Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
VW Immobilien "beste Entscheidung neben der Heirat"

WAZ-Interview mit Roland Stöckigt VW Immobilien "beste Entscheidung neben der Heirat"

Roland Stöckigt (56) trat im Dezember 1999 seine Stelle als Geschäftsführer von VW Immobilien an. Seit Anfang August ist er im Ruhestand. Mit der WAZ sprach er über die wichtigsten Meilensteine bei VWI, die Entwicklung der Stadt und seine persönliche Zukunft.

Voriger Artikel
Allerpark: Feilschen bei bestem Wetter
Nächster Artikel
Spur eines Schmierers zieht sich durch Detmerode

VWI-Geschäftsführer Roland Stöckigt geht in den Ruhestand: Die WAZ sprach mit ihm zum Abschied.

Quelle: Gero Gerewitz

Herr Stöckigt, Sie gehen mit 56 Jahren in den Ruhestand. Das ist nicht gerade das typische Rentenalter...
Stimmt. Bei Volkswagen hat man den Vorteil der Zeit-Wertpapiere. Eigentlich heißt es ja, Zeit kann man nicht kaufen. Aber hier habe ich über Jahre hinweg eingezahlt, um jetzt früher gehen zu können.

Als Sie, ein gebürtiger Düsseldorfer, nach Wolfsburg kamen, übten Sie Kritik an der Stadt. In Ihrem ersten Interview mit der WAZ im Jahr 2000 sagten Sie, die Einkaufssituation hier sei schlecht, die Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt gering. Wie beurteilen Sie die Situation heute?
Wie sah es damals in der Innenstadt aus? Es gab Hertie, dann war Schluss. Kein Cinemaxx, keine City-Galerie, keine Hotels am Bahnhof. Gleich wenn man aus dem Zug stieg, sah es schon sehr trist aus. Da hat sich viel getan. Von einer hochattraktiven Innenstadt sind wir aber immer noch ein Stück weit entfernt. Die Bebauung müsste viel enger zusammenrücken.

Bedeutet?
Die Porschestraße ist viel zu breit angelegt, so entsteht keine Atmosphäre. Ideal wäre es, wenn man in der Mitte noch eine Bebauungszeile hineinstellen könnte, das würde dann auf beiden Seiten Gemütlichkeit wie in einer Altstadt bewirken.

Und die Identifikation der Bürger mit Wolfsburg?
Da hat sich viel getan, die Leute stehen zu ihrer Stadt. Dazu trägt auch bei, dass weit über die Stadt hinaus viel mit Wolfsburg assoziiert wird - VW, die Autostadt, die Designer Outlets, der VfL, die Grizzlys... Und die Kultur: Wolfsburg bietet viel mehr als eine normale 125.000-Einwohner-Stadt.

Vor zehn Jahren hatten Sie kritisiert, dass die Verwaltung in Sachen Baupolitik nicht genug auf Fachleute höre. Wie ist das heute?
Viel besser, wir haben mit der Stadt Wolfsburg ein sehr partnerschaftliches Verhältnis. Dazu trägt auch das „Bündnis für Wohnen“ bei, über das es einen regelmäßigen Austausch der verschiedenen Bereiche in Wolfsburg gibt. Trotzdem gibt es bei unseren komplexen Themen naturgemäß in der Zusammenarbeit und bei der Koordination aller Beteiligten noch ein wenig Luft nach oben.

Wie geht‘s für Sie im Ruhestand weiter?
Zunächst einmal: Mein Lebensmittelpunkt bleibt in Wolfsburg.

Sie kommen aus Düsseldorf, warum bleiben Sie hier?
Mich hält hier sehr vieles. Ich habe hier viele Freunde und mir ein großes Netzwerk aufgebaut, mit vielen Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen. Wir wohnen sehr schön am Hegeberg (Stadtteil Rabenberg). Ich sitze im Aufsichtsrat der Grizzlys, was ich auch weiter tun möchte. Und ich halte weiterhin Vorlesungen an der TU Braunschweig.

Was werden Sie privat unternehmen?
Ich fahre gern Motorrad, und zwar ganz bewusst Harley Davidson, weil das eine Maschine ist, mit der man nicht so schnell unterwegs ist. Ich will auch Spanisch lernen - weil wir in Spanien eine Ferienimmobilie haben. Außerdem will ich Bilder malen und auch die Bildhauerei versuchen. Dann wollen wir reisen, Australien, USA, Südafrika... Ich laufe auch, spiele Tennis und möchte mehr Skilaufen.

Das klingt nicht nach Langeweile.
Ich habe mir eine Liste gemacht! Nicht, weil ich sie abarbeiten will. Aber damit ich immer mal wieder draufgucken und mir eine Idee holen kann. Natürlich wird auch meine Frau das ein oder andere einfordern... (lacht).

