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WAZ-Silvesterinterview mit Paul Panzer:

Comedian im Gespräch WAZ-Silvesterinterview mit Paul Panzer:

„Panzer, ich begrüße Sie!“ – mit seinen Scherzanrufen im Radio ist Dieter Tappert alias Paul Panzer berühmt geworden. Seit 2005 tritt er höchst erfolgreich als Stand-Up-Comedian auf und macht bundesweit die Bühnen unsicher, zum Beispiel am 10. Mai 2018 um 20 Uhr in der Stadthalle in Braunschweig. Im WAZ-Interview spricht der 45-Jährige über Silvesterbräuche und seine Liebe zur Bühne.

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Dieter Tappert als Paul Panzer: Neben seinem markanten Sprechfehler ist das Blümchenhemd sein charakteristisches Merkmal.
 

Quelle: Archiv

Wolfsburg.  Seine Markenzeichen sind ein markanter Sprachfehler und Blümchenhemden. Tappert alias Paul Panzer lebt in Köln und hat dort, nachdem er eine Lehre als Schweißer gemacht hatte, Musik und Medienpädagogik studiert.

 
Paul, wie feierst du Silvester?

Ehrlich gesagt finde ich diese Tage dazwischen immer furchtbar. Zwischen Weihnachten und Neujahr sitzt man immer viel rum und hängt so in den Seilen – so geht es mir zumindest. Man wartet förmlich darauf, dass die Normalität zurückkommt. Und an Silvester? Wahrscheinlich werde ich mich betrinken, ne? Mit Bowle – Hilde macht immer so eine Früchtebowle. Eigentlich denke ich mir abends um acht schon: „Jetzt könnt’ ich auch ins Bett“. Ich muss dann aber bis null Uhr durchhalten, weil Hilde sonst Stress macht.

Hast du schon Vorsätze für das neue Jahr?

Ich habe eigentlich gelernt, Vorsätze hält man nicht ein. Bei mir ist es zumindest so, und dann bin ich von mir selbst enttäuscht. Also ist der Vorsatz für dieses Jahr: Keine Vorsätze.

Aber was ist, wenn du den auch nicht einhalten kannst?

(lacht.) Dann wird’s kompliziert! Stimmt, darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht!

„Bei uns ist Resteessen angesagt“

Was gibt es denn zu essen an Silvester? Gedünsteten Hamster?

Silvester ist bei uns immer eher so Resteessen angesagt. Man hat ja noch von Weihnachten so viel rumstehen und Silvester muss jeder gucken, wie er klarkommt. Ich sag ja, vom Pech verfolgt.

Und wie siehst du das: böllern oder lieber spenden?

Mein Sohn Bolle will immer böllern. Der holt sich das Zeug aus China, das besonders laute, und ich sag dann immer „Bolle, pass schön auf!“ Ich bin ja in der Freiwilligen Feuerwehr. Bolle knallt also mit den Dingern rum und ich sitz im Löschfahrzeug und warte auf meinen Einsatz.

Oh je! Ist denn schon mal was passiert?

Nee, als treusorgender Familienvater hab ich dann alles im Blick. Nee, noch nix passiert. Aber man soll ja nichts beschreien. So ist das ja mit dem Glück. Es gibt so ein schönes Sprichwort, das sagt: Wenn das Glück in der Stube ist, dann wartet das Pech schon im Flur. Von daher halte ich immer beide Augen offen.

Gibt es ein Silvester, das du nie vergessen wirst?

Da gibt es tatsächlich eines: Die Familie wollte woanders feiern und ich hatte mich richtig gefreut, weil ich alleine zu Hause bleiben durfte. Da hatte ich mich schon auf den langen Dokumentarfilmabend vorbereitet, mir schon ein paar Filme rausgelegt: „Löwen in der Serengeti“, „Rote Waldameise“ und so. Dann bin ich aber noch mal raus in Unterhose und Socken und mir ist die Tür zugefallen. Das war original an Silvester. Die Familie war nun zwei Ortschaften weiter, das Telefon lag im Haus und die Nachbarn waren alle unterwegs auf irgendwelchen Feiern. Ich also in Unterhose und klitschnassen Socken ums Haus, wo ich hab versucht habe, reinzukommen. Leider habe ich aber das Haus schön sicher gemacht gegen die Einbrecher. Also ich hab auf dem Dach ein paar Dachpfannen abgenommen und bin durch die Verkleidung auf den Dachboden gekommen. Da war für mich Silvester gelaufen, das werde ich nie vergessen.

