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Monika Thomas sieht ihren Aufstieg als Lob für Wolfsburg

Wolfsburg Monika Thomas sieht ihren Aufstieg als Lob für Wolfsburg

Wolfsburg. Stadtbaurätin Monika Thomas verlässt die Stadt. Die 58-Jährige wechselt ins Bundesbauministerium nach Berlin. Im Interview mit WAZ-Redakteurin Andrea Müller-Kudelka spricht sie über erreichte Ziele, anstehende Aufgaben und die öffentliche Wahrnehmung des Glasdachs auf dem Hugo-Bork-Platz.

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Tschüss, Wolfsburg: Stadtbaurätin Monika Thomas geht nach Berlin. WAZ-Redakteurin Andrea Müller-Kudelka sprach mit ihr über alte und neue Ziele.

Quelle: Britta Schulze

Als Sie 2003 nach Wolfsburg kamen, zogen Sie in die Bebelstraße. Wohnen Sie noch dort?
Vor fünf Jahren bin ich umgezogen, aber nur 500 Meter weiter. Ich habe immer zur Miete im Stadtzentrum gewohnt und werde von dort aus jetzt auch erstmal nach Berlin pendeln. Warum sollte ich nicht das erleben, was Tausende, die in Wolfsburg arbeiten, kennen?

Haben Sie sich beworben oder wie bekommt man so einen Posten im Ministerium?
Ich bin angesprochen worden. Das ist vor allem ein Zeichen dafür, dass wir in Wolfsburg einen guten Ruf haben - für die Leistungen über die gesamte Bandbreite des Bauwesens hinweg.

Es war also eine Überraschung?
Ja, echt, ist so. Das kam alles sehr schnell. Ich finde es spannend, diesen Wechsel aus der kommunalen Praxis in die Bundesbehörde. Dort geht es um Richtlinien und Gesetze. Anfragen von anderen Städten hatte ich schon häufiger - aber da habe ich mich immer gefragt: Warum sollte ich das tun? Jetzt kann ich mich in Berlin um die erforderlichen Rahmenbedingungen der Kommunen beim Bauen kümmern. Ich denke, auch darum haben sie eine Stadtbaurätin angesprochen.

Sie waren die erste Frau in der Verwaltungsspitze in Wolfsburg. Kampf oder Vergnügen?
Ich kam ja nicht unerfahren in die Rolle als Führungsfrau. Es ist aber schon so, dass man es immer wieder spürt. Darüber könnte ich einiges erzählen...

620 Mitarbeiter führten sie anfangs. Es dürften jetzt mehr sein...
Es ist schwer zu vergleichen, wir hatten ja einige Umstrukturierungen. Zum Beispiel wurde die WEB ausgegliedert, dafür ist der Hochbau hinzu gekommen. Meine Geschäftsbereichsleiter machen jedenfalls alle einen hervorragenden Job. Ich glaube, dass eine Vakanz aufgrund der Stabilität gar kein Problem ist. Und wer dann kommt, findet ein versiertes Team mit hoher Kooperationskultur.

Welche Ihrer Ziele haben Sie seit 2003 erreicht?
Es hat sich viel getan. Am markantesten war die Entwicklung des Allerparks. Ein anderes Beispiel ist der Nordkopf. Da gab es keine BKK, kein Hotel, das DOW ist auch städtebaulich ein Gewinn und die Gastronomie ist ein verbindendes Element in Richtung Fußgängerzone. Das Konzept ist aufgegangen. Zu nennen wären auch die Stadtachse Westhagen oder die Brücke zur Nordumgehung von Fallersleben. Da freue ich mich jedesmal, wenn ich sie sehe. Und viele kleine Projekte, die nicht im Rampenlicht stehen, aber viel bringen - wie der Bahnhofsausgang am Kanal oder der Durchgang zum Congresspark zwischen Parkhaus und Neuer Schule.

Und gibt es auch Pleiten?
Ich hätte mir gewünscht, das wir am Nordkopf weiter wären. Aber da hat uns damals die Finanzkrise zurückgeworfen.

