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Trotz des neuen Gesetzes: Dunkelziffer im Rotlichtmilieu

Wolfsburg Trotz des neuen Gesetzes: Dunkelziffer im Rotlichtmilieu

Wie viele Prostituierte gibt es in Wolfsburg? Darüber brachte bislang auch ein neues Gesetz keine Klarheit. Trotzdem hat sich das Gesundheitsamt durch Schulungen besser aufgestellt.

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Prostituierte an einer Bar: Über die Zahl der Sexarbeiterinnen in Wolfsburg herrscht trotz eines neuen Gesetzes weiterhin Unklarheit.

Quelle: picture alliance / dpa

Wolfsburg. Das Rotlichtmilieu liegt in Wolfsburg hinter einem grauen Schleier. Wie viele Prostituierte es in der VW-Stadt gibt, weiß offiziell niemand. Ob sich das durch ein seit Juli geltendes neues Prostitutionsgesetz ändert, erscheint fraglich, obwohl dieses eine regelmäßige Anmeldung der Sexarbeiterinnen vorsieht: In Sachen Umsetzung steckt Wolfsburg wie viele andere Kommunen noch in der Vorbereitung – und wie das neue Gesetz überwacht werden soll, weiß niemand.

Prostituierte sollen sich künftig bei der Gemeinde anmelden und einmal im Jahr zur Gesundheitsberatung – das sieht das „Prostituiertenschutzgesetz“ eigentlich seit 1. Juli vor. Zumindest in Sachen Beratung habe sich das Gesundheitsamt bereits durch Schulungen aufgestellt, sagt Stadtsprecherin Elke Wichmann. Für das verwaltungsrechtliche Anmelde- und Erlaubnisverfahren aber liefen erst die technischen Vorbereitungen. Der Städte- und Gemeindebund hat das Gesetz ohnehin kritisiert, weil es den Kommunen Kosten verursache, die lieber das Land übernehmen solle. „Diesen Äußerungen schließt sich die Stadt Wolfsburg an“, sagt Wichmann.

Was spielt sich hinter verschlossenen Türen ab?

Was kann das neue Gesetz bringen? Man verspreche sich „zumindest einen Zuwachs an Transparenz“ im horizontalen Gewerbe, sagt Elke Wichmann. Denn in Sachen Zahlen und Fakten ist das behördliche Blatt bislang fast leer. Ein offizielles Bordell gibt es in Wolfsburg, genauer in Vorsfelde nahe dem alten Bahnhof, wo im Herbst eine Prostituierte umgebracht worden war. Was sich aber im weiten Feld der Wohnungsprostitution hinter verschlossenen Türen abspielt? Da ist auch das Rathaus bislang eher auf Vermutungen angewiesen. Bekannt sei, dass es „mehrere solcher Wohnungen gibt“, sagt Wichmann – genaue Zahlen lägen nicht vor. Post- und Seilerstraße galten einst als Hochburgen des horizontalen Gewerbes, heute will die Stadt dem ganzen Handwerkerviertel als Sanierungsgebiet ein neues Image verpassen. Angemeldet wurden Wohnungen zum Zwecke der Prostitution bislang so gut wie gar nicht. Tätig wurde die Verwaltung höchstens, wenn es Beschwerden aus der Nachbarschaft gab. Moralisch überprüft wird das Treiben dann aber nicht, Elke Wichmann: „Das wird dann unter den Aspekten des Baurechts geprüft“ – ob eine Wohnung als Bordell oder als Büro zweckentfremdet wird, macht keinen Unterschied.

Experten zweifeln

Ob die Zahl der Prostituierten in Wolfsburg künftig exakt ermittelt werden kann, wird von Experten bezweifelt. Nicht jede Frau werde sich anmelden und damit quasi outen – und wie die Kommunen die Einhaltung des Gesetzes überprüfen sollen, dafür gibt’s bislang keine Vorgaben. Die Dunkelziffer dürfte hoch bleiben.

Von Ulrich Franke

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