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Mohrs: Abgas-Manipulation war „Schweinerei“

Deutschlandfunk sendete live aus dem Kunstmuseum Mohrs: Abgas-Manipulation war „Schweinerei“

Wolfsburg und Volkswagen sind unzertrennlich miteinander verbunden. Doch wie wirkt sich die Krise beim Autobauer auf das Leben der Menschen in der Stadt aus? Dieser Frage ging der Radiosender Deutschlandfunk in einer Talk-Runde nach, die gestern live aus dem Kunstmuseum gesendet wurde.

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Talkrunde im Kunstmuseum: Der Deutschlandfunk fragte gestern „Wie geht die Stadt Wolfsburg mit dem Abgasskandal um?“

Quelle: Sebastian Bisch

Wolfsburg. Mit Moderator Jürgen Wiebicke diskutierten unter anderem Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD), IG-Metall-Chef Hartwig Erb und VW-Industrieseelsorger Dirk Wagner. Zur Einstimmung spielte der Deutschlandfunk einige Stimmen von VW-Mitarbeitern ein. Doch mit den Beschäftigten am Werkstor über die Abgas-Manipulationen ins Gespräch zu kommen, erwies sich für die Radiojournalistin vor Ort als gar nicht so einfach. Klaus Mohrs zeigte Verständnis und wehrte sich dagegen, die Beschäftigten unter Generalverdacht zu stellen: „Die Mitarbeiter wollen nicht in einen Topf geworfen werden.“

Sichtbare Zeichen für die VW-Krise gebe es in Wolfsburg bislang kaum, meinte Mohrs, schließlich habe die Stadt in guten Zeiten Geld zurücklegen können. „Ansonsten spüren sie es sicher eher bei den Menschen.“ Eine Belastung sei die Krise nicht nur für die Beschäftigten von VW und der Zulieferer, „die Unsicherheit ist auch bei dem Bäcker, bei dem Fleischer sichtbar“, so Mohrs. Industrieseelsorger Wagner berichtete: „Ich habe Ingenieure erlebt, die haben schlaflose Nächte.“ Wenn das gesamte Lebenswerk in Frage gestellt werde, „das macht einen Menschen schon fertig“.

An der Aufklärung des Diesel-Skandals habe VW offenbar wenig Interesse - das war der Eindruck etlicher Radiohörer, die während der Sendung ihre Eindrücke schildern konnten. Aus rechtlichen Gründen könne man leider nicht immer alles sagen, was man weiß, entgegnete Mohrs. Der Oberbürgermeister bezeichnete die Abgas-Manipulationen aber auch als „Schweinerei“. Aus Sicht von IG-Metall-Chef Erb muss VW die Aufklärung transparenter gestalten. „Das muss aufgeklärt werden, sonst wird es nichts mit der neuen Kultur.“

Der Unternehmensethiker Christoph Schlank bescheinigte VW - noch aus der Zeit unter Ex-Konzernchef Martin Winterkorn - ein „massives Kulturproblem“ mit „Kadavergehorsam“ und repressiven Strukturen. Erneut nahm Mohrs den Autobauer in Schutz: „Der Großteil der Mitarbeiter geht ohne Angst, dafür mit Freude und Stolz zur Arbeit.“

htz

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