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WAZ-Interview mit dem Volkswagen-Betriebsratschef

Bernd Osterloh WAZ-Interview mit dem Volkswagen-Betriebsratschef

In der kommenden Woche beginnen die Werksferien im VW-Werk Wolfsburg. Das von vielen Experten als besonders schwierige Autojahr 2010 hat Volkswagen bisher gut gemeistert. VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh gibt im WAZ-Interview eine Zwischenbilanz und einen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte.

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WAZ: Herr Osterloh, der Volkswagen-Konzern ist bis jetzt sehr anständig durch das schwierige Jahr gekommen. Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für den Rest des laufenden Jahres ein?
Osterloh: Wir werden auch gut durch den Rest des Jahres kommen. Der von vielen so genannten Experten erwartete Einbruch nach Ablaufen der Umweltprämie ist bei uns ausgeblieben. Das Geschäft läuft auf normal hohem Niveau. Das zeigt, wie gut unsere Produkte bei den Kunden ankommen.

WAZ: Golf, Tiguan, Touran – für die Autos, die im Werk Wolfsburg produziert werden, ist die Nachfrage derzeit gut. Allerdings rechnet VW durch die Einführung des so genannten modularen Querbaukastens bei der nächsten Generation des Golf mit erheblichen Produktivitätsfortschritten. Wie sicher sind vor diesem Hintergrund die Jobs in Wolfsburg?
Osterloh: Ich gehe davon aus, dass wir die Beschäftigtenzahl konstant halten werden. Sprich: Die Arbeitsplätze sind sicher. Mindestens wenn die Baukästen so funktionieren, wie wir uns das vorstellen, werden wir kein Personalproblem bekommen. Das belegen auch Auslastungsszenarien, die bereits erstellt wurden.

WAZ: Der Standort Wolfsburg braucht aus Sicht des Betriebsrates ein weiteres „innovatives Volumenmodell, um die Beschäftigung über 2014 hinaus zu sichern”. Was konkret stellen Sie sich vor?
Osterloh: Wir brauchen eine Gesamtlösung für Emden, Wolfsburg und Zwickau, damit die Drehscheibe wieder richtig funktioniert. Wolfsburg ist heute hoch flexibel aufgestellt. Gehen Sie davon aus, dass es sich um ein Produkt auf der A-Plattform handeln wird. Da gibt es genügend Derivate, um eine Lösung zu schaffen, die allen drei Werken hilft. Auch Zwickau könnte noch gut ein Derivat der A-Plattform vertragen. Mein Kollege Jens Rothe, der Gesamtbetriebsratsvorsitzender von VW-Sachsen ist, mein Kollege Peter Jacobs als Emder Betriebsratsvorsitzender und ich sind an einem guten Gesamtkonzept dran. Und der Vorstand zieht, wenn es um die Auslastung der Standorte geht, auch mit. Das ist absolut positiv.


WAZ: Der Betriebsrat will die dreiwöchige Dauer-Nachtschicht im Werk Wolfsburg abschaffen und nach dem Werksurlaub mit dem VW-Management über einen neuen Schichtplan sprechen. Wie könnte der aussehen?
Osterloh: Erst mal vorab: Die dreiwöchige Dauer-Nachtschicht wird fallen, weil die Belegschaft das nicht mehr lange mitmachen wird. Und damit auch wir als Betriebsrat nicht. Sinnvoll wäre ein wöchentlicher Wechsel. Also fünf Tage Frühschicht, fünf Tage Spätschicht, fünf Tage Nachtschicht. Das ist im Übrigen auch das Modell, das die Mehrheit der Belegschaft favorisiert.


WAZ: Der Betriebsrat hat das VW-Management mehrfach dazu aufgefordert, die Fremdvergabe zu reduzieren. Hat sich schon etwas verändert?
Osterloh: Wir schauen systematisch, wo wir Planstellen schaffen müssen, weil ein langfristiger Bedarf da ist. In der IT und in der Forschung haben wir schon zusätzliche Stellen genehmigt bekommen. Und als Betriebsrat bleiben wir kontinuierlich an dem Thema dran.

WAZ: VW will neue Büros und einen Großparkplatz für die Kollegen in der FE bauen. Der Einsatz des VW-Betriebsrates für bessere Arbeitsbedingungen hat offensichtlich gefruchtet. Sind Sie damit jetzt zufrieden?
Osterloh: Unsere Kollegen in der Forschung, allen voran Gerardo Scarpino, haben sich sehr stark in die Generalplanung für unsere FE eingebracht. Wir sind froh, dass das Management jetzt einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen zugestimmt hat. Aber das ist bei einem Betriebsrat so ähnlich wie bei Ihnen als Journalist: Kaum hat man eine Ausgabe erledigt, steht schon die nächste vor der Tür. Deshalb werden wir auch weiterhin gucken, dass wir Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen durchgesetzt bekommen. Und die Parkraumfrage ist zwar mit dem neuen Projekt für die Kollegen in der Entwicklung beantwortet. An anderen Stellen, vor allem an der Heinrich-Nordhoff-Straße, tobt aber immer noch der Kampf um den Parkplatz. Auch dort müssen wir mittelfristig Lösungen finden.

WAZ: Der VW-Betriebsrat hat entscheidenden Einfluss darauf genommen, dass ein Großteil früherer Leiharbeiter bei VW feste Arbeitsverträge bekommen haben. Kann der Umweg über Zeitarbeitsfirmen für Kollegen auch künftig ein Weg zu einem Dauerarbeitsvertrag bei Volkswagen sein?
Osterloh: Als Betriebsrat haben wir immer das Interesse, dass die Kollegen aus den aus unserer Sicht problematischen Leiharbeitsverträgen in feste Beschäftigungsverhältnisse kommen. In der Vergangenheit konnten wir da vielfach helfen. Aber leider nie allen Betroffenen. Wir werden aber weiterhin darauf achten, dass diejenigen, die schon bei Volkswagen arbeiten, auch die Ersten sind, die hier die Chance auf eine Festanstellung bekommen. Zur Zeit ist es uns erstmal gelungen, dass die allermeisten Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen verlängert wurden. Auch darum kämpfen wir ständig mit dem Unternehmen. Und das werden wir auch weiterhin tun. An unserem Motto: Wir wollen so viele Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen so lange wie möglich an Bord behalten, hat sich nichts geändert.

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