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Stadt Wolfsburg Nachbarn geschockt: „Die Polizei war immer wieder hier“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Nachbarn geschockt: „Die Polizei war immer wieder hier“
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23:59 26.12.2017
Tatort in der Lessingstraße: Nachbarn reagierten schockiert auf den gewaltsamen Tod einer 39-Jährigen in ihrem Haus.  Quelle: Gero Gerewitz
Wolfsburg

 Nach dem gewaltsamen Tod einer 39-jährigen Frau in der Lessingstraße sitzt der Schrecken bei den Nachbarn tief. Eigentlich sei es ein ruhiger Wohnblock, sagen die Mieter übereinstimmend. Doch in den vergangenen Wochen musste die Polizei immer wieder zu dem mehrgeschossigen Haus mit der Nummer 49 ausrücken, in dem Anna P. am Tag vor Heiligabend getötet wurde. Vor etwa drei Wochen sei ihr Lebensgefährte Mariusz S. sogar von Polizeibeamten abgeführt worden, berichten Nachbarn der WAZ.

Von dem Verbrechen, das sich in ihrem Haus abspielte, bekam am Samstagvormittag zunächst fast niemand etwas mit. „Die meisten sind nicht da, arbeiten oder sind im Urlaub“, sagt Antonio Hecht (21), der in der engen Küche neben seiner Mutter steht, die am Küchentisch Platz genommen hat. Die Familie wohnt im Stockwerk unter der Wohnung, in der sich die blutige Tragödie abspielte. „Noch gestern habe ich mit ihr geredet“, sagt Barbara Hecht (53) über das Opfer Anna P., die wie ihr Lebensgefährte aus Polen stammte. „Ich habe sie gefragt: ,Ganz schön kalt?’ Und sie meinte: ,Geht so.’“

Verbrechen in der Lessingstraße: Der Leichnam der getöteten 39-Jährigen wird ein Bestattungsfahrzeug geladen. Quelle: Florian Heintz

Als Barbara Hecht am Samstag gegen halb Zwölf vom Einkaufen zurückkam, standen zwei Rettungswagen, zwei Polizeiautos und ein Notarztfahrzeug vor dem Haus. „Der Mann wurde dann nach unten getragen, er hatte eine Wunde“, erzählt Antonio Hecht und deutet dabei mit seiner rechten Hand auf seine linke Brust. Später klingelten Polizeibeamte an der Tür der Familie und informierten sie über den Tod der 39-Jährigen. „Die Polizei hat zu uns gesagt, es ist kein schöner Anblick“, berichtet Barbara Hecht.

Zu dem Paar in der Wohnung über ihnen hatten die Nachbarn wenig Kontakt. Anna P. und Mariusz S. sollen im Laufe des vergangenen Jahres eingezogen sein, bei ihnen lebten auch die beiden Töchter von Anna P. – 10 und 14 Jahre alt. Beide hielten sich offenbar in der Wohnung auf, als ihre Mutter getötet wurde. „Er war immer nett und höflich, hat aber wenig Deutsch gesprochen“, sagt Barbara Hecht über Mariusz S., der am folgenden Tag wegen dringenden Tatverdachts verhaftet wird. Das Paar, so schildern es die Nachbarn, sei verliebt gewesen, die beiden seien Arm in Arm zum Einkaufen gegangen. Von Streit sei nie etwas zu hören gewesen.

Aber es gab auch eine andere Seite: Der 38-Jährige soll sich regelmäßig betrunken haben. „Dann ist er zum Schlafen ins Auto gegangen. Das war schon merkwürdig“, sagt Barbara Hecht. Und: Vor rund drei Wochen soll die Polizei Mariusz S. aus dem Haus abgeführt haben. „Am nächsten Tag war er wieder da.“

Wohnung im vierten Obergeschoss: Hier wurde Anna P. vermutlich von ihrem Lebensgefährten getötet. Quelle: Gero Gerewitz

Auch andere Nachbarn berichten von Polizeieinsätzen in dem Mehrfamilienhaus. „In den letzten beiden Wochen war die Polizei etwa drei bis vier Mal die Woche hier. Die kamen in Zivil, aber mit Blaulicht“, berichtet Jeremy Schlaht (20). „Hier wohnen viele Familien, eigentlich ist es ruhig“, sagt seine Lebensgefährtin Jana Kowalski, die im Nachbarhaus des Opfers wohnt.

Fast wortgleich schildert es Darius Koch (27), der ebenfalls im Nachbarhaus wohnt. „Eigentlich ist es recht ruhig“, sagt er. Seine Frau Madeleine Koch (24) erinnert sich aber auch an einen größeren Polizeieinsatz im Sommer. „Da standen Polizisten mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen vor dem Hauseingang“, berichtet sie. Andere Nachbarn bestätigen diesen Vorfall. Die Hintergründe kennt niemand von ihnen.

Am Samstag sichert die Polizei noch stundenlang Spuren in der Wohnung im vierten Obergeschoss. Ein Transporter der Kriminaltechnik steht vor dem offenen Hauseingang. Erst kurz vor 17 Uhr, als es bereits dunkel ist, tragen zwei Männer den Leichnam von Anna P. aus dem Haus und laden ihn in ein Bestattungsfahrzeug. Zwei Beamte der Spurensicherung in weißen Schutzanzügen durchsuchen dann einen silberfarbenen Opel Insignia mit einer großen Delle am linken Heck, der auf dem Mieterparkplatz vor dem Haus steht.

Spurensicherung: Beamte durchsuchen das Auto des Paares. Quelle: Florian Heintz

Es ist der Wagen, in dem der 38-Jährige regelmäßig geschlafen haben soll, sogar im Winter, zuletzt vor etwa drei Wochen. „Das habe ich auch gesehen. Er soll betrunken gewesen sein“, bestätigt Martina Kirschlager, die im Stockwerk über dem Paar wohnt. „Die eine Tochter habe ich jeden Tag gesehen. Das ist jetzt schon ein mulmiges Gefühl. Am liebsten würde ich ausziehen“, sagt die 53-Jährige.

Auch bei Familie Hecht ist an diesem Tag vor Heiligabend jede Weihnachtsstimmung verloren. „Wir wollten noch Geschenke einpacken“, sagt Barbara Hecht am Abend in ihrer Küche. Daran ist jetzt nicht mehr zu denken.

Von Florian Heintz

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