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Stadt Wolfsburg Stadtexperten: So könnte das Wolfsburg der Zukunft aussehen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Stadtexperten: So könnte das Wolfsburg der Zukunft aussehen
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14:26 21.11.2018
Blick aus der Luft: Ein Team von Stadtexperten gibt fünf Empfehlungen, mit denen sich Wolfsburg für die Zukunft aufstellen kann. Quelle: dpa
Wolfsburg

Neun Experten, fünf Tage, eine Analyse: Internationale Stadtentwicklungs- und Immobilienexperten des Urban Land Institutes (ULI) haben kürzlich die Stadt Wolfsburg unter die Lupe genommen. Ob und welche Empfehlungen umgesetzt werden, entscheidet die Wolfsburger Politik.

Das sogenannte „Advisory Service Panel“ aus Fachleuten hatte sich im Vorfeld informiert und die Stadt anschließend in Stadtführungen und Gesprächen mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen erforscht. Herausgekommen sind fünf Empfehlungen für die Zukunft der Stadt.

„Städte befinden sich in einem globalen Rennen“

„Wir haben wahrgenommen, dass Wolfsburg eine Erfolgsgeschichte ist“, berichtete Professor Jürgen Bruns-Berentelg zuletzt im Strategieausschuss, wo er die Ergebnisse vorstellte. Dennoch seien Veränderungen nötig. „Städte befinden sich in einem globalen Rennen um Talente und Investments“, heißt es dazu vom ULI. „Dabei gewinnen größere und besser vernetzte Regionen und Städte.“

So könnte es in Wolfsburg auch funktionieren: Direkt hinterm Bahnhof King’s Cross in London ist mit Wasserspielen, Sitzgelegenheiten am Wasser und Cafés eine beliebte Freizeitoase entstanden. So sieht sie aus:

Am Ende würden alle Einwohner profitieren, wenn die Stadt mehr Denker und Erfinder anzöge: „Auch der Friseur in der Stadt verdient mehr, wenn wissensbasierte Arbeit dort eine wichtige Rolle spielt“, so Bruns-Berentelg.

London als Vorbild für Wolfsburg

Besonders bildhaft wurde Bruns-Berentelg, als er beschrieb, wie ein belebtes Stadtzentrum am Kanal aussehen könnte. Als Beispiel für ein gelungenes ähnliches Projekt zeigte er immer wieder Fotos vom Granary Square in London, der mit Cafés, Sitzmöglichkeiten am Wasser und kreativer Beleuchtung ein beliebter Freizeitplatz geworden ist.

Granary Square in London: Laut den Experten des Urban Land Institutes kann dieser Platz in den englischen Hauptstadt als Vorbild für Wolfsburg dienen – zum Beispiel durch einen Freizeitplatz am Kanal (siehe auch Bildergalerie unten). Quelle: John Sturrock

Wolfsburgs Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide sieht die bisherigen Ergebnisse auch als Bestätigung: „Einmal mehr zeigt sich: Wolfsburg ist, zum Beispiel mit dem Masterplan Nordhoffachse, auf dem richtigen Weg.“ Jens Tonskötter, Vorsitzender des Strategieausschusses, dankte Bruns-Berentelg für die Empfehlungen. „Ich wünsche uns allen den Mut, dass wir diese Ideen auch aufnehmen.“

Erst einmal ist der ausführliche Bericht des ULI zu erwarten, der Ende 2018 erscheinen soll – auch als kostenloser Download.

Diese fünf Empfehlungen geben die ULI-Experten der Stadt Wolfsburg:

1. Vorreiter für Mobilität: Vor einem Umbruch steht vor allem die Automobilität. Elektro-Autos, autonomes Fahren und Carsharing sind einige der Aspekte. Das Expertengremium sieht Wolfsburg als ein großes Testfeld für die frühzeitige Entwicklung und Nutzbarmachung neuer Mobilitätsformen in der Stadt. Wolfsburg ist aufgrund seiner Struktur hervorragend geeignet, diesem Testfall einen realistischen Hintergrund zu geben. Diese Entwicklung kann auch als Showcase für zusätzliche Besucher und Blaupause für andere Städte dienen.

Neue Mobilitätsformen: Das Panel sieht Wolfsburg als ein großes Testfeld. Quelle: Volkswagen

2. Leben am Kanal: Der Mittellandkanal bildet in Wolfsburg eine feste Grenze nördlich des Stadtkerns. Dadurch werden viele Flächen in der Nähe der Wasserstraße zu wenig genutzt und abgeschnitten. Die Stadtentwickler schlagen hier unter anderem die Öffnung der Kanalpromenade auf der Werkseite und die Verlegung von VW-Büros in die Innenstadt vor. Stadt und Unternehmen müssten nach Ansicht der Experten sichtbar zusammenrücken.

