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Stadt Wolfsburg Löwenflüsterer: Alexander Lacey lebt und reist mit 13 Raubkatzen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Löwenflüsterer: Alexander Lacey lebt und reist mit 13 Raubkatzen
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19:00 13.06.2018
Bewiesen: Bei Alexander Lacey geht es den Tieren gut, das zeigen auch Hormonmessungen und wissenschaftliche Studien. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Eine Tigerin erhebt sich von ihrem Schlafplatz, schlendert zum Gitter und schmiegt sich an den Laceys Finger, während er ihr das Fell krault und mit ihr redet. Es wirkt wie die schnurrende Begrüßung einer Hauskatze, doch der Eindruck ist trügerisch: „Wenn ein Fremder in ihr Gehege käme, würden sie ihn allemachen“, erklärt Lacey, „aber es ist eben ihr Revier, das würden sie auch mit fremden Artgenossen tun.“

Lacey jedoch kann sich gefahrlos nähern, er kennt seine Tiere von klein auf – und sie ihn. Je nachdem, was sie schon von alleine gern taten – springen oder sich zum Rangeln auf die Hinterbeine setzen – hat er ihnen einige Tricks beigebracht. Vorwürfe, er würde seine Tiere zwingen, kennt der Engländer zur Genüge. „Aber das ist lachhaft. Diese Tiere wiegen bis zu 500 Kilo: Wenn sie wollten, wäre ich sofort tot.“ In seiner Raubtiernummer in der Manege fletschen sie zwar die Zähne und knurren, doch das gehört zur Show – eine Tigerin greift ihn sogar an, allerdings auf Kommando. „Für die Raubkatzen gibt es nur Kampf oder Flucht, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Wenn sie nicht mitmachen wollten, würden sie nicht so ruhig dasitzen.“

Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter – Lacey kennt sie gut

Die sechs Löwen und sieben Tiger sind in Laceys Obhut aufgewachsen, er kennt sie wie Familienmitglieder. Eine Tigerin wahrt lieber Abstand zu Menschen und Artgenossen, Löwe King hingegen krabbelt ihm gern auf den Schoß – Lacey akzeptiert die verschiedenen Persönlichkeiten und achtet auf Stimmungen: „Wenn einer keine Lust hat, lasse ich ihn in Ruhe – auch bei den Vorstellungen, dann trete ich mit weniger Tieren auf.“ Tatsache: Bei der Premiere sind nur elf der Katzen in der Manege.

„Es gibt in der freien Wildbahn keinen Platz mehr für diese Tiere“

Lacey Familie hat in den vergangenen 50 Jahren 500 Großkatzen aufgezogen. Indem sie immer wieder neue Blutlinien in die Zucht eingeflochten haben, könnten sie heute mit ihrem eigenen Bestand 50 Jahre weiterzüchten, ohne Inzucht zu riskieren. „Es gibt in der freien Wildbahn keinen Platz mehr für diese Tiere“, so Lacey. Das sei traurig, aber nicht von der Hand zu weisen. „Wenn wir die Arten erhalten wollen, dann eben in menschlicher Obhut. Tierschützer sollten eher gute Zoos und Zirkusse unterstützen.“

Die Wissenschaft gibt dem Tiertrainer Recht

In seiner Heimat England hat die Wissenschaftlerin Dr. Marthe Kiley-Worthington schon vor 30 Jahren in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass Zirkusse nicht per se Qualen oder Stress für die Tiere bedeuten. Ein guter Zirkus sei sogar anregend für die Tiere. Das unterstützt auch der deutsche Verhaltensforscher Dr. Immanuel Birmelin, der auch die Löwen der Lacey-Familie schon untersucht hat: „Messungen des Stresshormons Cortisol bei Löwen in der Obhut der Laceys und denen in der freien Wildbahn haben gezeigt: Die Tiere fühlen sich überall gleich wohl.“

Tierforscherin Dr. Marthe Kiley-Worthington über Zirkustiere:

Das liege auch daran, dass die Tiere Bindungen zu ihren Bezugspersonen aufbauten: „Es ist ein Fakt, den Tierschützer oft mit Füßen treten“, beklagt Birmelin. „Die Tiere sind unglaublich flexibel. Und wir Menschen sind als empathiefähige Art dazu prädestiniert, Bindungen zu anderen Lebewesen einzugehen. Für Tiere sind wir – solange wir nicht böse sind – interessant, denn wir können ihnen viel bieten.“ Gerade bei Lacey sehe man, wie sehr die Tiere vom Menschenkontakt profitieren.

Von Frederike Müller

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