„Und dann ist die Tür zugefallen“

Im Ernst?

Ja, wirklich! Ich hab mehrere Mülltonnen übereinander gestapelt, bin aufs Dach, hab die Dachpfannen abgenommen, habe darunter so eine Holzvertäfelung angehoben und weggebrochen, habe die Folie weggemacht, habe die Glaswolle weggemacht und bin durch ein kleines Loch, wie ein Hamster, durchs Dach. Und als ich drinnen war, war es, glaube ich, null Uhr.

Und, Entschuldigung, aber: Was hast du in Unterhose draußen gewollt eigentlich?

Ich wollte zum Briefkasten. Unser Briefkasten ist ein paar Meter vom Haus weg. Und Hilde sagte, ich solle die Post reinholen, sonst würden die uns wieder Böller in den Briefkasten stecken – das machen die nämlich auch mal gern und dann brennt nachher der Briefkasten, das haben wir auch schon mal gehabt! Deshalb wollte ich die Post reinholen und dann ist die Tür zugefallen.

Du hast dich mal als grundmelancholisch bezeichnet. Wie kommt man mit der Veranlagung dazu, Comedian zu werden?

Das ist, glaube ich, so ein Grundwesenszug von mir. Schon immer hatte ich so das Bestreben, die Leute sollen lachen. Egal, ob ich so ne kleine Gruppe um mich herum hab, wenn es nur zwei, drei Leute sind oder ein paar Kollegen: Ich muss immer entertainen, das ist so, das hab ich so drin. Ich war auch der Klassenclown früher, in der Schule, und später im Job und im Studium wollte ich auch immer Leute zum Lachen bringen. Und dann war das ja eigentlich, glaube ich, so die logische Konsequenz des Lebens, dass ich das jetzt eben beruflich mache. Und wenn ich dann auf der Bühne stehe, so kurz vor Acht hinterm Vorhang und alleine bin und denke „oh, gleich geht’s raus“ – dann hab ich natürlich Lampenfieber, aber bin auch einfach happy, weil ich weiß „so, und gleich geht es los und die hauen sich auf die Schenkel und lachen sich einfach kaputt“. Das ist einfach toll.

Schön. Es gab ja einige Filme, bei denen du mitgewirkt hast.

Ja, so die Ausflüge ins Filmgeschäft. Jeder Jugendliche hat ja mal gedacht „huh, ich wär gern Schauspieler“, insofern bin ich ganz froh, dass ich das mal ausprobieren konnte. Ich habe aber schnell gemerkt, dass Filme drehen nicht meiner Persönlichkeit entspricht. Das dauert alles ewig, du stehst ewig rum, du drehst ne Minute, dann heißt es wieder „halbe Stunde Umbau“. Da habe ich gemerkt, was für ein ungeduldiger Mensch ich bin. Auf der Bühne gehst Du raus, zwei Stunden Rock’n’Roll, Hütte brennt, und danach: vorbei. Du hast nur diesen einen Versuch. Und ich glaube, das ist genau das, was ich brauche. Das macht mich glücklich.

„Das motiviert unglaublich“

Also sind für 2018 keine Filme mehr geplant?

Vorerst nicht.

Ja, Bühne ist schon irgendwie cooler, lebendiger. Das lässt sich nicht wiederholen.

Ja, absolut. Das bist nur du und das Publikum, und wenn du nicht gut bist, dann kriegst du direkt die Rückmeldung und wenn du gut bist, eben auch. Und das motiviert natürlich unglaublich. Und deswegen sag ich: Fernsehen ist schön, Film ist mal ganz nett, Radio ist toll, aber meine große Liebe ist die Bühne.

Hattest du schon mal einen Abend, der überhaupt nicht funktioniert hat?

Nee!

Okay. Wie würdest du damit umgehen, wenn das mal passiert? Angenommen, du stehst vor Publikum, das offenbar einfach einen schlechten Tag hat, kollektiv?

Wenn ich merken würde, die sind nicht so gut drauf, oder wie du sagst, die haben einen schlechten Tag, dann würde ich mich so lange abrackern, bis sie dann doch lachen. Und das geht. Jeder Mensch hat eine Schwelle, und wenn man die überschreitet, dann muss der lachen. Und da würde ich auch um den letzten kämpfen. Und deshalb gab es das bisher auch noch nicht und ich bin ausnahmsweise mal ganz optimistisch, dass das auch so bleiben wird.

Von Frederike Müller

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