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Walter Hiller: Stadt und VW brauchen Gedenkstätte für NS-Zeit

Thema Laagberg Wolfsburg Walter Hiller: Stadt und VW brauchen Gedenkstätte für NS-Zeit

Der frühere VW-Gesamtbetriebsratschef und Sozialminister Walter Hiller positioniert sich in einem Gastbeitrag für die WAZ deutlich zum Thema Gedenken in Wolfsburg. Er fordert ein Dokumentationszentrum zur nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt.

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Walter Hiller: Das Zentrum könnte weit über Wolfsburg hinaus wirken.

Wolfsburg.  Den folgenden Gastbeitrag schreibt Walter Hiller, früherer Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Volkswagen, Niedersächsischer Sozialminister a.D, Wolfsburger Ehrenbürger. Hintergrund ist die Entscheidung am Montag, 21. August (16 Uhr), im Rathaus über den Umgang mit Überresten des Außenlagers des KZ Neuengamme am Laagberg. Im Folgenden finden Sie zunächst eine durch die Redaktion deutlich gestraffte Fassung. Wer den gesamten Beitrag von Walter Hiller lesen möchte, findet diesen im Anschluss an die gekürzte Version.

Kurzversion:

„Eine fundierte und systematische Gesamtdarstellung der NS-Zeit, deren Wirkung und Bedeutung für die Stadt und Volkswagen immer noch fehlt, ist 72 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus überfällig. Hierin einbezogen werden muss die Konzipierung und Errichtung einer Gedenk- und Erinnerungsstätte am Laagberg.

Die Volkswagen AG und die Stadt Wolfsburg haben eine untrennbar miteinander verbundene Gründungsgeschichte, die ohne den Nationalsozialismus nie geschrieben worden wäre. Beide haben deshalb die Pflicht, sich dieser politischen, historischen und moralischen Verantwortung zu stellen, die NS-Zeit mit wissenschaftlicher Unterstützung und Expertise aufzuarbeiten und dies in einem Dokumentationszentrum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Von der Diktatur zur Demokratie

Wolfsburg ist in Deutschland die Stadt, die in ihrer Geschichte einzigartig und einmalig ist. Sie ist ein Beispiel für die Entwicklung einer Stadt, gegründet von den Nazis, einem verbrecherischen und diktatorischen System, die sich nach der Befreiung 1945 zu einem demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesen entwickelte. Wolfsburg war von Anfang an eine Einwanderungsstadt. Alle Bewohner sollten die Geschichte der Stadt, ihrer neuen Heimat kennen, sowohl die guten Seiten der Mitmenschlichkeit unter demokratischen Verhältnissen, als auch die andere Seite unter der Gewaltherrschaft der Nazis.

Das Leben in der Stadt und im Volkswagenwerk unterlag dieser Gewaltherrschaft. Dafür mussten für den Rüstungsbetrieb Volkswagenwerk Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und KZ-Häftlinge, darunter jüdische Frauen, schuften. Ihre Arbeit war verbunden mit Tod, Misshandlung, Ausbeutung, Unrecht und Diskriminierung.

Betrachten wir dazu unsere aktuelle Situation, müssen wir leider feststellen, dass mit dem Ende der NS-Herrschaft rassistisches, antisemitisches, rechtsextremistisches, ja sogar nationalsozialistisches Denken leider nicht beseitigt worden ist. Hieraus folgt für das Dokumentationszentrum, dass die Menschenrechte und die Menschenwürde feste Bestandteile sein müssen.