3. Wolfsburger Pioniergeist: Das Expertengremium hat in Wolfsburg einen großen Pioniergeist gespürt, den es für die Zukunft noch intensiver zu nutzen gilt. Die Zusammenarbeit Stadt und Volkswagen sollte weiter ausgebaut werden. Volkswagen kann dabei konsequent den Weg als Vorreiter in Technologiefragen, fortschrittlicher Produktion und neuen Mobilitätskonzepten gehen und diese auch in Wolfsburg austesten. Die Stadt sollte sich, unter den Rahmensetzungen eines starken Masterplans, als Innovationszentrum und attraktiver Standort für die Akteure der Wissensgesellschaft aufstellen.

Zusammenarbeit ausbauen: VW-Konzernchef Herbert Diess (l.) und Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Quelle: Volkswagen

4. Ein lebendiger Stadtkern: Die Innenstadt in Wolfsburg ist in zwei Bereiche unterteilt. Der Nordkopf und die Porschestraße weisen unterschiedliche städtebauliche Charakteristiken auf.Das Panel schlägt hier unter anderem die Entwicklung eines lebendigen urbanen Kerns um den Nordkopf durch die Schaffung von Arbeitsplätzen mit neuen Arbeitskulturen vor, auch sollte der Stadtkern mehr zum Wohnen und nicht nur zum Arbeiten genutzt werden. Eine deutliche Aufwertung und Integration der Porschestraße und der rückwärtigen Bereiche durch Gestaltung unter Beibehaltung des lokalen Charakters der Straße und insbesondere des Südkopfes sind weitere zentrale Elemente. Professor Jürgen Bruns-Berentelg regte an, auch die Fachhochschule mehr in die Innenstadt einzubinden.

Porschestraße mit Nord- und Südkopf: Das Expertengremium macht Vorschläge zur künftigen Entwicklung der Innenstadt. Quelle: Matthias Leitzke

5. Die Grüne Stadt: Das Panel vertritt die Haltung, dass Wolfsburg mit seiner besonderen Stadtstruktur und den großen grünen Freiflächen zwischen dorfähnlichen Siedlungen einen besonders attraktiven Charakter für viele Menschen aufweist. Die ULI-Experten schlagen hier unter anderem vor, die vorhandene Natur im Stadtbild effektiv zu nutzen, um attraktive, naturbelassene Naherholungsgebiete und wohnbezogene Grünflächen zum strategischen Markenkern der Stadt auch für neue Bewohner zu machen. Dabei ist sicherzustellen, dass Menschen jeglichen Alters ohne Auto auch in weit auseinanderliegenden Stadtteilen mobil sein können.

Attraktiv: Die ULI-Experten schlagen unter anderem vor, die vorhandene Natur im Stadtbild effektiv zu nutzen. Quelle: Archiv

6. Hindernisse und Probleme: Bei allem Lob für Wolfsburgs Potenzial hat das Urban Land Institute auch einige Probleme der Stadt herausgearbeitet. „Die Verantwortlichkeiten – wer treibt welche Prozesse voran – sind nicht so klar, wie sie sein könnten“, kritisiert Professor Jürgen Bruns-Berentelg zum Beispiel. Auch fehle in Wolfsburg bisher eine klare Vision für die Zukunft. Innovationen stünde zudem im Wege, dass Wolfsburg eine „Ein-Unternehmen-Stadt“ sei. Es sei schwierig, hier neue Unternehmen anzuziehen, weil zum Beispiel die Löhne so hoch seien, erklärt Jürgen Bruns-Berentelg vom ULI. Noch fehle außerdem bezahlbarer Wohnraum – besonders im Stadtkern. Dazu komme, dass die einzelnen Stadtteile weit auseinander lägen, die Bewohner stark auf ihre Autos angewiesen seien und dass der Stadtkern für „exzessives“ Parken genutzt werde, anstatt die Kanalnähe schön zu gestalten. Außerdem brauche die Stadt einen besseren Ideenaustausch, mehr Investitionen, Risikobereitschaft und eine klare Vision.

So funktioniert das Panel

Seit 1947 führt das Urban Land Institute (ULI) seine „Advisory Services Panels“ gemeinsam mit Städten und Kommunen weltweit durch. Sie bieten professionelle und konstruktive Beratung unter Einbindung unabhängiger internationaler Experten. Ziel ist es, Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen für komplexe Herausforderungen der Stadtentwicklung zu erarbeiten. Innerhalb einer Arbeitswoche entsteht dazu ein umfassender Report, der im Anschluss präsentiert und später publiziert wird.

Von Frederike Müller

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