Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Otto F. Wachs: Festival ist noch vielseitiger

Autostadt-Geschäftsführer im WAZ-Interview Otto F. Wachs: Festival ist noch vielseitiger

Beim Zirkusfestival in der Autostadt, das am 12. Juli startet, gibt es zahlreiche Neuheiten. Darüber und über viele weitere Themen sprach die WAZ mit Autostadt-Geschäftsführer Otto F. Wachs und Ralf Luhnen, Leiter der Event-Abteilung.

Voriger Artikel
Deutschlands großer e-Autotest
Nächster Artikel
VfL zieht Sicherheitsring um VW-Arena

Zirkus in der Autostadt: Zum zweiten Mal findet Cirque Nouveau im Sommer statt.

Wolfsburg. Cirque Nouveau geht in die zweite Runde. Jetzt ohne den Zusatz „mobile“, dafür wieder mit einem abwechslungsreichen Programm und einigen Neuheiten. Was erwartet die Besucher?

Wachs: Die Neuheiten entstanden aus unseren Erfahrungen des letzten Jahres und durch Anregungen unserer Besucher. Es gibt immer etwas, dass man noch besser machen kann. Wir haben im ersten Jahr Cirque Nouveau viel gelernt und einige Dinge jetzt optimiert. Zum Beispiel starten wir in diesem Jahr sehr viel früher mit der Kommunikation und unsere Gäste können jetzt schon sehr unkompliziert Tickets für die Shows online reservieren.

Welche Neuheiten gibt es im Programm?

Luhnen: Es geht uns vor allem darum, das Festival noch vielseitiger und spannender zu gestalten und nicht darum, einfach mehr zu machen. Im vergangenen Jahr haben wir gemerkt, dass viele Familien zu uns gekommen sind, die  den ganzen Tag geblieben sind. Das lag an auch den vielen Attraktionen im Park – dieses Angebot bauen wir 2017 weiter aus.

Sandinsel, Seilfähre und Lounge-Netze gehören zu den Neuheiten, was verbirgt sich dahinter?

Luhnen: Die Sandinsel im Hafenbecken ist eine Insel für Kinder, auf der sie im Sand buddeln und in Ruhe spielen können. Mit einer Seilfähre zieht man sich auf diese Insel selbst rüber. Im Hafenbecken schwimmt außerdem ein großes vier Meter hohes aufblasbares Objekt, in das Sprungtücher eingearbeitet sind und auf denen Kinder herumspringen können. Auf den neuen Netz-Lounges entspannen und liegen Sie – unter ihnen das Wasser. Alles zusammen bieten wir noch mehr Spaß und Leben im Hafenbecken.

Im Park gibt es noch weitere Attraktionen für Familien..

Luhnen: Da haben wir zum Beispiel unsere Inflatable Bubbles: Wir bauen dafür eine Plattform in die Lagune. Darauf setzen wir Objekte, die einen mit Wasser gefüllten Untergrund haben, dadurch bekommt es einen schönen ‚schwabbeligen’ Effekt. Oben drauf kommen dann Luftblasen, auf denen man herumklettern und springen kann. Im vergangenen Jahr hatten wir vor dem KundenCenter ein riesiges Luftkissen, das richtig gut angekommen ist. Auch das bauen wir weiter aus: Es wird zum Beispiel verschiedene Ebenen und einen aufblasbaren Kletterturm bekommen. Aufblasbare Objekte sind das große Thema im gesamten Park. Aber auch Bodentrampoline und ein großes Netz-Objekt zum Klettern sind wieder dabei.

Ein Herzstück des Festivals sind die Zirkus-Companien, die aus der ganzen Welt kommen. Mit dabei ist wieder die Gruppe Urbanatix, die wie im Vorjahr Cirque Nouveau in der Autostadt eröffnen. Sogar eine Gruppe aus Vietnam ist dabei – Vietnam verbindet man nicht unbedingt mit Zirkus...

Luhnen: Der Nouveau Cirque du Vietnam war schon im Rahmen von „15 Jahre Autostadt“ bei uns und hat eine kleine, sehr poetische Show im KundenCenter gezeigt. Damals war es noch ein staatlicher Zirkus, den wir nach reichlich Korrespondenz in die Autostadt holen konnten. Mittlerweile hat sich die Compagnie selbstständig gemacht. In der neuen Show geht es um ein traditionelles Dorf, das sich zum urbanen, modernen Vietnam entwickelt.

Das ist eine ganz andere Art von Zirkus. Hatten Sie, bevor Sie sich wegen des Festivals mit Zirkus beschäftigt haben, gewusst, dass das Thema so vielfältig ist?

Luhnen: Nein. Wenn man jedoch in das Thema eintaucht, eröffnen sich immer neue Aspekte und ich habe gemerkt, wie vielfältig das Genre ist.

Wachs: Ralf Luhnen ist seit Anfang an in der Autostadt für Events zuständig und hat auf seinen Reisen für uns hunderte von Events gesehen. Durch seine Erfahrungen und Erlebnisse ist die Idee eines Zirkus-Festivals in der Autostadt entstanden. Nach neun Jahren Wassershows wollten wir etwas anderes machen als das technoide, kühle „schneller, höher, weiter“. Etwas Fröhliches für Familien. Für viele kam es überraschend, dass wir quasi aus dem Stand solch ein Festival mit dieser Qualität aus dem Boden gestampft haben. Das lag daran, weil sich Ralf Luhnen mit seinem Team schon länger mit dem Cirque Nouveau beschäftigt hat.

Die Bühne vor der Piazza gibt es diesmal nicht, warum?

Luhnen: Der Umbau war sehr aufwändig, oft hatten wir zu wenig Zeit und sind erst in den letzten Minuten fertig geworden. Deshalb treten diesmal viele Gruppen überall im Park verteilt mit kleinen Shows auf, die sich wiederholen und für ganz viel Atmosphäre sorgen.