Zentrum sollte in der Innenstadt stehen

Das Dokumentationszentrum sollte unter der Überschrift „Wolfsburg und der Nationalsozialismus“ im Stadtzentrum seinen Platz erhalten und könnte dort eine Wirkung entfalten, die weit über Wolfsburg hinausreicht. Das Gebäude sollte als gemeinsames Projekt im Rahmen einer Stiftung von Volkswagen und der Stadt (eventuell auch Niedersachsen) konzipiert werden. Für die Planung und Festlegung der Inhalte sind ausgewiesene Experten gefordert, die interdisziplinär historische Forschung, pädagogische Konzepte entwickeln und Bezüge zur Gegenwart herausarbeiten. Die Zeit ist reif, endlich auch bei uns die Erinnerung zur Pflicht zu machen, auch im Blick auf das 80. Jubiläumsjahr 2018.“

Vollständige Version:

„Eine fundierte und systematische Gesamtdarstellung der NS-Zeit, deren Wirkung und Bedeutung für die Stadt und Volkswagen immer noch fehlt, ist 72 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus überfällig. Hierin einbezogen werden muss die Konzipierung und Errichtung einer Gedenk- und Erinnerungsstätte am Laagberg.

Die Volkswagen AG und die Stadt Wolfsburg haben eine gemeinsame und untrennbar miteinander verbundene Gründungsgeschichte, die ohne den Nationalsozialismus nie geschrieben worden wäre. Dies begründet eine besondere historische Bedeutung und Verantwortung. Beide haben deshalb die moralische Pflicht, sich dieser politischen, historischen und moralischen Verantwortung zu stellen, die NS-Zeit wahrheitsgemäß mit wissenschaftlicher Unterstützung und Expertise aufzuarbeiten und dies in einem Dokumentationszentrum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierbei sind Entschlossenheit und Dringlichkeit geboten, denn jedes weitere Verstreichen von Zeit macht diese Aufgabe immer schwieriger.

Die Erfolgsgeschichte

Wolfsburg ist in Deutschland die Stadt, die in ihrer Geschichte einzigartig und einmalig ist. Sie ist ein Beispiel für die Entwicklung einer Stadt, gegründet von den Nazis, einem verbrecherischen und diktatorischen System, die sich nach der Befreiung (denke an Richard v. Weizsäcker) 1945 zu einem demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesen entwickelte. Heute ist Wolfsburg eine blühende Großstadt mit regionaler und internationaler Ausstrahlung. Des Weiteren hat sie zusammen mit Volkswagen eine nahezu beispiellose politische, wirtschaftliche und soziale Erfolgsgeschichte geschrieben. Es muss in unser aller Bestreben liegen, diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen.

Betrachten wir dabei die Entwicklung der Stadt von der Nachkriegszeit bis heute, stellen wir fest, dass die Bevölkerung von damals rund 10 000 Einwohnern auf über 120 000 gewachsen ist. Wolfsburg war von Anfang an eine Einwanderungsstadt. Über 30 Prozent aller Wolfsburger haben einen Migrationshintergrund. Rund 20 000 davon leben seit mehr als 20 Jahre bei uns und rund 40 Prozent von ihnen sind junge Wolfsburger. Dazu kamen in jüngster Zeit weitere Asylbewerber und Flüchtlinge hinzu. Alle Bewohner, die in den vergangenen Jahren als Bürgerinnen und Bürger zu uns gekommen sind, sollten die Geschichte der Stadt, ihrer neuen Heimat kennen, sowohl die guten Seiten der Mitmenschlichkeit unter demokratischen Verhältnissen, als auch die andere Seite unter der Gewaltherrschaft der Nazis. Nur auf der Grundlage von Aufklärung und Bildung ist es möglich, sie in die Lage zu versetzen, egal aus welchem Land und welcher Religion sie kommen, die Geschichte des Werkes und der Stadt kennen zu lernen und zu verstehen, sich mit der Stadt zu identifizieren, um Verantwortung in unserer Gesellschaft zu übernehmen. Aus diesem Grund muss die längst fällige systematische Gesamtdarstellung jetzt in Angriff genommen werden, solange hierfür noch ausreichende Möglichkeiten gegeben sind. Genau dazu möchte ich nun einige Punkte benennen.

