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Mutmaßlicher IS-Drahtzieher Abu Walaa vor Gericht

Geschäftlich in Wolfsburg aktiv Mutmaßlicher IS-Drahtzieher Abu Walaa vor Gericht

Der Iraker Abu Walaa gilt als Führungsfigur des IS in Deutschland. Reihenweise junge Männer soll er für die Terrormiliz mobilisiert haben, in Wolfsburg betrieb er eine Boutique. Am Dienstag beginnt der Prozess gegen ihn und vier weitere Top-Islamisten in Celle.

Er soll reihenweise junge Männer für die Terrormiliz IS mobilisiert haben: Der mutmaßliche IS-Drahtzieher für Deutschland Abu Walaa steht ab Dienstag vor Gericht.

Quelle: dpa

Celle/Wolfsburg. Als „Mann ohne Gesicht“ oder „Scheich von Hildesheim“ machte Abu Walaa von sich reden. Von diesem Dienstag an muss sich die mutmaßliche Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten. Der Iraker war auch in Wolfsburg aktiv – zumindest geschäftlich: Abu Walaa betrieb in der Fußgängerzone das mittlerweile geschlossene Modegeschäft „Dejavu“, wo die Polizei bereits 2012 eine Razzia durchgeführt hatte.

Gepredigt oder gar Kämpfer für den IS angeworben hat Abu Walaa nach Einschätzung der Behörden in Wolfsburg aber wohl nicht. In Wolfsburg filzte die Polizei vor fünf Jahren die Geschäftsräume und nahm unter anderem einen Tresor mit. Seinerzeit allerdings verlief die Aktion ohne konkretes Ergebnis. Weitere Geschäftsräume hatte er in Braunschweig und Salzgitter.

Vier weitere Top-Islamisten angeklagt

Mitangeklagt sind vier weitere mutmaßliche Top-Islamisten im Alter zwischen 27 und 51 Jahren, weil sie Freiwillige für den Kampf des IS rekrutiert haben sollen. Ihnen wird Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Alle fünf Angeklagten wurden im November vergangenen Jahres in NRW und Niedersachsen festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Belastet wird Abu Walaa von mehreren V-Leuten der Polizei sowie einem ehemaligen IS-Sympathisanten aus Gelsenkirchen. Der Kronzeuge sagte sich nach einer Syrienreise von der Terrormiliz los und packte bei den Ermittlern aus, er erhielt im Mai eine Bewährungsstrafe.

Beim inzwischen verbotenen „Deutschen Islamkreis Hildesheim“ soll der Iraker Abu Walaa (33, bürgerlicher Name Ahmad Abdulaziz Abdullah A.) radikal-islamische Predigten gehalten und die Moschee des Vereins zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben.

Reihenweise junge Männer angeworben

Ziel des überregionalen Netzwerkes der Männer sei es gewesen, Freiwillige für den IS nach Syrien oder in den Irak zu vermitteln. Die Anklageschrift führt nach Angaben der Bundesanwaltschaft sechs Ausreisen in den Jahren 2014 und 2015 auf.

Nach Abu Walaas Seminaren in der Hildesheimer Moschee fuhren reihenweise junge Männer in den Irak und nach Syrien. Mindestens 15 Männer aus Niedersachsen und neun aus Nordrhein-Westfalen durchliefen nach Behördenerkenntnissen sein Netzwerk und reisten ins Kriegsgebiet. Sechs von ihnen sollen dort gestorben sein. In der Moschee soll auch der Berlin-Attentäter Anis Amri auf Abu Walaa getroffen sein, beim mitangeklagten Deutsch-Serben Boban S. in Dortmund soll Amri zeitweise gewohnt haben.

Abu Walaa und zwei Mitangeklagten wird auch Terrorismusfinanzierung sowie Beihilfe zur Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Aus Kreditbetrügereien, Einbrüchen und Spenden soll das Netzwerk um Abu Walaa nach Medienberichten zwei Millionen Euro an den IS gezahlt haben.

29 Verhandlungstermine angesetzt

Die beiden ältesten Angeklagten sollen Ausreisewilligen neben der arabischen Sprache auch radikal-islamische Inhalte nahe gebracht und damit Grundlagen für eine Tätigkeit beim IS und die Teilnahme an Kampfhandlungen geschaffen haben, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Überdies soll der 51 Jahre alte Angeklagte nach Medienberichten einen der jugendlichen Bombenleger in einem Sikh-Tempel 2016 in Essen zuvor radikalisiert haben. Unter dem Einfluss von Abu Walaas Netzwerk sollen auch Zwillingsbrüder aus Castrop-Rauxel zum IS aufgebrochen sein und sich 2015 bei Selbstmordanschlägen auf irakische Stützpunkte in die Luft gesprengt haben.

Für das Verfahren in Celle wurden zunächst 29 Termine bis Ende Januar kommenden Jahres angesetzt. Danach soll auf unbestimmte Zeit zwei Mal wöchentlich weiter verhandelt werden. Den Männern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Von Michael Evers

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