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Urologen-Prozess: Staatsanwalt fordert Haftstrafe

Landgericht Urologen-Prozess: Staatsanwalt fordert Haftstrafe

Überraschung am Landgericht: Im Prozess gegen einen Wolfsburger Urologen hat der Staatsanwalt eine dreijährige Haftstrafe gefordert. Der Prozess wurde unterbrochen, damit sich die Verteidigung neu vorbereiten kann – sie war von einer Bewährungsstrafe ausgegangen.

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Überraschung im Gericht: Für den Angeklagten Urologen (r.) forderte der Staatsanwalt Gefängnis statt Bewährung.

Quelle: Kevin Nobs

Wolfsburg/Braunschweig. Mit einer faustdicken Überraschung endete gestern einer der letzten Verhandlungstage gegen einen Wolfsburger Urologen (64). Der Staatsanwalt hatte am Landgericht Braunschweig zuvor mehrfach durchblicken lassen, für den Mediziner, auf dessen OP-Tisch ein VW-Manager (53) gestorben war, eine Bewährungsstrafe anzupeilen. In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt nun aber drei Jahre Gefängnis! Das überraschte neben dem Verteidiger sogar den Richter.

In seinem Plädoyer beschrieb Martin Siepermann, wie zunächst eine bewusst falsche Diagnose bei einem praktisch gesunden Mann gestellt worden und wie es schließlich zur tödlich verlaufenen Operation in der Wolfsburger Innenstadt gekommen sei. Mehrfach betonte der Staatsanwalt, das Opfer hätte der Operation unter Vollnarkose nie zugestimmt, wenn ihm klar gewesen wäre, dass seine angeblichen Nierensteine nur eine Erfindung des Urologen gewesen seien, und dass alle weiteren Maßnahmen, darunter eine Harnwegserweiterung keineswegs notwendig gewesen sei. Siepermann sprach von einem „Lügengespinst“, mit dem der Mediziner das Opfer regelrecht eingelullt habe.

Der Staatsanwalt forderte drei Jahre Haft sowie die einstweilige Aufrechterhaltung eines vorläufigen Berufsverbots. Hintergrund: Der Urologe wird sich in einem weiteren Prozess noch wegen Betrugs in rund 300 Fällen verantworten müssen (WAZ berichtete). Als Nebenklägerinnen treten die neunjährige Tochter des Opfers sowie dessen Verlobte auf. Ihre Anwältin schloss sich der Forderung nach drei Jahren Haft an, plädierte aber auch darauf, dass vorläufige Berufsverbot in ein dauerhaftes umzuwandeln. Die Anwältin bekräftigte über den Verstorbenen: „Er hätte niemals eingewilligt und wäre heute noch am Leben.“

Der Verteidiger des Opfers sah „einen gravierenden Verstoß gegen ein faires Verfahren“. Der Staatsanwalt habe immer wieder zu Protokoll gegeben, eine Bewährungsstraße für den Urologen, der sich übrigens auch gestern nicht zu den Vorwürfen äußerte, anzupeilen. Mit der Wendung zu einem höheren Strafmaß sei nicht zu rechnen gewesen. Dies bestätigte auch der Vorsitzende Richter.

Folge: Der Verteidiger hält sein dann angepasstes Plädoyer erst am 19. Oktober, das Urteil wird am 25. Oktober (jeweils 10 Uhr) erwartet.

Von Kevin Nobs

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