Leben und Arbeiten unter dem Hakenkreuz

Wolfsburg - die „Stadt des KdF-Wagens“ - war eine Hochburg der Nationalsozialisten. Das Leben in der Stadt und im Volkswagenwerk unterlag der Gewaltherrschaft der Nazis. Grundlage dafür war die Ideologie der Volksgemeinschaft, der rassischen Überlegenheit und dem Führerprinzip. Auf allen Ebenen wurde autoritär und diktatorisch regiert nach den Vorgaben der Partei und dem Motto „Führer befiehl – wir folgen dir“. Managerpositionen im Werk und in der Stadt wurden durch Mitglieder der NSDAP besetzt, die sich durch eine besondere Gefolgstreue und Identifikation mit dem Nationalsozialismus auszeichneten. Damit waren Stadt und Werk von Anfang an völlig losgelöst von jeglicher Tradition politischer, gesellschaftlicher und demokratischer Entwicklung, jenseits der NS-Ideologie. Im ganzen Reich waren SPD, KPD und Gewerkschaften nach der Machtübergabe an Hitler verboten und viele ihrer Mitglieder, die Widerstand geleistet hatten, wurden in Konzentrationslagern inhaftiert und ermordet oder waren zur Emigration gezwungen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, einen Blick auf die Stadt München zu werfen, weil Wolfsburg mit der so genannten „Hauptstadt der Bewegung“ aufs engste verknüpft ist. Dort war der Beginn der NS-Bewegung. München bildete eindeutig den Nährboden für Hitlers Aufstieg. Dort wurde die NSDAP gegründet und auch die SS und SA, die bekannt sind als die treuesten Anhänger und Kämpfer für Adolf Hitler und seine Bewegung und München blieb bis zuletzt Sitz der Partei. Die politischen Grundlagen der NSDAP sind in München diskutiert und gelegt worden und somit war die Gründung von Werk und Stadt 1938 durchdrungen von diesem Geist der Menschenfeindlichkeit. Was in München als Ideologie entwickelt worden ist, sollte in Wolfsburg und bei Volkswagen mustergültig realisiert werden.

Die Demokratie der Weimarer Republik war mit der Machtübergabe an Hitler zerstört. Die Gesellschaft und damit auch die Betriebe und Unternehmen wurden autoritär im Sinne der Rassenideologie geführt, Gewerkschaften waren ja verboten. So sollte nach den Vorstellungen der NSDAP das Volkswagenwerk als Musterbetrieb für den deutschen Arbeiter entstehen und auch die Stadt sollte nach dieser Ideologie als Musterstadt entwickelt werden. Dazu kam es nicht, bedingt durch die Kriegserklärung von Hitler, der für den Kriegseinsatz Soldaten brauchte, die als Folge hiervon in der Industrie dann fehlten. Dafür mussten für den Rüstungsbetrieb Volkswagenwerk Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und KZ-Häftlinge, darunter jüdische Frauen, schuften. Ihre Arbeit war verbunden mit Tod, Misshandlung, Ausbeutung, Unrecht und Diskriminierung. Sie litten unter Hunger und Kälte und unter dem fortwährenden Diktat der deutschen Aufseher, Lagerleiter, Meister und Vorarbeiter. Das darüber hinausgehende Entscheidende war, dass die Sklavenarbeit der Juden am schlimmsten war, weil sie nicht nur Ausbeutung und Entrechtung, sowie den Verlust von Freiheit und Heimat bedeutete, sondern für die meisten die Vorstufe zu ihrer Ermordung war. Im Wannsee-Protokoll war sie sogar als Medium des Völkermords konzipiert. Dies alles hatte in München ihren Ursprung. Hinzufügen möchte ich an dieser Stelle, damit wir uns nichts vormachen: Demokratieverachtung, Judenfeindschaft, Antisemitismus, Fremdenhass und Militarisierung waren keine Erfindungen der Nazis. Sie benutzten, was als kräftige Strömungen in allen Schichten der Gesellschaft seit langem da war. Hitlers Rassenideologie, die von Professoren durch angeblich wissenschaftliche Forschung gestützt wurde, definierte eine von den Germanen abstammende so genannte „ arische Rasse“. Sie waren die Herrenmenschen, die die Welt beherrschen sollten. Slawische Völker wurden zu so genannten „ Untermenschen“ erklärt, die der Herrenrasse zu dienen hat. Unwertes Leben sollte vernichtet und die Juden als „Rasse“ ermordet und ausgerottet werden, was dazu führte, dass in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern 6 Millionen Juden ermordet wurden. In der Stadt des KdF-Wagens wurden die Menschen genau nach diesen Kriterien eingeteilt, schikaniert und brutal ausgebeutet, sowie KZ-Häftlinge der „Vernichtung durch Arbeit“ unterworfen. In diesem Sinne waren Wolfsburg und Volkswagen tatsächlich mustergültig für den Nationalsozialismus und ein konsequenter Ausdruck seiner Ideologie.