Ich dachte sowieso, Sie wären noch lange nicht fertig...
Das ist ja immer so. Viele vergessen, dass Wolfsburg als junge Stadt ganz andere Strukturen hat. Was anderswo in Jahrhunderten gewachsen ist, müssen wir hier mühselig entwickeln. Als ich kam, war der Heinenkamp gerade im Werden. Mittlerweile müssten wir für das Gewerbe schon wieder neue Flächen erschließen. Der Wohnungsdruck ist natürlich groß. Und wir hatten zwar eine große Schulbau-Offensive, aber es fehlen noch Kitas.

Zum Thema Schulen - ist deren Entwicklung für eine Architektin nicht eher eine Strafarbeit?
Nein, gar nicht! Wir sind hier in vielen Dingen schnell und mutig, das macht Wolfsburg aus. Als wir bei den Schulen anfingen, haben wir erst geguckt, was saniert werden muss - und dachten: Hoppla! Wir wollten schauen, wie man Schule verändern kann und haben die Chance genutzt, sie gemeinsam mit neuen Lernkonzepten zu entwickeln. An den vier Bauabschnitten der HNG kann man deutlich sehen: Wir haben dazugelernt. Im übrigen geht es bei jedem Projekt um mehr als nur um das einzelne Gebäude. Mir war es immer wichtig, durch Architektur eine Brücke zwischen der Funktion und dem Leben in der Stadt zu schlagen. Zum Beispiel durch die Sitzbank als Abgrenzung eines Schulhofs statt eines Zauns.

Ärgert es Sie eigentlich, dass Ihr Name so oft in Verbindung mit dem Glasdach in der Fuzo genannt wird?
Ach, was soll ich dazu sagen? Gute Architektur beweist sich selber. Die Identifikation ist genau das, was wir haben wollten. Der Austausch innerhalb einer Stadt braucht solche Orte. Unsere Aufgabe ist es nicht, Schlösser zu bauen sondern Alltag zu bauen. Ich habe keine Denkmale hier, aber die Stadt ist gut gerüstet für die nächste Etappe.

Kritik gab es ja auch an ihrem Wunsch, die Fußgängerzone zu überdachen.
Das habe ich nie gewollt! Es ging um Vordächer vor den Geschäften, um den Menschen das Bummeln auch im Regen zu erlauben. Leider ist nur ein Teilstück entstanden, zwischen WKS und Hugo-Bork-Platz. Das Problem ist, dass man in der Öffentlichkeit zu etwas gemacht wird, was man nicht ist. Man wir überhöht und interpretiert - dagegen kommt niemand an. Eine Stadt braucht auch, dass es Sachen gibt, an denen man sich reibt. In der Porschestraße haben wir viel gemacht. Aber man sieht dort auch, wo die Grenzen einer Kommune liegen. Privateigentümer müssen mitziehen.

Haben Sie selbst denn ein Lieblingsprojekt?
Viele sind mir wichtig gewesen. Bis man sie dann gut hingekriegt hat - wie der Platz vor dem Hotel am Bahnhof. Wir haben viel gemacht, von der Aufstellung des Flächennutzungsplans über den Bildungscampus und Fahrradwege bis hin zum Masterplan Wohnen und Bauen 2020.

Ich hätte ja nicht gedacht, dass Wolfsburg sie verliert, bevor das Bildungshaus fertig ist...
Ja, schade, das hätte ich gern realisiert. Dabei geht es nicht nur um gute Architektur, es ist vor allem ein wichtiges Projekt für die Integration, ein Ort, an dem man sich trifft - eine Stärkung des Südkopfes. Das schaffen wir nicht nur durch Einzelhandel. Es ist wichtig, in Zusammenhängen zu denken - bei jedem einzelnen Projekt. Was ich auch enorm wichtig finde, ist die Feuerwehr. Ihre Aufgaben haben sich geändert, jetzt brauchen sie dringend ein neues Domizil.

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