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Sexualverbrechen am Nordkopf?

Wolfsburg Sexualverbrechen am Nordkopf?

Riesenwirbel um angebliche systematische Sexualstraftaten am Nordkopf. Der Beratungsverein Dialog behauptet auf seiner Facebookseite, „am ZOB und Phaeno“ würden Mädchen „gegen ihren Willen berührt, vergewaltigt und in einem Fall fast zur Prostitution gezwungen“. Polizei und Stadt wiesen die Behauptungen als falsch zurück.

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Der Nordkopf: Ausgangsort für Vergewaltigungen? Polizei und Stadt dementieren.

Quelle: Boris Baschin

Der Verein Dialog, der unter anderem Prävention und Opferschutz bei Sexualstraftaten anbietet, schreibt auf seiner Facebook-Seite, „in letzter Zeit“ von sexuellen Übergriffen erfahren zu haben, „die ihren Beginn am ZOB bzw. am Phaeno“ hätten. Mädchen und junge Frauen ab 13 Jahren würden von jungen Männern angesprochen. Diese „Loverboys“ würden die Mädchen zu Spritztouren oder auf Partys einladen und teils betrunken machen - „einzig zum Ziel, die Mädchen sexuell zu benutzen“. Zum Schluss könne es sogar dazu kommen, dass die Mädchen durch entwürdigende Fotos im Internet „bloßgestellt“ würden.

Auf WAZ-Nachfrage sagte Dialog-Leiterin Sabine Huth, entgegen den Beteuerungen der Polizei seien dem Verein in Beratungen drei solcher Fälle bekannt geworden. Teils allerdings in Gifhorn oder Hannover - ihren Ausgang hätten die Übergriffe aber am Nordkopf genommen. Konkretes wollte sie dazu ebenso wenig sagen wie zu den angeblichen Tätern oder gar Tätergruppen. Auch Sozialarbeiter der Stadt und der Schulen wüssten von den Zuständen. Sabine Huth: „Wir wollen auf diesen Brennpunkt aufmerksam machen, aber keine Angstmache betreiben.“

Nach Intervention der Polizei wurde der Facebook-Eintrag ergänzt: Man spreche „nicht von Massenvergewaltigung oder dem Entstehen von Zwangsprostitution“ - die Aufregung aber blieb.

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Behörden: Kein Fall bekannt

Polizei und Verwaltung haben die vom Verein Dialog aufgestellten Behauptungen umgehend als falsch zurück gewiesen: Weder aktuell noch in der jüngeren Vergangenheit seien entsprechende Fälle bekannt.

Sowohl 2016 als auch 2015 sei kein solcher Vorfall dokumentiert, sagt Polizeisprecher Sven-Marco Claus: „Das kann man so nicht stehen lassen.“ Der Stadt und damit auch ihren Sozialarbeitern sind ebenfalls „keine Vorfälle von schweren sexuellen Übergriffen bekannt“.

Zwar komme es am Nordkopf seit rund zehn Jahren immer wieder zu Gewaltdelikten, weshalb auch Überwachungskameras installiert worden sei, so Claus: „Aber ohne sexuellen Hintergrund.“ Und laut Stadt ist am ZOB die Frage von „sexuellen Grenzverletzungen unter Jugendlichen“ durchaus ein Thema – dies sei aber „von schweren Straftaten grundsätzlich zu unterscheiden und eine bekannte Herausforderung für die Jugendarbeit.“ Polizei und Streetlife seien regelmäßig vor Ort und stünden auch im Austausch mit Dialog.

Unterm Strich sagt Polizeisprecher Claus: „Wenn Dialog sensibilisieren wollte, ist das eine gute Intention. In diesem Fall ist das aber mit zweifelhaften Methoden geschehen.“

Am Ziel vorbei

ein Kommentar von Ulrich Franke

Wie kommentiert man dieses hochsensible Thema auch nur ansatzweise kritisch, ohne sich sofort Anfeindungen ausgesetzt zu sehen? Etwa mit der Vorbemerkung, der Autor dieses Kommentars verurteile jede Form sexualisierter Gewalt aufs Schärfste? Überflüssig, weil selbstverständlich; hiermit dennoch geschehen.

Der Verein Dialog leistet anerkannte Arbeit. Mit seinem Facebook-Beitrag über die angeblichen Zustände am Nordkopf hat er am Ziel vorbei geschossen. Wer sensibilisieren will, sollte selbst sensibel bleiben.

Vor Anmach-Maschen zu warnen, die in schlimmste Übergriffe münden können, ist notwendig. Den Nordkopf ohne belastbare Fakten als vermeintlich hochgefährlichen Ausgangs- und Brennpunkt von Sexualverbrechen zu brandmarken, ist fahrlässig.

Was sollen Eltern damit anfangen? Sollen sie ihren Töchtern den Nordkopf verbieten? Natürlich nicht. Fatalerweise lenkt die verfehlte Tatort-Diskussion von der Diskussion über die drohende Tat ab. Der Sache ist damit nicht gedient.

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