Betrachten wir dazu unsere aktuelle Situation, müssen wir leider feststellen, dass mit dem Ende der NS-Herrschaft rassistisches, antisemitisches, rechtsextremistisches, ja sogar nationalsozialistisches Denken leider nicht beseitigt worden ist. Hieraus folgt für das geforderte Dokumentationszentrum, dass die Menschenrechte und die Menschenwürde feste Bestandteile der Aufklärung und Bildung sein müssen, um dieser menschenfeindlichen Entwicklung und ihren Grundlagen konsequent entgegen zu treten.

An dieser Stelle sei mir ein Hinweis hinsichtlich der finanziellen Unterstützung der Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz durch Volkswagen gestattet. Diese Maßnahme erfolgte 1987 auf einen Vorschlag von mir, der mit Sicherheit auch in Zukunft durch die Fortführung der Finanzierung Bestand haben wird. Was ich aber irgendwie in diesem Zusammenhang nicht verstehe, ist die Tatsache, dass Volkswagen nicht bereit ist, eine aufgeschlossenere Position zu spielen im Zusammenhang der Darstellung der Menschheitsverbrechen in Auschwitz und den Menschheitsverbrechen in der „Stadt des KdF-Wagens“. Scheinbar gibt es dafür auch kein pädagogisches Konzept und man mag sich fragen, ob dies überhaupt erwünscht ist. Wer aber über die Verbrechen in Auschwitz redet und die Zeugnisse dessen vor Ort gesehen hat, darf über die tausendfache Verletzung der Menschenrechte in der „Stadt des KdF-Wagens“ nicht schweigen.Von diesem Zusammenhang kann man sich nicht durch Verschweigen lösen.

Ich denke, wir alle und dazu gehört auch Volkswagen, müssen zu diesem Teil unserer Geschichte stehen. Diese darf nicht verschwiegen werden, auch deshalb nicht, weil die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mit ihrer Arbeit im Volkswagenwerk mit die Grundlage geschaffen haben für die schnelle Produktionsaufnahme nach dem Krieg und damit auch den Fortbestand des Unternehmens gesichert haben. Wer die Geschichte kennt, der weiß, sie hätte auch völlig anders ausgehen können und eine Erfolgsgeschichte wäre aus dem Volkswagenwerk nie entstanden. Das sollten wir immer, auch im Blick auf die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter als Mahnung und aus Respekt in Erinnerung behalten.

Unsere Pflicht der Erinnerung - Zum Wandel der Erinnerungskultur

Die Zukunft der Erinnerung darf nicht darin bestehen, im Rahmen feierlicher Gedenkveranstaltungen der direkten und individuellen Konfrontation mit dem Thema, um damit der Wahrheit auszuweichen. Weiter gehört dazu, dass jede Generation die Verbrechen der Nationalsozialisten und deren Mittäter/-innen auch für kommende Generationen aufarbeitet, um die entsetzliche Wirkung von Rassismus und Nationalismus jungen Menschen immer vor Augen zu halten und daran zu denken, wie das Vergangene im Gegenwärtigen fortlebt.

