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Missbrauchs-Verfahren zum Schutz des Opfers eingestellt

Amtsgericht Wolfsburg Missbrauchs-Verfahren zum Schutz des Opfers eingestellt

Das Amtsgericht hat ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen einen 57-jährigen Wolfsburger eingestellt – dem vermeintlichen Opfer sollte eine belastende Beweisaufnahme erspart bleiben.

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Prozess um sexuellen Missbrauch: Das Verfahren gegen einen 57-Jährigen wurde eingestellt.
 

Quelle: Archiv

Wolfsburg.  Die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern waren „gravierend“, stellte die Richterin zwar in ihrer Schlussbemerkung fest. Das Verfahren gegen einen 57-jährigen Wolfsburger, der ein heute 17 Jahre altes Mädchen über Jahre mehrfach missbraucht haben soll, wurde dennoch eingestellt. Das allerdings mit Zustimmung der 17-Jährigen – dem vermeintlichen Opfer sollte eine quälende Prozedur mit Aussage-Marathon und einem psychologischen Gutachten erspart bleiben.

Worum ging es? Der 57-Jährige und die Familie des Mädchens sind Nachbarn in Westhagen; die Kinder spielen zusammen, die Erwachsenen grillen. Erst im Alter von 15 Jahren offenbarte das vermeintliche Opfer gegenüber seiner Schwester, dass sie bereits seit Jahren vom Nachbarn mehrfach belästigt worden sei, erstmals im Alter von zwölf Jahren. Mal soll der Mann ihr den Oberkörper entblößt und ihre Brust geknetet haben, mal das Mädchen im Wasser auf seinen Schoß und den erigierten Penis gesetzt, mal ihr im Auto auf den Oberschenkel und an die Scheide gegriffen haben.

Alles erstunken und erlogen, ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger erklären. Weil der leibliche Vater Alkoholprobleme habe, sei er für die Nachbars-Mädchen zum Ersatzvater geworden; wenn überhaupt, habe das vermeintliche Opfer körperliche Nähe gesucht und sich an ihn „herangekuschelt“.

Objektive Zeugen gab’s nicht, Aussage stand gegen Aussage. Vor einer möglichen Verurteilung des Angeklagten hätte die 17-Jährige, ohnehin psychisch schwer belastet, womöglich einen Aussage-Marathon durch mehrere Distanzen sowie die Erstellung eines aussage-psychologischen Gutachtens über sich ergehen lassen müssen. Und so diente das überraschende Ende des Prozesses in erster Linie dem Schutz des Opfers: Das Verfahren gegen den 57-Jährigen wurde wegen „geringer Schuld“ eingestellt; als Auflage muss der Angeklagte 1000 Euro bezahlen oder 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Von Ulrich Franke

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