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Klaus Mohrs: „Ich bekomme regelmäßig Arbeitsaufträge auf dem Wochenmarkt“

WAZ-Interview Klaus Mohrs: „Ich bekomme regelmäßig Arbeitsaufträge auf dem Wochenmarkt“

Am 1. Januar 2012 löste Klaus Mohrs (SPD) Rolf Schnellecke (CDU) als Wolfsburger Oberbürgermeister ab. Genau ein Drittel seiner achtjährigen Amtszeit im Rathaus ist jetzt um. Im Interview mit WAZ-Redakteur Kevin Nobs spricht der 62-jährige gebürtige Mönchengladbacher über die Folgen des Jobs für sein Privatleben, Ziele für die Stadt in den nächsten Jahren und Radfahren ohne Helm.

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Klaus Mohrs im Interview: „Ich will die Bürger noch mehr einbeziehen.“

Quelle: Photowerk (mv)

WAZ: Herr Mohrs, welche Auswirkung hat Ihr Job als Oberbürgermeister auf das Privatleben?

Mohrs: Die Situation hat sich sehr verändert, man wird kaum noch als Privatperson gesehen. Wenn ich einmal auf den Wochenmarkt gehe, bekomme ich regelmäßig Arbeitsaufträge mit, oft auch lobende Worte und gute Hinweise.

WAZ: Also gehen Sie jetzt immer mit Block einkaufen?

Mohrs: Ja, ich habe immer etwas zu schreiben dabei.

WAZ: Jetzt ist ein Drittel Ihrer Amtszeit rum. Eigentlich ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz, andererseits ist auch viel passiert.

Mohrs: Das Thema Wohnen zum Beispiel hatte im Wahlkampf noch fast gar keine Rolle gespielt. Wir hatten alle gedacht, dass wir mit den Baugebieten in den letzten Jahren ausreichend Vorsorge getroffen haben. Aber durch die positive Entwicklung bei VW kam das Thema Wohnungsnot sehr schnell hoch. Darum kümmern wir uns nun sehr intensiv. Damit verbunden das Thema ÖPNV, eine eigene Verkehrstrasse für neue verkehrliche Situationen...

WAZ: Viele Ideen stoßen schnell auf Kritik, etwa der mögliche Ausbau der Dieselstraße. Kann man die Menschen überhaupt bei allen Maßnahmen mitnehmen?

Mohrs: Ich habe gelernt, wie wichtig das ist! Deswegen gibt es die Online-Sprechstunde oder die Veranstaltungsreihe „Mit-Mohrs-Reden“. Aber alle wird man nie überzeugen können. An der Dieselstraße sind die Anwohner von einem Umbau direkter betroffen als an der Reislinger Straße. Da gibt es Menschen, die nicht begeistert sind. Die Diskussion in Reislingen (über Verkehr und Baugebiete, Anm. d. Red.) war die emotionalste bisher. Aber ich freue mich, wenn die Leute hinterher sagen: Ich sehe es vielleicht nicht so wie Sie, aber es war gut, dass Sie hier waren und sich den Gesprächen stellen.

WAZ: Auch die umstrittene Jagd auf Graugänse an Wolfsburger Teichen ist ein emotionales Thema. Ein Tierschützer hat deswegen sogar Ihren Rücktritt gefordert.

Mohrs: Fakt ist, dass sich diesen Sommer deutlich mehr Menschen über Graugänse beschwert haben, alte Menschen, die am Schillerteich spazieren, und auch Familien, die den Allersee gerne nutzen. Es geht doch nicht darum, dass wir etwas gegen Graugänse haben - so ein Unsinn! Sie sollen nur nicht die Naherholung verhindern, die die Menschen in Wolfsburg brauchen. Eine Sondersitzung wird es dazu nicht geben, aber das Thema wird sicher im Rat oder auch im Bürgerdienste-Ausschuss besprochen werden.

WAZ: In den Augen vieler Wolfsburger führt die Fachhochschule in Wolfsburg ein Schattendasein. Was kann die Stadt für die fast 4000 Studenten tun?

Mohrs: Ich glaube, dass wir schon jetzt viel tun, es wird demnächst ja auch das neue Wohnheim geben. Und es ist der Wunsch von mir und Frau Thomas (Stadtbaurätin Monika Thomas, Anm. d. Red.), rund um FH und Hallenbad eine junge Szene zu entwickeln.

WAZ: Was sind für Sie wichtige Erfolge Ihrer bisherigen Amtszeit?

Mohrs: Der Ausbau der Kindergärten und der Schulen. Auch in der Qualität. Vielleicht ist die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch ein Grund, dass wir wieder eine wachsende Geburtenzahl in der Stadt haben.

WAZ: Und wie geht es in den nächsten Jahren weiter?

Mohrs: Ich will die Bürger noch mehr einbeziehen. Die Bereitschaft sich zu engagieren, hat nachgelassen. Viele denken sich: Volkswagen oder Stadt - einer wird‘s schon richten. Mir ist Bürgerbeteiligung wichtig, dann wird auch die Eigenverantwortlichkeit wieder zunehmen. Wir müssen auch etwas tun, um es den Ehrenamtlichen leichter zu machen. Das ist der Kit, der die Stadt zusammenhält. Und die Region: Möglichst bis 2016 möchte ich eine Lösung finden. Ich bin da für alle Seiten offen. Minimales Ziel müsste die Eingemeindung von Nachbargemeinden sein, im Interesse der Menschen dort und unserer Stadt. Außerdem möchte ich das Klinikum endgültig in ruhiges Fahrwasser bringen.

WAZ: Viele Ziele für den Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Haben Sie bei Arbeit und Privatem einen guten Rhythmus für sich gefunden?

Mohrs: Der Job ist schon ein stärkerer Einschnitt ins Privatleben als ich gedacht hätte. Es ist schwer, Freundschaften zu pflegen. Man muss sehr diszipliniert sein mit der Zeit, die einem nach der Arbeit bleibt. Ich habe mir vorgenommen, einmal im Monat ein einigermaßen freies Wochenende zu haben. Auch mal Zeit für meine Frau, Kinder und Enkel.

WAZ: Sie hatten mal gesagt, dass Sie auch als Oberbürgermeister weiter aus Velstove mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wollen. Machen Sie das?

Mohrs: Ja, dieses Jahr bin ich schon 3000 Kilometer gefahren. Ich brauche das auch als positiven Ausgleich. Man kann beim Radfahren seine Gedanken schweifen lassen - und es ist eine sehr schöne Strecke. Allerdings hatte ich neulich mal meinen Helm vergessen und bin dann ohne gefahren. Da haben mich gleich ein paar Kinder erwischt und mir gesagt, dass ich so kein gutes Vorbild bin!

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