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Klinikums-Chef: „Prozesse ständig verbessern“

WAZ-Interview mit Wilken Köster Klinikums-Chef: „Prozesse ständig verbessern“

Wilken Köster ist seit 1. März 2001 Direktor des Klinikums Wolfsburg. Mit der WAZ sprach der 56-jährige Diplom-Kaufmann über strukturelle Neuausrichtungen des Hauses in den vergangenen Jahren, den Neubau der Kinder- und Jugendklinik und Fallpauschalen.

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Wolfsburg. Herr Köster, die Gesundheit gilt als das höchste Gut des Menschen. Kann ich als Patient dem Klinikum Wolfsburg vertrauen?

Ja, das können Sie. Wir setzen bei allen Fachrichtungen auf eine hochwertige medizinische Versorgung und sind mit insgesamt 20 einzelnen Kliniken breit aufgestellt. Gerade in den vergangenen Jahren gab es die Einrichtung zahlreicher neuer Schwerpunkte. Dazu zählen die Bildung von Zentren im onkologischen Bereich, Erweiterung der Kardiologie um Rhythmologie, die Aufsplittung der Chirurgie in allgemeine und Gefäßchirurgie, der Aufbau der Neurologie mit Schlaganfallbehandlung, die Etablierung der Sportmedizin und die Schaffung der Geriatrie. Dadurch bieten wir den Bürgern ein großes Leistungsspektrum an. Ein weiteres Qualitätsmerkmal: Die Deutsche Krebsgesellschaft hat das Gynäkologie-, Brust- sowie das Prostata- und Darm-Zentrum zertifiziert.

Wie viele Patienten werden jährlich im Klinikum Wolfsburg behandelt?

Im vergangenen Jahr wurden 32.600 Personen stationär und circa 40.000 ambulant behandelt.

In welchem Bereich sind die Behandlungszahlen am höchsten?

In der Inneren Medizin sind die Behandlungszahlen besonders hoch. Das gilt zum Beispiel für die Kardiologie und die Onkologie. Dabei gilt es aber zu beachten, dass die innere Medizin ein sehr breites Feld ist, das sich in der jüngeren Vergangenheit immer weiter aufgefächert hat. Auch wenn sich viele Erkrankungen inzwischen ambulant behandeln lassen, so ist dies etwa bei einem Herzinfarkt nicht möglich. Ein wichtiger Fortschritt ist die bevorstehende Erneuerung des großen Herzkatheterplatzes im Herzkatheterlabor.

Insgesamt 20 Kliniken wie Anästhesie, Neurologie und Strahlenmedizin versprechen medizinische Versorgung auf höchstem Niveau für die Menschen in Wolfsburg und der Region. Gibt es einen Fachbereich, auf den Sie besonders stolz sind und um den andere das Wolfsburger Klinikum beneiden können?

Ich möchte jetzt keinen Bereich besonders hervorheben. Wichtig ist, dass wir praktisch alle medizinisch relevanten Fachrichtungen auf dem Klieversberg versammelt haben und die Wege kurz sind. Wesentlich für das Wolfsburger Klinikum ist seine interdisziplinäre Ausrichtung. So kommen beispielsweise wöchentlich die Chefärzte aus sämtlichen Abteilungen zu einer Besprechung zusammen.

Welchen zusätzliche Fachrichtung würden Sie sich als die 21. wünschen?

Das wäre der Bereich Neurochirurgie. Die Disziplin behandelt auch Tumore im Kopf. Allerdings ist eine mögliche Einrichtung derzeit nicht durch den Niedersächsischen Krankenhausplan abgedeckt.

Wie steht es um die Belegung des Klinikums Wolfsburg?

Das Klinikum Wolfsburg hat insgesamt 547 Betten. Das Land Niedersachsen geht davon aus, dass bei den erwachsenen Patienten 85 und bei Kindern und Jugendlichen 80 Prozent im Durchschnitt belegt sind. In Zeiten mit vielen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise während der Grippewelle, kann die Auslastung auch bei über 90 Prozent liegen. Auch kann es zuweilen Tage mit Vollbelegung geben.

Gerade entsteht die neue Kinder- und Jugendklinik. Wie ist die neue Einrichtung aufgebaut und welche Möglichkeiten bietet diese für die jungen Patienten?

Der Bau ist modern und richtet sich nach den Erfordernissen der Zeit. In einem 3910 Quadratmeter großen Komplex entsteht die Somatik, in unmittelbarer Nähe die Psychosomatik auf einer Fläche von 1611 Quadratmetern. Wichtig ist auch die gute Unterbringung von Müttern und Vätern, die ihre Kinder begleiten. Künftig wird die Kinderintensivstation direkt neben dem Kreißsaal liegen. Durch den Neubau entstehen in der Intensivmedizin neue Möglichkeiten, die medizinische Diagnostik und Behandlung miteinander zu vernetzen.

Liegt der Bau im Kosten- und Zeitplan? Wann ist mit einer Eröffnung zu rechnen?

Die veranschlagten Kosten für den Neubau liegen bei 26,5 Millionen Euro. 19,5 Millionen Euro trägt die Stadt Wolfsburg, die übrigen sieben Millionen Euro kommen vom Land Niedersachsen. Derzeit arbeiten wir an einer Zusammenstellung der laufenden Kosten für die nächste Sitzung des Klinikumsausschusses. Der Bereich Psychosomatik wird über 16 Betten verfügen, die Eröffnung ist für diesen September geplant. In der Somatik sollen 63 Betten entstehen, Fertigstellung voraussichtlich im August 2018.

Was geschieht mit dem alten Gebäude der Kinderklinik?

Die AWO Königslutter plant, in dem Gebäude gemeinsam mit der Stadt ein Zentrum für seelische Gesundheit einzurichten.

Bringt so eine Großbaustelle auf dem Klinikgelände auch Einschränkungen mit sich?

Für Patienten, Besucher und Mitarbeiter entsteht vor allem eine erhöhte Lärmbelastung, für die wir alle um Verständnis bitten. Allerdings können wir nur durch solche Neubauten eine hochwertige medizinische Versorgung für die Bevölkerung anbieten.

Stichwort Einschränkungen: Die Parkplatzsuche auf dem Klinikgelände gleicht seit Jahren einem Geduldsspiel. Im kommenden Jahr soll nun eine neue Parkpalette gebaut werden. Findet die Parkplatznot damit ein Ende? 

Derzeit prüfen wir, ob sich der Bau einer neuen Parkpalette am Hochring durch die späteren Einnahmen von Parkgebühren refinanzieren lässt. Vorstellbar sind 375 Parkplätze auf drei Ebenen.

Interview: Jörn Graue

Das komplette Interview lesen Sie in der gedruckten WAZ

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