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Stadt Wolfsburg Land weist Wolfsburg 498 neue Geflüchtete zu
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Land weist Wolfsburg 498 neue Geflüchtete zu
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20:34 31.08.2018
Wohnanlage Hageberg: Trotz neuer Flüchtlinge soll sie nicht als betreute Unterkunft genutzt werden. Hier sollen Sozialwohnungen ausgewiesen werden. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Jetzt also doch: Das Land Niedersachsen fordert die Stadt Wolfsburg auf, die Ende 2016 festgelegte Quote für die Aufnahme von Flüchtlingen zu erfüllen und 498 Menschen aufzunehmen. Damit laufen nicht nur die bestehenden Unterkünfte wieder voll, möglicherweise müssen neue Betreiber für ausgemusterte Häuser gesucht werden. Im Gespräch sind der Heinrichswinkel in Vorsfelde und eventuell eines der alten Gebäude in der Hafenstraße.

Freie Kapazitäten

Erst einmal sollen freie Plätze besetzt werden, die sowieso Kosten verursachen – insgesamt 375. So ist die größte Anlage in der Dieselstraße (Rohwiesen, 315 Plätze) gut zur Hälfte belegt und der Abbau der Container in Detmerode (240 Plätze, 57 belegt) ist vom Tisch. Fast ausgelastet sind Suhler Straße in Westhagen (147 Plätze, 47 frei) und die neuen Häuser in Fallersleben (100 Plätze, 13 frei). Im Heinrichswinkel gibt es 90 Plätze, die laut Rechnung der Stadt im dritten Quartal 2019 voll belegt sein dürften, falls die Prognosen stimmen.

Viele stammen aus Afrika

Demnach werden ab sofort pro Woche zehn bis 15 Personen aus Erstaufnahmelagern erwartet. 50 kamen schon im Laufe des August. „Einige stammen aus Irak und Syrien, viele Alleinreisende aus afrikanischen Ländern. Sie haben keine guten Aussichten, eine Anerkennung zu bekommen“, sagt Sozialdezernentin Monika Müller. Anträge auf Familien-Nachzug wurden laut Verwaltung von den bereits hier Lebenden übrigens nicht gestellt.

Heinenkamp und Hageberg sind raus

Die Unterbringung soll dezentral erfolgen, um Konflikte nicht zu schüren – unter anderem deshalb komme die Notunterkunft im Heinenkamp (400 Plätze) nicht in Frage, so lange es Alternativen gibt, so Müller. Eine sei, den Brandschutz in den alten Häusern der Hafenstraße zu ertüchtigen. Die fertige Wohnanlage am Hageberg soll auch nicht zur betreuten Unterkunft werden. Die dortigen Sozialwohnungen könnten höchstens zum Teil an bereits anerkannte Asylbewerber-Familien gehen, so Müller. Verstärkt würden weiter Wohnungen für alle mit Bleiberecht gesucht.

Geld gibt’s vom Land – aber nicht genug

Wie viel Geld Baumaßnahmen und Betriebs-Verträge kosten, wird noch errechnet. Vom Land gibt’s 14.000 Euro pro Jahr und Flüchtling. „Das wird erfahrungsgemäß nicht reichen“, so Müller. Sie hofft weiter auf Hilfe von Ehrenamtlichen und auf Verständnis aller: „Aber so naiv bin ich nicht, dass ich nicht weiß, dass sich meist jeder erst einmal selbst der Nächste ist.“

Reaktion von Politik und Unterstützerkreisen

Dass neue Geflüchtete nach Wolfsburg kommen, darauf waren die Unterstützungskreise in Fallersleben und Vorsfelde schon gefasst. Die Politiker aber nur bedingt. Der Plan, die alten Hafenstraßen-Gebäude zu reaktivieren, stößt bei beiden auf Kritik.

Stimmen aus Fallersleben

Bärbel Weist (PUG), Ortsbürgermeisterin von Fallersleben, ist sauer: „Ich fühle mich betrogen. Man hat uns zugesichert, dass die alten Gebäude abgerissen werden. Wenn sie zusätzlich wieder in Betrieb gehen, bedeutet das eine Verdoppelung der Bewohnerzahl“, sagt sie.

Das würde auch Günther Schütte vom Unterstützerkreis gar nicht gefallen. Er plädiert für kleinere Einheiten und rechnet zum Beispiel in der Dieselstraße mit Konflikten zwischen Bewohnern verschiedener Kulturen. Dass Wolfsburgs Bürger auf die Barrikaden gehen wie die Chemnitzer, kann er sich nicht vorstellen: „In Sachsen nutzen organisierte Rechtsradikale den Missmut der Menschen. Das sehe ich hier nicht.“

Stimmen aus Vorsfelde

Zur Gruppe der Vorsfelder Unterstützer gehören noch etwa 30, die sich immer mittwochs zur Planung von Aktionen mit Familien treffen, die mittlerweile in eigenen Wohnungen leben. Ob und was jetzt an weiteren Aufgaben auf sie zukomme, wollten sie erst einmal abwarten, sagt Sprecherin Beate Stecher. „Wir können aber immer weitere Helfer gebrauchen“, sagt sie.

Vorsfeldes Ortsbürgermeister Günter Lach (CDU) kann verstehen, dass der Heinrichswinkel als Unterkunft wieder in den Fokus rückt. Er hätte sich aber gewünscht, dass der Ortsrat in nichtöffentlicher Sitzung vorgewarnt worden wäre. Und: „Ich erwarte von der Stadt Hilfe für die Integration. Man darf die Helfer nicht überfordern.“

Von Andrea Müller-Kudelka

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