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Polizeichef Hans-Ulrich Podehl im WAZ-Interview

Wolfsburg Polizeichef Hans-Ulrich Podehl im WAZ-Interview

Wolfsburg. Im WAZ-Interview spricht Hans-Ulrich Podehl über Flüchtlingskriminalität, Gefahren durch islamistischen Terror und Rechtsextremismus sowie die steigende Zahl der Eigentumsdelikte.

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Besuch bei der WAZ: Chefredakteur Dirk Borth (r.) und Redaktionsleiterin Claudia Jeske begrüßten Polizeichef Hans-Ulrich Podehl (2.v.r.) und Polizeisprecher Sven-Marco Claus.

Quelle: Sebastian Bisch

Mit der Flüchtlingswelle im letzten Jahr hatten viele auch eine Kriminalitätswelle erwartet. Diese ist, zumindest in Wolfsburg, ausgeblieben - oder täuscht dieser Eindruck?

Wir registrieren seit November letzten Jahres sämtliche Daten in Zusammenhang mit Asylbewerbern und Flüchtlingen, sowohl als Täter als auch als Opfer. Natürlich gibt es unter diesen Personengruppen straffällig gewordene Mitmenschen, genauso wie unter den deutschen Staatsangehörigen.

Um welche Straftaten handelt es sich überwiegend?

Wir haben in erster Linie neben Eigentumsdelikten wie Diebstähle und Raub auch Gewaltdelikte wie Körperverletzungen registriert.

Trotzdem scheint es in Wolfsburg zurzeit eher ruhig zuzugehen...

Bedenkt man die Situation, in der sich Flüchtlinge nach oft monatelanger Flucht bei der Ankunft hier in Wolfsburg befinden, ist dies auch den Verantwortlichen in der Stadt zu verdanken, die die ankommenden Flüchtlinge möglichst dezentral untergebracht haben, so dass es gerade innerhalb der Asylheime und Notunterkünfte kein erhöhtes Aufkommen von Straftaten gab. Eine eigens eingesetzte Ermittlungsgruppe wie in Braunschweig war bei uns nicht nötig.

Terrorismus-Experten warnen zunehmend vor IS-Anschlägen auch in Deutschland. Wolfsburg galt und gilt in Niedersachsen als eine Hochburg der IS-Sympathisanten. Geht von Zurückkehrern eine Gefahr aus, haben die Sicherheitsbehörden diese Leute im Blick?

In Niedersachsen werden die landesweiten Ermittlungen im Landeskriminalamt in Hannover geführt, so auch für Wolfsburg. Von hier aus unterstützen wir die Untersuchungen mit Verbindungsbeamten. Ich betone nochmals, dass nach wie vor von diesen bekannten Personen zurzeit keine konkrete Bedrohungslage ausgeht.

Trotzdem behalten Sie diese Leute im Blick?

Insbesondere nach der Länderspielabsage in Hannover und den bevorstehenden Fußballspielen in der Volkswagen Arena haben wir diese Personen zu einer Gefährderanspache aufgesucht.

Durch viele Länder Europas geht ein Rechtsruck, auch Deutschland bewegt sich durch Pegida und insbesondere die AfD mit zweistelligen Wahlergebnissen in eine deutlich rechtsnationale Richtung. Droht die größte Gefahr für Demokratie und innere Sicherheit heute von Rechts?

Zurzeit gibt es in Wolfsburg keinen zahlenmäßigen Zuwachs und keine Zunahme der Aktivitäten in der rechten Szene. Wir haben alle Zugehörigen im Blick. Dass sich die Zahlen und die Aktivitäten auch wieder ändern können, dürfen wir nicht ausschließen.

Insbesondere stark steigende Zahlen von Wohnungs- und Wohnhauseinbrüchen versetzen Menschen in Wolfsburg in Sorge. Was kann die Polizei tun, um das Sicherheitsgefühl zu stärken?

Mit großer Sorge beobachten wir, dass im Jahr 2015 in der Kriminalstatistik 50 Prozent mehr Wohnhauseinbrüche im Wolfsburger Stadtgebiet registriert wurden. Gerade auch in den Sommermonaten lagen die Zahlen erheblich über den Vergleichszahlen der Vorjahre.

Wie gingen die Täter vorwiegend vor?

Eingebrochen wurde meist über leicht erreichbare Fenster und Terrassentüren, daher schauen wir auch auf die Zahl der Einbruchsversuche, also die Anzahl der gescheiterten Einbrüche, die inzwischen auf etwa 40 Prozent angestiegen ist. Diese Entwicklung bewerten wir positiv. Damit bleiben also weit über ein Drittel aller Einbrüche im Versuchsstadium stecken.

Wie erklären Sie sich das?

Die intensivierten Präventionsmaßnahmen dürften maßgeblich zur Steigerung der Versuchshandlungen beigetragen haben. Zudem verdeutlichen die Zahlen die Relevanz polizeilicher Bemühungen, die Bevölkerung über mögliche Sicherungsmaßnahmen umfassend zu informieren. Die Verbesserung des technischen Einbruchschutzes ist besonders wichtig, um möglichst viele Täter scheitern zu lassen und damit den Versuchsanteil zu erhöhen. Schon durch einfache Verbesserungen kann jeder etwas zu seiner eigenen Sicherheit beitragen.

Wie sollten sich Bürger verhalten, wenn sie Zeuge eines Einbruchs werden?

In diesen Situationen gehört es zur Zivilcourage, die Polizei per Notruf 110 zu informieren. Die Menschen sollen nicht selbst agieren oder sich in Gefahr bringen, sondern nur zum Telefon greifen und ihre Beobachtungen weitergeben. Unsere Ermittler sind auf die Mithilfe unserer Mitmenschen angewiesen. Wir brauchen Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern, die zum Beispiel in der Nacht in der Küche ein Glas Wasser trinken und dabei auf der Straße Ungewöhnliches oder gar Straftaten beobachten.

Welche polizeilichen Konzepte gibt es, um die Zahl der Einbrüche einzudämmen?

Wir überprüfen in einem steten Prozess die Qualität unserer eigenen Ermittlungsarbeit. Da Einbrecher keinen Halt an Gebietsgrenzen machen, intensivieren wir zum Beispiel gerade die überregionale Zusammenarbeit gerade in diesem Deliktsfeld.

Der VfL Wolfsburg hat in der Champions League Manchester United und Real Madrid geschlagen und ist zugleich in der Bundesliga abgestürzt. Wie bewerten Sie diese Saison?

Der VfL Wolfsburg hatte in dieser Saison ein großes Pensum zu bestreiten, leider auch einhergehend mit vielen Verletzungen von Spielern. Man kann beobachten, dass mit Ausnahme von Bayern München und Dortmund andere Vereine mit dieser zusätzlichen Belastung der unterschiedlichen Wettbewerbe ebenfalls Probleme haben. Ich denke, dass alle Vereine, die sämtliche Konkurrenzen gleich gut bestreiten wollen, auch einen in der Breite qualitativ gut aufgestellten Kader benötigen. Ich habe da gerade für die kommende Saison Vertrauen in die Verantwortlichen des VfL.

Interview: Claudia Jeske und Dirk Borth

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