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Verfahren eingestellt! Sollte das Opfer entführt werden?

Amtsgericht Wolfsburg Verfahren eingestellt! Sollte das Opfer entführt werden?

Es war ein Überfall aus dem Nichts, das Opfer kassierte Schläge und wäre um ein Haar auch noch entführt worden – trotzdem stellte das Amtsgericht ein Verfahren gegen vier Angeklagte gegen Zahlung einer Geldauflage ein. Auch das Opfer war damit einverstanden.

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Das Opfer erhält Entschädigungen: Das Verfahren am Amtsgericht gegen vier Männer wurde eingestellt.
 

Quelle: Tim Schulze

Wolfsburg. Die Hintergründe der Auseinandersetzung zwischen den Serben und dem Kroaten wären wohl kaum aufzuklären gewesen.

 Der Prozess war zu Ende, bevor er richtig angefangen hatte. Mit einer Einstellung endete vor dem Amtsgericht ein Verfahren gegen vier Männer wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung – alle müssen im Gegenzug ihrem Opfer eine Entschädigung zahlen. Schon vor Beginn der Beweisaufnahme hatte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft dieses pragmatische Verfahren in einem Fall mit verzwicktem Hintergrund vorgeschlagen.

Das eigentliche Tatgeschehen am 4. August 2016 stellte sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft noch eindeutig dar. Gemeinsam seien die vier Angeklagten im Alter zwischen 30 und 45 Jahren, allesamt Mitglieder einer serbischen Großfamilie, aus dem Landkreis Höxter nach Wolfsburg gefahren, um hier auf einen Kroaten loszugehen; der Mann sei geschlagen worden, zudem hätten die Angeklagten (erfolglos) versucht, ihr Opfer ins Auto zu zerren und zu verschleppen; hätte das Opfer nicht flüchten könne, wäre es womöglich entführt worden.

Die Suche nach dem Motiv war schwierig

Schwierig gestaltete sich allerdings auch für die Anklage die Suche nach dem Motiv für die Tat. War es, weil der Kroate einem der Serben noch 7000 Euro für einen Autokauf schuldete? Oder ging es um geschäftlichen Streit? Täter wie Opfer hatten eine Zeit lang gemeinsam in der Innenausbau-Firma des 34-jährigen Angeklagten gearbeitet; nachdem der Kroate eine eigene Baufirma gegründet hatte, gab es wohl Stress. Warum und wieso genau blieb offen, das Bild vom Verhältnis der Männer untereinander diffus. Ob das in einem Verfahren endgültig aufzuklären gewesen wäre, erschien mehr als fraglich.

Gericht schlug die pragmatische Lösung vor

Weil die Angeklagten allesamt bislang unbescholten durchs Leben gegangen waren und keine Vorstrafen hatten, schlug das Gericht die pragmatische Lösung vor: Einstellung des Verfahrens, im Gegenzug muss jeder der Angeklagten 750 Euro an das Opfer überweisen. Kommen sie dem nach, ist die Sache damit erledigt – auch der Anwalt des Opfers stimmte dieser Lösung zu.

Von Ulrich Franke

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