Welches waren die großen Projekte von VWI in Ihrer Dienstzeit ?
Die VW-Arena war unser erstes und wichtigstes Großprojekt. Es war ein Schlüsselprojekt, weil wir bis dahin nur Wohnungen verwaltet haben. Das „Drive“ in Berlin Unter den Linden war die größte Herausforderung. Ein VW-Konzernforum in einem Bestandsobjekt, das hatte enorme Komplexität. Danach haben wir gesagt: Jetzt können wir alles! Weitere wichtige Projekte sind die Open Hybrid Lab Factory, ITV-City, Autohäuser in großen Metropolen, aber auch die Weiterentwicklung unseres Hotels Global Inn sowie natürlich unser ambitioniertes Wohnungsneubauprogramm und dem Großprojekt Steimker Gärten. Ich freue mich, dass es dort jetzt richtig los geht.

Ein anderes Projekt, das auch Wolfsburg nicht mehr wegzudenken ist, ist der Treppenhauslauf von VW Immobilien.
Ich bin auch fast immer selbst dabei. Machen Sie doch auch mal mit!

Vielleicht wirklich... Ich lenke mal ab: Wie wichtig ist die soziale Komponente bei VWI?
Wir unterstützen seit Jahren ready4work, Ausbildung ist uns sehr wichtig. Wir haben selbst schon Mitarbeiter über ready4work eingestellt und waren sehr zufrieden.

Apropos Mitarbeiter. Wie haben sich die Zahlen seit Ihrem Dienstantritt entwickelt?
Zu Beginn waren es etwas mehr als 150 Mitarbeiter, jetzt rund 350. Dabei war mir immer wichtig, dass ich jeden Mitarbeiter kennen lerne, bevor er seinen Vertrag unterschreibt. Die gegenseitige Wertschätzung der Kollegen ist mir wichtig. So haben wir seit einigen Jahren auch ein Intranet, in dem jeder Mitarbeiter vorgestellt wird.

Und wohin steuert die Stadt Wolfsburg?
Wir haben in den letzten Jahren auf einer Insel der Glückseligen gelebt. Das ändert sich gerade. Ich glaube aber, dass, wenn sich die Situation bei Volkswagen klärt, sich Wolfsburg auch weiterhin positiv entwickelt. Dass ich gerade in der jetzigen Situation gehe, stört mich, es herrscht so viel Aufbruchstimmung in der Stadt. Aber der Zeitpunkt steht seit langer Zeit fest. Die Arbeit bei VW Immobilien hat mir immer einen Höllenspaß gemacht, vom ersten bis zum letzten Tag. Neben der Heirat meiner Frau war es die beste Entscheidung meines Lebens.

Roland Stöckigt: Eine Kurzbiografie

Seinen beruflichen Werdegang begann Roland Stöckigt in seiner Heimatstadt Düsseldorf. Dort war er zunächst von 1980 bis 1982 Bankkaufmann bei der Deutschen Bank. Von 1982 bis 1988 ließ er in Aachen ein Architekturstudium mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur, Architekt, folgen.

Bis 1996 folgten diverse Projektleitungs- und Führungsaufgaben bei Projektentwicklungsgesellschaften in Düsseldorf. Seinen ersten Posten als Geschäftsführer übernahm Roland Stöckigt von 1996 bis 1999 bei der Thyssen Bauträger und Immobilienentwicklungsgesellschaft mbH in Düsseldorf.

Dann folgte der Wechsel nach Wolfsburg: Stöckigt wurde Vorsitzender der Geschäftsführung der Volkswagen Immobilien GmbH. Parallel übernahm er im Juni 2006 auch die Leitung des Zentralen Immobilienmanagements Konzern der Volkswagen AG. Seit Anfang August 2016 ist Roland Stöckigt im Ruhestand.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Wolfsburg

Hier lesen Sie die Sonderveröffentlichungen von AZ und WAZ zu vielen interessanten Themen. mehr

Borth im Radio - der wöchentliche Talk mit WAZ-Chefredakteur Dirk Borth auf radio21

Dirk Borth, der Chefredakteur der Wolfsburger Allgemeinen ist jetzt jeden Freitag um 16.30 Uhr bei Radio21 zu hören. "Borth im Radio" - aktuelle Kommentare aus der Region. mehr

Ihre Tageszeitung auf dem Tablet lesen: Wir haben die besten Geräte, das passende Zubehör und tolle Angebote! Lassen Sie sich jetzt unverbindlich im AZ/WAZ Media Store beraten. mehr

Fallersleben: Feuerteufel legt acht Brände