Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Rolf Schnellecke: Ich bin und bleibe ein Wolfsburger Junge

Das große WAZ-Interview Rolf Schnellecke: Ich bin und bleibe ein Wolfsburger Junge

Rolf Schnellecke hat heute zwei Gründe zum Feiern. Zum einen wird der langjährige Wolfsburger Oberbürgermeister heute 70 Jahre alt, zum anderen besteht das Familienunternehmen Schnellecke 75 Jahre.
Rolf Schnellecke war in zwei Staatskanzleien tätig, erhielt Angebote, Minister zu werden. Dennoch entschied er sich in den 90er Jahren dafür, nach Wolfsburg zurückzukehren. Diese Heimatverbundenheit spielt eine wichtige Rolle in dem folgenden Interview, das die WAZ mit Rolf Schnellecke anlässlich seines 70. Geburtstags führte. Die Fragen stellten Carsten Baschin und Kevin Nobs, die aktuellen Fotos machte Manfred Hensel.

Voriger Artikel
Stammbaum-Forscher Pillasch ermittelte 500 Vorfahren!
Nächster Artikel
Neue Schule: Heute rollen 200 Betonmischer an!

Rolf Schnellecke: Das große WAZ-Interview mit dem langjährigen Oberbürgermeister.

WAZ: Herr Schnellecke, Sie stehen an der Spitze eines weltumspannenden Unternehmens, Sie haben viele Jahre lang die Geschicke dieser Stadt geleitet, Sie sind Honorarprofessor – würden Sie es despektierlich finden, wenn wir Sie an Ihrem 70. Geburtstag trotzdem als Wolfsburger Jungen bezeichnen?
Rolf Schnellecke: Das würde mich eher ehren, das bin und bleibe ich, und als solcher gehe ich ins Grab.

WAZ: Aufgewachsen sind Sie mitten in der Innenstadt.
Schnellecke: Ja, in den Höfen, in der Fritz-Reuter Straße, wo wir eine Wohnung hatten. Meine Mutter hat dort 50 Jahre lang gewohnt, ich habe dort meine Kinder- und Jugendzeit verbracht. Dort habe ich im kleinen Kiosk meine Tom-Mix-Hefte gekauft, dort war ich in der Milchbar, dort haben wir als Jungen auf der noch völlig unfertigen Porschestraße gespielt. Ich sehe auch noch die Baustelle des Rathauses vor mir und die alten Stadtwerke in der Kleiststraße.

WAZ: Diese starke Bindung an die Heimatstadt hat später eine wichtige Rolle gespielt. Sie hatten Angebote, Minister zu werden, Sie hatten an höchsten Stellen in Staatskanzleien gearbeitet. Stattdessen sind Sie 1995 als Oberstadtdirektor nach Wolfsburg zurückgekehrt.
Schnellecke: Eigentlich hatte ich vor, nach meinem Jura-Studium als Rechtsanwalt zu arbeiten. Doch dann spielte die Verwaltungslaufbahn eine große Rolle, als Referent des Wolfsburger Oberstadtdirektors Werner Hasselbring, bei der Bezirksregierung Braunschweig, im Innenministerium, in der Staatskanzlei Hannover unter Ministerpräsident Ernst Albrecht, nach der Wende in der Staatskanzlei Magdeburg. Doch es ging mir nicht darum, Karriere zu machen, es ging mir um meine Heimatstadt Wolfsburg, deshalb bin ich zurückgekehrt.

WAZ: In Wolfsburg wartete ja auch das Speditionsunternehmen Schnellecke, das ständig wuchs und nach dem frühen Tod Ihres Vaters von Ihrer Mutter geleitet wurde.
Schnellecke: Ja, meine Mutter hat das Unternehmen schon in den 50er-Jahren nach oben geführt, die Firma war in guten Händen, wir hatten auch immer das Glück, in der Unternehmensführung sehr gute Mitarbeiter zu haben. Insofern hatte ich freie Hand, als Oberstadtdirektor und später als Oberbürgermeister in und für Wolfsburg tätig zu sein.

WAZ: Das Unternehmen ist heute längst international tätig. Fühlen Sie sich dort noch so heimisch wie früher?
Schnellecke: Natürlich ist es anders als früher, als ich noch jeden Mitarbeiter persönlich kannte. Ich war ja auch eine Zeitlang raus. Mit meiner heutigen Tätigkeit als Aufsichtsrat bin ich hochzufrieden, zumal die nächste Generation das Unternehmen sehr gut führt.