Dabei haben wir uns um eine zeitgemäße Erinnerungskultur zu bemühen. Schüler mit sogenanntem Migrationshintergrund wissen mit der herkömmlichen ritualisierten deutschen Erinnerungskultur wenig bis nichts anzufangen, was auch für die Mehrheit der jungen Deutschen gelten dürfte. Unsere Erinnerungskultur befindet sich in einer Epochenwende, so die Meinung von Hajo Jahn von der Else-Lasker-Schüler-Schülergesellschaft: Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit nehmen zu. Wir alle wissen zudem, dass die Gewaltbereitschaft in der rechten Szene, nicht nur in den „ neuen Bundesländern“ steigt, aber besonders dort ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild hat. Nationalismus und Holocaust liegen 72 Jahre zurück und die jungen Generationen sehen sich mit neuen Herausforderungen wie Flucht, Vertreibung und Asyl, demografischer Wandel der Gesellschaft, Globalisierung, weltweite soziale Ungleichheit und Klimawandel konfrontiert. Hierzu gehören auch politische besorgniserregende Entwicklungen in Europa, die eine Zurückdrängung von Demokratie und Menschenrechten anzeigen. Erinnerungskultur muss auf der Höhe der Zeit sein, will sie junge Menschen durch Glaubwürdigkeit erreichen. Als ehemalige Hochburg der Nazis haben Volkswagen und die Stadt eine besondere Verpflichtung, insbesondere auch dem alltäglichen Antisemitismus entgegenzuwirken. Nur wenn das geschieht haben wir aus der Geschichte nachhaltig gelernt. Die Entwicklung auf diesem Gebiet ist erschreckend, was uns lehren sollte, dass wir zu wenig erreichen konnten. Deshalb müsste in Verbindung mit dem Dokumentationszentrum eine Institution geschaffen werden, die sich mit diesen Fragen nicht nur wissenschaftlich auseinandersetzt, sondern Konzepte, Methoden und Arbeitsmaterial für Schulen und die Erwachsenenbildung entwickelt und einen Ort des Lernens durch Erinnerung schafft.

Standort – Finanzierung - Planung

Das Dokumentationszentrum sollte unter der Überschrift „Wolfsburg und der Nationalsozialismus“ im Stadtzentrum seinen Platz erhalten und könnte dort eine Wirkung entfalten, die weit über Wolfsburg hinausreicht und auch für das Bundesland Niedersachsen von Bedeutung wäre. Ein Standort wäre denkbar auf dem Platz der Markthalle unter Einbeziehung des Gebäudes, ein anderer Platz könnte festgelegt werden in Verbindung mit dem geplanten und im Bau befindlichen Bildungshaus.

Das Gebäude sollte als gemeinsames Projekt im Rahmen einer Stiftung von Volkswagen und der Stadt (evtl. auch Niedersachsen) konzipiert werden. „Anständig“ aufgrund der Geschichte und der moralischen und historischen Verantwortung wäre: Die Finanzierung übernimmt die Volkswagen AG! Weil die Geschäftsführung der Jahre 1938 bis 1945 der damaligen Volkswagenwerk GmbH die Zwangsarbeiter, die sowjetischen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge bei den zuständigen Organen der Nationalsozialisten anforderte, um die Produktion von Rüstungsgütern für Hitlers Krieg sicherzustellen. Letztlich aber sollte sich auch die Stadt finanziell mit einem angemessenen Betrag beteiligen.

Für die Planung und Festlegung der Inhalte des Zentrums sind ausgewiesene Expertinnen und Experten gefordert, die interdisziplinär historische Forschung, pädagogische Konzepte entwickeln und Bezüge zur Gegenwart herausarbeiten.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf München hinweisen, weil München uns zeigt, wie sich eine Stadt mit seinem Dokumentationszentrum der NS-Zeit gestellt hat. Es war ein langer Weg und wenn wir die Erfahrung der Leitung dieses Zentrums nutzen, können wir in Wolfsburg lernen, den Weg von der Planung bis zur Fertigstellung zu verkürzen. Die Zeit ist reif, endlich auch bei uns die Erinnerung zur Pflicht zu machen, auch im Blick auf das 80. Jubiläumsjahr 2018.“

Von Walter Hiller

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