn sowie in die Antarktis und wieder zurück. Wir legten 21.000 Seemeilen zurück. Das ist so viel wie die Umrundung des Äquators. Das Seegebiet ist sehr schwierig zu bereisen. Das gilt etwa für Kap Hoorn mit seinen legendären Stürmen, von denen es auch für uns Kostproben gab. In dem Vortrag in Wolfsburg spielen auch historische Hintergründe und vergangene Expeditionen eine Rolle, so habe ich Kap Hoorn bereits in den 1980er-Jahren im Winter in einem Kajak umrundet.

Im Oktober 2017 haben Sie das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier für Ihren herausragenden Einsatz in Sachen Umweltschutz bekommen. Eines Ihrer Ziele ist es, gerade junge Menschen für Umweltthemen zu sensibilisieren. Sehen Sie sich also in einer besonderen Verantwortung zur Bewahrung der Umwelt?

Ich habe das große Privileg, Zugang zu Landschaften zu finden, in die andere Menschen nie kommen werden. Die Natur bedeutet mir sehr viel. Wenn ich sehe, dass sich die Antarktis etwa doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt, ist dringendes Handeln durch die Politik erforderlich. Wir möchten gerade junge Menschen sensibilisieren, weil sie die Entscheidungsträger von morgen sind. Es wäre vermessen zu behaupten, dass wir so die Probleme lösen könnten. Aber wir können einen Beitrag leisten.

Sind Sie das erste Mal in Wolfsburg?

Ich bin das erste Mal mit einem Vortrag in Wolfsburg und kenne die Stadt nicht sehr gut. Ich freue mich darauf, dort zu gastieren und hoffentlich ein interessiertes Publikum anzusprechen.

Was wünschen Sie den Wolfsburgern zu Weihnachten?

Ich wünsche den Wolfsburgern ein schönes und fröhliches Fest, das hoffentlich auch weltpolitisch harmonisch verläuft.

Von Jörn Graue

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