WAZ: Wohl kaum jemand wird bestreiten, dass Wolfsburg in Ihrer Amtszeit als Oberbürgermeister eine dynamische Aufwärtsentwicklung erlebt hat, die Stadt ist im Vergleich zu den 80-er Jahren kaum wiederzuerkennen. Gibt es Orte und Plätze in Wolfsburg, an denen Sie angesichts der vielen Änderungen auch ein bisschen Wehmut beschleicht, wenn Sie an die Vergangenheit zurückdenken?
Schnellecke: Die gibt es durchaus, zum Beispiel am Rothenfelder Markt. Dort ist von Hesslingen leider nur noch ein Kern übrig geblieben, hier hätte man vielleicht früher mehr tun können, um das alte Dorf zu erhalten. Aber man kann in Großstädten nicht alles stehen lassen. Und wir haben in Vorsfelde und Fallersleben ja wunderschöne Altstädte in Wolfsburg.

WAZ: Wenn Sie zurückblicken: Was war denn der emotionalste Moment Ihrer Tätigkeit in Wolfsburg?
Schnellecke: Da kommt man nach einigem Nachdenken wohl immer wieder zur Meisterschaft des VfL, das war wirklich die größte Freude. Innerlich stark berührt hat mich meine Vereidigung als Oberstadtdirektor in meiner Heimatstadt. Am ergreifendsten war die Wiedervereinigung, Wolfsburg lag ja an der Grenze, man konnte in die ganze Welt reisen, aber zehn Kilometer weiter ging Jahrzehnte lang nichts mehr. Und plötzlich stand ich in Zicherie und auch Büstedt, wo es plötzlich keine Grenze mehr gab – das waren nicht nur für mich historische Momente.

WAZ: Wie fühlen Sie sich  nach dem Rücktritt als Oberbürgermeister im Ruhestand?
Schnellecke: Endlich kann ich mir aussuchen, was ich mache. Die Tätigkeit als Aufsichtsrat im Unternehmen macht mir viel Freude, ich halte Vorlesungen, auch ehrenamtlich mache ich viel, zum Beispiel in Stiftungen oder beim VfL. Und dann natürlich die Reisen, das ist meine große Leidenschaft. Ich bin zum Beispiel im Frühjahr mit meiner Frau rund um den Globus gereist, an alle unsere Überseestandorte.

WAZ: Werden Sie von den Bürgern auch als Oberbürgermeister im Ruhestand noch angesprochen?
Schnellecke: Es kommen schon noch Bürger mit Anliegen zu mir, aber das wird natürlich weniger. Es ist aber schön, wenn mich viele Leute immer noch namentlich ansprechen, hier in Wolfsburg oder auch mal am Hauptbahnhof in Berlin.

WAZ: Geburtstagskinder dürfen sich etwas wünschen. Was wünscht sich denn Rolf Schnellecke zum 70. Geburtstag für seine Heimatstadt Wolfsburg?
Schnellecke: Wir haben momentan sonnige Zeiten, ich wünsche mir natürlich, dass es mit Wolfsburg weiterhin vorangeht. Die Sonne wird und kann aber nicht immer scheinen, es warten noch viele Aufgaben, Zukunftsicherung ist immer ein wichtiges Thema – aber unter dem Strich ist Wolfsburg gut aufgestellt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier lesen Sie die Sonderveröffentlichungen von AZ und WAZ zu vielen interessanten Themen. mehr

Borth im Radio - der wöchentliche Talk mit WAZ-Chefredakteur Dirk Borth auf radio21

Dirk Borth, der Chefredakteur der Wolfsburger Allgemeinen ist jetzt jeden Freitag um 16.30 Uhr bei Radio21 zu hören. "Borth im Radio" - aktuelle Kommentare aus der Region. mehr

Ihre Tageszeitung auf dem Tablet lesen: Wir haben die besten Geräte, das passende Zubehör und tolle Angebote! Lassen Sie sich jetzt unverbindlich im AZ/WAZ Media Store beraten. mehr

Wintermarkt in der Autostadt Wolfsburg