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Stadt Wolfsburg Mieter trauern: „Ich dachte, hier werde ich alt“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Mieter trauern: „Ich dachte, hier werde ich alt“
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23:00 04.11.2015
Abriss des Stufenhochhauses in Detmerode: Wehmut und Zorn bei Mietern der ersten Stunde. Quelle: Roland Hermstein

Dieser Zusammenhalt unter uns alten Mietern, das finden Sie heute nicht mehr“, blickt Günter Fischer auf 48 Jahre seines Lebens zurück. In der 70er und 80er Jahren wurden Nachbarschaftsfeste mit Bierzelten und Alleinunterhaltern gefeiert, ganze Fotoalben sind voll mit diesen Erinnerungen. „Wir sind gleich nach unserer Hochzeit hier eingezogen, die erste gemeinsame Wohnung“, erinnert sich Ehefrau Ingeborg (67). Nun muss man das erste Mal umziehen. „Dabei dachte ich, hier werde ich irgendwann mit den Füßen zuerst rausgetragen“, sagt Günter. Seine Zukunft will der 68-Jährige aber selbst in die Hand nehmen: „Ich habe mich schon in den neuen Wohnungen im Goethepark umgeschaut und bei VWI auf die Warteliste setzen lassen.“

Gemeinsam mit Ingeborg Fischer können Monika Sante (75) und Rosemarie Gerken (67) ein Lied von der guten Nachbarschaft in den Häuserblöcken erzählen. Einmal im Monat trifft sich das Damenkränzchen zum Kaffeetrinken, einmal zum Kartenspielen, früher kegelte man gemeinsam. „Ich habe diesen Kreis vor Jahrzehnten ins Leben gerufen, er besteht immer noch“, sagt Monika Sante. „Und jetzt dieser Schock.“ Ihrer Freundin Rosemarie stehen derweil fast die Tränen in den Augen: „Mit 19 Jahren bin ich hier eingezogen...“

Wehmut und Trauer auf der einen Seite, auf der anderen Seite sind manche Mieter auch mächtig sauer. So wie Helga Maziemke (75). „Noch Anfang des Jahres haben die meiner Tochter hier eine Wohnung vermietet. Das ist doch nicht richtig“, schimpft sie auf die Neuland. So schlimm sei es mit Schäden und Feuchtigkeit doch gar nicht in ihrem Zuhause: „Wir hatten mal eine feuchte Ecke im Wohnzimmer. Das hat mein Mann alles selbst repariert.“ Ihr Mann Horst (74) hatte die ganze Nacht nach der Schock-Nachricht kein Auge zugemacht: „Ich dachte immer, ich kann hier alt werden“, sagt er. Ehefrau Helga wird wohl die drei Balkone am meisten vermissen: „Da konnte man immer der Sonne nachlaufen, egal, wo sie war.“

Seit Dienstag aber liegt ein Schatten auf ihrer Zukunft. Und auf der aller Nachbarn.

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