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Urologe nach Tod von Patient verurteilt

Bewährungsstrafe Urologe nach Tod von Patient verurteilt

Zu 21 Monaten Haft, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurden, hat das Landgericht am Mittwoch einen Urologen aus Wolfsburg verurteilt. Auf seinem Operationstisch war ein Patient gestorben, ein hochrangiger VW-Manager (53).

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Braunschweig: Ein Wolfsburger Urologe wurde am Landgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle: Kevin Nobs

Wolfsburg. Der Wolfsburger Urologe (64), auf dessen Operationstisch vor neun Jahren ein 53 Jahre alter Mann gestorben ist, dem der Mediziner Nierensteine angedichtet hatte, muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Braunschweig verurteilte ihn am Mittwoch wegen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten gewerbsmäßigen Betrugs zu einem Jahr und neun Monaten Haft, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung.

Weiterhin muss der 64-Jährige 200 gemeinnützige Stunden ableisten. Und ein bereits geltendes vorläufiges Berufsverbot wird um drei Jahre verlängert. Staatsanwalt Martin Siepermann hatte drei Jahre Gefängnis und auch das Berufsverbot gefordert, ebenso die Anwältin der Nebenklägerin. Der Verteidiger des Urologen hatte auf Freispruch plädiert (WAZ berichtete). In der mehr als zweistündigen Urteilsbegründung erläuterten Vorsitzender Richter Dr. Ralf-Michael Polomski und Richter Stefan Bauer-Schade, wie das Urteil zustande kam.

Nierensteine angedichtet

Demnach habe der Mediziner bei seinem Patienten, einem hochrangigen VW-Manager mit nur geringen Beschwerden, absichtlich fälschlicherweise Nierensteine diagnostiziert. Mit kostspieligen Behandlungen seines Patienten habe der finanziell angeschlagene Urologe „möglichst viele Einnahmen“ generieren wollen, so der Richter. Zum Hintergrund: Gegen den Mediziner läuft ein weiteres Verfahren wegen Betrugs in 300 Fällen. Der Richter ist sich sicher: „Hätte der Patient gewusst, dass keine Nierensteine bestehen, hätte er der Behandlung natürlich nicht zugestimmt.“ Hier brach die Lebensgefährtin des Verstorbenen in Tränen aus.

In einer ersten Operation in der Praxis in der Wolfsburger Innenstadt wurden nicht vorhandene Nierensteine angeblich zertrümmert, in einer zweiten OP im Oktober 2008 sollten unter Narkose zusätzlich Maßnahmen wie Blasenspiegelung und Harnwegserweiterung erfolgen. Was dann genau geschah, konnte das Gericht auch nach vier Monaten Verhandlungszeitraum und etlichen Zeugenaussagen nicht abschließend klären. Als sicher gilt: Im Laufe der OP verstarb der 53-Jährige, der seit wenigen Tagen Vater eines kleinen Mädchens war, an „medikamentös verursachtem Atemstillstand“. Darauf hatte niemand rechtzeitig reagiert. Während der richterlichen Schilderung schüttelte der Urologe mehrfach mit dem Kopf.

Hauptschuld beim Urologen

Beim zunächst ebenfalls angeklagten Wolfsburger Anästhesisten, der mindestens einmal den Saal verlassen hatte, sah das Gericht zwar auch eine Schuld. Die Hauptlast aber liege beim Urologen als Gesamtverantwortlichen.

Warum nur eine Bewährungsstrafe? Richter Polomski sah beim Urologen zwar „eine erhebliche kriminelle Energie“, hielt ihm aber auch einiges zugute. So leider er seit Jahren unter dem Berufsverbot, verliere vielleicht seine ärztliche Zulassung und habe einen Monat in Haft gesessen. Zudem sei es nicht vertretbar, das Verfahren gegen den einen Mediziner einzustellen und den anderen ins Gefängnis zu schicken. Obwohl der Richter wisse, dass keine Seite mit dem Urteil glücklich sei, appellierte er an sie, keine Rechtsmittel einzulegen – um den Fall nach neun Jahren im Sinne aller Beteiligten endlich ruhen zu lassen.

Von Kevin Nobs

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