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Kundin (80) darf nicht auf die Toilette

Schlechter Service in einem Wolfsburger Geschäft Kundin (80) darf nicht auf die Toilette

Die Blase drückt ganz plötzlich, aber der Mitarbeiter in einem Geschäft sagt: „Sorry, bei uns geht’s nicht.“ So ist es einer Wolfsburgerin passiert, und sie ist stinksauer. Aber: Haben Kunden eigentlich ein Recht auf die Nutzung von Toiletten in Läden?

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Nichts zu machen: Gisela Behrens wurde in einem Geschäft verweigert, die dortige Toilette zu benutzen.
 

Quelle: Britta Schulze

Wolfsburg.  Die Sache hätte buchstäblich in die Hose gehen können. Kundin Gisela Behrens hatte gerade ihren Einkauf in einem Wolfsburger Geschäft beendet, als sich bei der 80-Jährigen ein kleines Geschäft ankündigte. Doch ihre Bitte, die Toilette benutzen zu dürfen, wurde überraschend abgelehnt: Das gehe nicht. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, ärgert sich die völlig verdutzte Rentnerin. Und damit steht sie nicht allein.

Die 80-Jährige war in einem Fachgeschäft, als sich ein gewisser Druck bemerkbar machte. „Ich nehme Wassertabletten, manchmal muss es dann schnell gehen“, schilderte die rüstige Seniorin nicht nur der WAZ, sondern auch dem jungen Verkäufer. Der aber zuckte mit den Schultern: Sorry, aber eine Nutzung der Toiletten durch Kunden habe der Chef verboten. Gisela Behrens erreichte gerade noch rechtzeitig eine benachbarte Arztpraxis, an ihrer Verärgerung ändert das nichts. „Das kann es doch nicht sein. Sind nicht alle Geschäfte verpflichtet, Toiletten vorzuhalten?“

Kundentoiletten nicht vorgeschrieben

Sie sind es tatsächlich nicht, widerlegt Einzelhandelschef Matthias Lange einen weit verbreiteten Irrglauben: „Gastronomie selbstverständlich, aber nicht jedes Geschäft.“ Große Kaufhäuser böten diese Service-Leistung meist an. Dass das auch zu Ärgernissen führen kann, hat Lange in seinem eigenen Kaufhaus WKS oft genug erlebt: „Mit der Hygiene oder auch bestimmten Benutzergruppen kann es da Probleme geben.“ Folge: WKS schildert zwar nicht aktiv Kunden-WCs aus, lasse deren Benutzung aber auf Nachfrage selbstverständlich zu: „Und erst Recht natürlich bei Senioren oder Kindern.“ Das Verhalten des kritisierten Geschäfts kann auch der Einzelhandelschef absolut nicht nachvollziehen: „Dort hat man jedwedes Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Da wollte ja schließlich keine Horde Halbwüchsiger die Toilette stürmen.“

Rathaus „eher großzügig“

Der Gesetzgeber schreibt für „Verkaufsstätten“ bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche keine Kundentoiletten vor, darüber hinaus gestaffelt je nach Größe. Überraschung: Selbst für öffentliche Gebäude wie das Rathaus seien öffentliche Toiletten nicht vorgeschrieben, sagt Stadt-Sprecher Ralf Schmidt. Dennoch halte die Stadt in ihren Gebäuden „genügend“ vor: „Die Stadt Wolfsburg ist da eher großzügig.“

Von Ulrich Franke

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