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Stadt Wolfsburg „Literatur verhindert sowas nicht“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Literatur verhindert sowas nicht“
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15:37 08.03.2018
„Ikarien“ zeigt, wie dramatisch Idealismus fehlschlagen kann. Autor Uwe Timm kam mit den Wolfsburgern darüber ins Gespräch. Quelle: Sebastian Bisch
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Stadtmitte

Drei Hauptfiguren hat der Roman – eine davon ist tot: Alfred Ploetz, der Begründer von Rassenhygiene. 1945 soll der amerikanische Offizier Michael Hansen herausfinden, welche Rolle Ploetz für den Rassismus der Nazis gespielt hat. Er wendet sich an einen alten Freund des Rassenhygienikers – und hört die Geschichte aus einer ganz anderen Perspektive.

Eigene Familiengeschichte

So geht Timm in „Ikarien“ der Frage nach, wie der idealistische Medizinstudent Ploetz den Grundstein für die schlimmsten Nazi-Verbrechen legen konnte. Alfred Ploetz gab es wirklich, er war der Großvater von Uwe Timms Ehefrau. Doch auch von den anderen Figuren sprach Timm, als habe er sie kennengelernt und nicht selbst erfunden. Sein unaufdringlicher Umgang mit dem geschichtlichen Stoff und dem eigenen Text machte den Abend besonders angenehm.

Doch auch um aktuelle Entwicklungen ging es im anschließenden Gespräch mit dem Publikum – die Genetikforschung sei seit dem Dritten Reich schließlich fortgeschritten, alleine die pränatale Diagnostik biete Möglichkeiten, von denen die Eugeniker damals nur träumen konnten. Und auch heute sei die stetige Verbesserung des Menschen ein Aktuelles und gefährliches Thema: „Wenn man die Leute im Silicon Valley über Transhumanismus reden hört, denkt man doch: ,Oh Gott, das ist ja Ploetz!’“, so Timm.

„Ich durfte nicht mehr ,Heil Hitler’ sagen“

Mit dem Kriegsende beschäftigte sich Timm schon in seinem berühmtesten Roman, „Die Entdeckung der Currywurst“. Der Umbruch prägte seine Kindheit, fünf Jahre war er damals alt: „Die Erwachsenen veränderten sich, hatten Angst. Ich durfte nicht mehr ,Heil Hitler’ sagen, wie man es mir beigebracht hatte“, erzählte er bei der Lesung.

Wie er die Zukunft der deutschen Erinnerungskultur sehe?, wollte eine Zuhörerin in der vollen Aula des Ratsgymnasiums wissen. „Da ist viel getan“, so Timm. Die deutsche Nachkriegsliteratur habe sich immer wieder intensiv mit der NS-Zeit auseinandergesetzt. Andererseits hätten auch die schlimmsten Verbrecher des NS-Regimes Goethe gelesen – und sogar Hölderlin. „Literatur verhindert solche Dinge nicht.“

Von Frederike Müller

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