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Prozess gegen Urologen: „Betroffenheit fehlte völlig“

Landgericht Braunschweig Prozess gegen Urologen: „Betroffenheit fehlte völlig“

Zur eigentlich vorgesehenen Aussage eines verdeckten Ermittlers kam es zwar nicht. Dafür stellte vor dem Landgericht Braunschweig ein Gutachter die psychiatrische Bewertung des Wolfsburger Urologen vor, dem der Tod eines seiner Patienten zur Last gelegt wird.

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Anklagebank in Braunschweig: Der Urologe (M.) wird als pedantisch, narzisstisch und misstrauisch beschrieben.

Quelle: Foto: Kevin Nobs

Wolfsburg. Der Wolfsburger Urologe, der seit Wochen wegen eines Todesfalls in seiner Praxis vor Gericht steht, ist voll schuldfähig. Das sagte ein Gutachter (68) gestern vor dem Braunschweiger Landgericht aus. Ansonsten zeichnete er aber kein allzu schmeichelhaftes Bild des 64-Jährigen. Dämpfer für Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin: Ein verdeckter Ermittler, der als Patient in der Urologie-Praxis war, durfte zumindest gestern nicht aussagen.

Die Staatsanwaltschaft als Anklagebehörde hatte den Mann – nach WAZ-Information ein Polizist – in die damalige Praxis in der Wolfsburger Innenstadt eingeschleust. Der Verteidiger des Urologen setzte aber durch, dass die Anhörung zumindest verschoben wurde. Ob der verdeckte Ermittler im weiteren Prozess aussagen darf, was er als vermeintlicher Patient erlebt hat, entscheidet das Gericht.

Wer dagegen tatsächlich aussagte, war ein Gutachter, der beurteilen sollte, ob der Urologe wegen seelischer Störungen schuldunfähig oder vermindert schuldfähig ist. Zwar treffe weder das eine noch das andere auf den Mediziner zu, so der Psychiatrieprofessor vor Gericht. Etliche auffällige Verhaltensweisen beim Angeklagten seien ihm aber aufgefallen.

Vor allem bei der Frage nach der Betroffenheit, weil ein Patient in seiner Praxis gestorben sei: „So etwas fehlte völlig!“ Auch die Vorwürfe, am Tod des 53-jährigen damaligen VW-Managers zumindest eine Teilschuld zu tragen, ließen den Urologen völlig kalt. Der Gutachter: „Er hat reagiert, als solle er drei Briefmarken geklaut haben: Nee, das war ich nicht.“ Gleichzeitig sei der Angeklagte zwar hochintelligent, dabei aber narzisstisch, pedantisch, besserwisserisch, misstrauisch und „von der eigenen Person aufs Äußerste überzeugt“.

Der VW-Manager war im Oktober 2008 auf dem Operationstisch des Urologen gestorben. Der Mediziner soll dem 53-Jährigen zuvor Nierensteine angedichtet haben. Mit auf der Anklagebank sitzt ein Wolfsburger Anästhesist (54).

Von Kevin Nobs

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