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Stadt Wolfsburg „Unseren Gästen sollen die Augen übergehen“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Unseren Gästen sollen die Augen übergehen“
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00:19 29.09.2018
Ralf Beil zum Prinzip des Kunstmuseums beim geplanten Umbau: „Die besten Lösungen suchen und dann los!“ Quelle: Archiv
Wolfsburg

Kunstmuseums-Direktor Ralf Beil spricht im WAZ-Interview über das Jubiläum und die Umbaupläne.

Im Jubiläumsjahr geht es Ihnen auch um die Frage „Was hat das Kunstmuseum bis jetzt bewirkt“? Was waren aus Ihrer Sicht die herausragendsten Ausstellungen und Künstler der letzten 25 Jahre?

Das ist eine großartige Frage, die ich gerne an alle Leser*innen Ihrer Zeitung weitergeben möchte: Es wäre wunderbar, wenn Sie dazu vor unserem Jubiläum eine Umfrage starten würden. Wenn ich diese Frage beantworten würde, dann wäre diese Zeitungsseite schon jetzt komplett gefüllt – bei all den intensiven Kunsterfahrungen der letzten 25 Jahre!

Wie beschreiben Sie dann ihren eigenen Anteil an der Wirksamkeit in den vergangenen drei Jahren?

Im Februar 2015 bin ich angetreten mit dem Ziel, das Museum und dessen Sammlung „weiblicher, globaler und politischer“ auszurichten und das ist aus meiner Sicht durchaus gelungen, auch wenn wir aufgrund des Dieselskandals und der dadurch fehlenden finanziellen Mittel nicht – wie ursprünglich geplant – eine umfassende Globalisierung der Sammlung erreichen konnten. Von „Wolfsburg Unlimited“ mit seinem immensen Containerterminal und Autokino zu „Robert Lebeck. 1968“ spannt sich ein starker Bogen sehr konkreter Auseinandersetzung mit dem Standort, den so kaum ein international wahrgenommenes Museum in den letzten Jahren entwickelt hat. „This Was Tomorrow“ zeigte erstmals und mit großem Erfolg nicht nur die Entwicklung der „Pop Art in Great Britain“, sondern auch den Beginn unserer Gegenwartskultur. „Hans Op de Beeck“ war im Wortsinn „Out of the Ordinary“ – erstmals haben wir hier eine ganze Stadt gebaut, Häuser mit realen Dächern, Teppichstraßen, Springbrunnen… und „Never Ending Stories“ führte auf sehr kulinarische Art und Weise ins Menschheitsthema der Endlosschleife ein. Die zum Teil dreibändigen Pressespiegel, unsere zahlreichen Gästebücher und direkte Besucherstimmen bezeugen zum Glück so manche Wirkung all unserer Aktivitäten.

Was erwartet die Besucher nun bei der Ausstellung „Kunstmuseum Wolfsburg. The Collection“?

Den bislang größten Überblick über 25 Jahre Sammlung. Wir zeigen sie wie 2016 „Wolfsburg Unlimited“ auf allen verfügbaren Flächen und Ebenen unseres Hauses inklusive Studio und Foyerräumen, und selbst das wird nicht reichen, um alles zu zeigen. Unseren Besucher*innen sollen die Augen übergehen vor all den Schätzen, die sie dort entdecken können. Und es werden so einige Überraschungen dabei sein, das verspreche ich Ihnen. Denn trotz fehlendem Ankaufsbudget ist es uns gelungen, die Sammlung substanziell zu erweitern.

Quelle: Britta Schulze

Was liegt ihnen beim Umbau am meisten am Herzen? Das größere Foyer? Ein Café im Erdgeschoss? Mehr Barrierefreiheit? Oder etwas ganz anderes?

(Lacht) Alles zusammen, denn sonst würden wir ja nicht alles gleichzeitig in Angriff nehmen! Ich gebe aber zu, dass ich persönlich mich besonders auf den Latte macchiato auf unserer Südwestsonnenterrasse mit Blick zum Klieversberg freue... Unser Café wird den Südkopf insgesamt aufwerten – ein „Hinterhof“ mit Autos und Mülltonnen wird zu einem Platz für Menschen und Entspannung.

Wenn wir schon dabei sind: War das Facelifting eigentlich Ihre Idee, Teamwork oder vielleicht schon länger geplant?

Museumsarbeit ist bestenfalls immer eine Mischung aus Vision und Pragmatik. So war es auch im Fall des Foyers: Alles begann mit einem Zeitungsfoto des Eröffnungsabends von Hans Op de Beeck, der Menschen über Menschen zeigte. Das sah ein Zuständiger für Brandschutz und stellte nach mehr als 20 Jahren Museumsbetrieb fest, dass wir zu wenige Notausgänge für all diese Menschen haben... Da habe ich spontan zu meinem Geschäftsführer Otmar Böhmer gesagt: Dann bauen wir eben so viele Türen ein, bis es reicht! Die Erweiterung des Foyers zur Verbesserung der Eingangssituation war dann eine logische Folge. Wir haben ja zum Glück überall Glas und Stahlrahmen, da ist das relativ einfach zu realisieren. Die Rampe ist ein ähnlicher Fall: Da sie in den nächsten Monaten sehr aufwändig hätte saniert werden müssen, ist es weit günstiger, sie komplett zu entfernen und damit mehr Licht in unser Erdgeschoss zu bringen. Auch für das Gesamtgebäude ist das ein Gewinn, die Säulenstruktur wird klarer lesbar. Der Aufzug ist im Gegensatz zur Rampe tatsächlich barrierefrei. Als Schweger & Partner, das Architekturbüro von 1994, signalisierten, dass sie die Rampe auch für überholt halten, war klar: Das machen wir. Das ist unser Prinzip im Kunstmuseum: Die besten Lösungen suchen und dann los! Bei uns gibt es erfreulicherweise keinen Raum für Bürokratie, sondern nur ein paar Büros und so viel Platz wie möglich für Kunst, Kultur und Leben.

Offensichtlich realisieren die beiden größten Ausstellungen 2019 genau ihren Plan für die Schwerpunkte im Kunstmuseum – „The Collection“ ist ganz sicher international und „Oil“ auf jeden Fall politisch. Worauf freuen Sie sich mehr? Und warum?

Für mich sind es die zwei Seiten einer Medaille: Die hochkarätige Sammlung unseres Kunstmuseums ist noch viel zu unbekannt – und die Allgegenwart von Öl vom Aspirin bis zur Zahnbürste noch viel zu wenig durchdacht. Kunst kann ebenso beglücken wie wesentliche Fragen stellen: Beides wollen wir im Jahr unseres Jubiläums ganz programmatisch erreichen!

Von Andrea Müller-Kudelka

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