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Seitenhiebe auf Bildungsbürger: Lesung mit Delius

Wolfsburg Seitenhiebe auf Bildungsbürger: Lesung mit Delius

Er liebt Rom, seine Zweitheimat, ist dort geboren, der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Friedrich Christian Delius. Am Freitag las der 70-Jährige auf Einladung des Italienischen Kulturinstitutes, des Literaturkreises und des Theaters im Foyer des Scharoun-Baus aus seiner Erzählung „Die linke Hand des Papstes.“

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Prominenter Autor: Friedrich Christian Delius las im Foyer des Wolfsburger Theaters aus „Die linke Hand des Papstes“.

Quelle: Photowerk (bs)

Es ist eine seltsame, auch skurrile Geschichte, in der am ersten Märzsonntag des Jahres 2011 ein deutscher Archäologe in einer evangelischen Kirche in Rom zufällig den Papst entdeckt. „Unauffällig gekleidet wie ein einfacher Priester“, schreibt Delius, „kein Gold, kein Purpur…keine Kamera weit und breit.“ Immer aber bleiben seine Blicke an den „mächtigen Händen des Heiligen Vaters drüben auf der kalten Marmorbank hängen“.

Während der Erzähler noch überlegt, was mit den Händen des Papstes wäre, wenn sie nichts täten, schickt er seine Gedanken auf Wanderschaft. Mit Seitenhieben auf die Postkarten-Idylle Roms, schwärmerischen Bildungsbürgern und pathologischen Besserwissern. Überlegt, warum die Ewige Stadt für die Deutschen ein Sehnsuchtsort sei, „obwohl sie dort als Barbaren gelten?“ Und wen interessiert es heute, dass der Nazi-Terror einst auch auf der Via Veneto gegenwärtig war? Solche Erinnerungen schaden der Urlaubslaune. Also weg damit!

Immer wieder ist vom „Bunga-Bunga-Mann“ die Rede und jeder weiß, wer gemeint ist: Wie war das mit Gaddafi, der Busse mit jungen Mädchen anrollen ließ und dem italienischen Premier 30 Berberpferde schenkte?

Ob ein italienischer Verlag es wohl wage, diese 128 Seiten umfassende Geschichte zu veröffentlichen? Delius lächelt fein auf diese Frage. „Ich hoffe es…“

km

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