Wachs : Wir hatten im vergangenen Jahr ganz wunderbare Acts auf der Piazza. Aber der Aufwand war sehr groß und die Künstler haben nicht immer die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient hätten: Von den 2000 Besuchern, die die Hauptshow auf der Hafenbühne abends gesehen haben, sind 1500 nach Hause gegangen, weil es schon recht spät war. Sie sind an den Künstlern, die Beachtenswertes gezeigt haben, vorbei gegangen. Deshalb haben wir das verändert.

Soll es Cirque Nouveau auch künftig in der Autostadt geben?

Wachs: Das Festival könnte sich durchaus verfestigen. Es hängt noch von diesem Sommer und den Erfahrungen ab. Ich glaube, weil es das Festival schon einmal gab, wird der Erfolg diesmal noch durchschlagender sein. Wenn nichts Ungewöhnliches passiert, wird unser neues Sommerfestival Bestand haben.

Volkswagen muss aber sparen. Andere Themenparks und Autokonzerne hatten mit ihren Plattformen nicht so viel Erfolg. Wie hat es die Autostadt geschafft, über 17 Jahre ein Programm mit gleichbleibender oder sogar noch höherer Qualität anzubieten?

Wachs : Plattformen anderer Autokonzerne sind sehr fokussiert auf ein Museum, die sie auch sehr erfolgreich betreiben. Wir haben das Thema – die Mobilität – zum Beispiel im Konzernforum deutlich weiter gefasst. Und wir haben außerdem von Beginn an für alle Besucher einen Eintrittspreis genommen, was anfangs wie eine Bürde aussah. Dies war für uns eine positive Herausforderung, kreativ etwas Besonderes zu leisten. Die Verpflichtung den Gästen etwas zu bieten, wofür sie Geld und ihre Freizeit geben, das ist noch ein Stück mehr.

Das Veranstaltungsspektrum in den vergangen 17 Jahren ist riesig. Aber die Autostadt traute sich immer beliebte Formate wie die Wassershows oder den Mondo-Club durch Neues zu ersetzen. Warum die Brüche?

Wachs: Der Bruch ist bekanntlich die höchste Vollendung. Als wir mit dem Mondo-Club aufgehört haben, gab es sogar richtig Ärger. Auch mit den After-Work-Partys haben wir auf dem Höhepunkt aufgehört. Andere haben sie in gut verstandenem Sinne kopiert – damit war unser Auftrag erfüllt und wir haben etwas Neues entwickelt.

Hat es in der Autostadt auch mal etwas gegeben, was nicht so gut funktioniert hat?

Wachs: Wir haben zum Beispiel vor vielen Jahren mit Ehrgeiz ein Western-Herbstfest unter anderem mit Texas Lightning organisiert. Es regnete in Strömen – das Fest stand also nicht unter einem so guten Stern. Aber wir wollten zwischen Sommer- und Winterinszenierung und fern von Movimentos auch etwas im Herbst versuchen. Es hat aber nicht so gut funktioniert, das Publikum hat es nicht wirklich angenommen. Aber keiner hat uns das übel genommen. Wenn mal etwas schief geht, können wir mit einer positiven Routine damit umgehen. Unsere künftige Herausforderung wird es sein, das junge, digital-affine Publikum zwischen 16 und 25 Jahren noch stärker anzusprechen. Damit würden wir auch das Projekt „Wolfsburg Digital“ gut unterstützen.

Das könnten Sie doch mit Partys erreichen?

Wachs: Wenn wir nur noch Veranstaltungen machen würden, verlassen wir unseren Urauftrag, also die Vermittlung von Inhalten. Wir wären nur eine große Veranstaltungsplattform. Unser Ziel bleibt aber weiterhin Mobilität in ihren unterschiedlichen Facetten zu thematisieren – ganz nach unserem Motto „Menschen. Autos und was sie bewegt.“

Eine Neuauflage von Mondo- oder Hafenclub gibt es damit nicht?

Wachs: Das stimmt. Es ist auch eine Frage des Zeitgeistes. Als wir den Mondo-Club hatten, war es die richtige Zeit dafür. Wenn wir ihn heute noch mal machen würden, wäre das schon wegen der eigenen Erwartungen schwierig. Deshalb sagen wir: Es muss uns etwas anderes einfallen. Außerdem denke ich, dass es in Wolfsburg  gerade nicht die Zeit für große Partys ist.

Sie sind beide von Anfang an in der Autostadt, was waren Ihre persönlichen Highlights?

Luhnen: Die Konzerte lasse ich mal beiseite, da gab es viele Höhepunkte. Ein Highlight für mich war das Rosen-Event im Jahr 2001. Wir hatten überall im Park Bühnen aufgebaut und die Besucher konnten immer als Paar kommen: der Sohn mit der Mama, der Ehemann mit der Ehefrau. Sie konnten ganz persönliche Momente mit den Künstlern erleben. Und vom Dach der Piazza ließen wir Rosenblätter regnen.

Wachs: Mein Bruder hat in den 1970er Jahren für Liza Minnelli in den USA gearbeitet. Als sie 2008 in der Autostadt war, erfuhr sie, dass der Autostadt-Chef auch Wachs hieß. Wir trafen uns im Ritz-Carlton und sie sagte spontan, dass ich Teil ihrer Show sein solle. Also bin ich mit ihr aufgetreten – das war mein persönliches Highlight.

Seit Anfang an in der Autostadt: Ralf Luhnen organisiert seit vielen Jahren spannende Veranstaltungsformate in der Autostadt.

Interview: Sylvia Telge und Dirk Borth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Wolfsburg