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„Vexations“: Besucher übernachteten in der Kirche

Wolfsburg „Vexations“: Besucher übernachteten in der Kirche

Wolfsburg. Fachleute sind sich nicht einig, ob der französische Komponist Erik Satie (1888 bis 1925) vielleicht nur einen Scherz machte, als er die Anweisung notierte, sein musikalisches Thema „Vexations“ (Quälereien) solle 840 mal wiederholt werden. Kirchenkreiskantor Markus Manderscheid richtete sich bei der Aufführung in Wolfsburg jedenfalls danach: 20 Stunden dauerte das Konzert der Reihe „Vox Celestis“ in der Christuskirche.

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Kurioses Konzert: Während Saties „Vexations“ verwandelte sich die Christuskirche in ein Wohnzimmer.

Quelle: Boris Baschin

13 Musiker gaben dabei von Freitagabend bis Samstagnachmittag alle 60 Minuten den Staffelstab weiter: Orgel, Klavier, Harfe und Gitarren waren zu hören. Besucher kamen und gingen, wie sie wollten. Parallel gab‘s Aktionen wie Tanzperformance, Spielerunde oder Tai-Chi, außerdem waren Bilder der Künstlerin Bettina Hackbarth und Möbel aus dem Sozialkaufhaus „Lichtblick“ ausgestellt. Einige Stehlampen und Sofas fanden auch Abnehmer. Vorher dienten die Sitzmöbel der Wohnzimmer-Atmosphäre in der Kirche und als Ruhezone für Gäste wie Sabine Luxa, die sich ihren Schlafsack eingepackt hatte. „Ich finde die Aktion reizvoll“, sagte sie - und blieb von Freitag bis zum französischen Frühstück am Samstag.

Die Kirche war nie leer, zur Geh-Meditation mit Brigitte Jorns um 3 Uhr nachts kam sogar fast ein Dutzend Menschen. Für alle, die steif in den Gliedern geworden waren, bot Anette Manderscheid später Rückengymnastik an. Nadine Riske vom Organisationsteam freute sich, dass die Gäste mit der Kirche so einmal „ganz anders in Kontakt“ traten. Herbert und Sabine Engel kamen gemeinsam mit Tochter Franziska zum Konzert. Die 17-Jährige fand „die Idee total cool“, auch ihre Eltern waren begeistert.

Ein kritische Nachfrage, ob die Kirche als eine Art Konzert-Wohnzimmer nicht ihre Bedeutung verliere, konterte Manderscheid mit einem Zitat von Johann Sebastian Bach: „Bei einer andächtigen Musik ist allzeit Gott mit seiner Gegenwart.“ Er ergänzte: „Auch bei weltlichen Stücken.“

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