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Stadt Wolfsburg Jean-Michel Gaussot liest gegen das Vergessen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Jean-Michel Gaussot liest gegen das Vergessen
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00:25 08.04.2018
„Wir müssen immer wieder erklären, was passiert ist“: Jean-Michel Gaussot erinnert an seinen Vater, gequält im KZ auf dem Laagberg. Quelle: Gero Gerewitz
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Wolfsburg

Der Vater von Jean-Michel Gaussot hieß auch Jean. Er war ein sensibles Kind. Wurde Jurist und von der Gestapo verhaftet. Arbeitete und hungerte im KZ auf dem Laagberg. Starb, bevor sein Sohn geboren wurde. Dieser Sohn erzählt jetzt in Wolfsburg von ihm.

Jean-Michel Gaussot: Bei der Lesung im Haus der Jugend zeigte er auch ein Foto seines Vaters. Er ließ ihn für sich selbst und die Zuhörer durch sein Buch wieder lebendig werden. Quelle: Andrea Müller-Kudelka

„Wir müssen immer wieder erklären, was in der Vergangenheit passiert ist, damit es nicht wieder passiert“, betont der heute 75-jährige ehemalige französische Diplomat. Wut auf das Volk der Deutschen habe er nicht, sagt er im Pressegespräch vor seiner Lesung im Haus der Jugend am Donnerstagabend. Wut auf die Nazis schon. Und auf die, die deren Taten verharmlosen oder nicht darüber reden wollen. Als „besorgniserregend“ bezeichnet er die politische Entwicklung – in ganz Europa.

Auf Spurensuche

Mit 13 hatte der vaterlose Franzose beschlossen, Deutsch zu lernen. Seine Mutter sei erst empört gewesen, erzählt er. Doch so konnte er sich auf Spurensuche machen in dem Land, in dem sein Vater starb. Und in der Stadt, in der er gelitten hat – in Wolfsburg, auf dem Laagberg. Hier musste der Vater Gaussots laut Berichten von Leidensgenossen bei Minustemperaturen im gestreiften Leinen Straßen bauen. Als er einmal die dünne Suppe verschüttete, gab’s Schläge. Als er und seine Landsleute den Hut vor einem enthaupteten Leichnam zogen, auch.

„Es wird gut sein, dort eine Gedenkstätte zu haben“, sagt Jean-Michel Gaussot. Er wünscht sich, dass Briefe und Audio- oder Videoaufnahmen von Überlebenden Platz finden. „Fotos gibt es ja kaum“, bedauert er. Und selbst die 2017 entdeckten Baracken-Fundemante bröckeln.

Ein Foto der SS: Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme heben den Stichkanal vom Klinkerwerk zur Dove-Elbe aus. Quelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Eine Wolfsburg-Chronik brachte Bürgermeister Ingolf Viereck dem Gast mit, der zusammen mit Historikerin Christine Eckel (Amicale Internationale KZ Neuengamme) gekommen war. „Wir sind uns bewusst, dass ihre Geschichte ein Teil unserer ist“, sagte Viereck. 2016 hatte Jean-Michel Gaussot das Buch über seinen Vater veröffentlicht, aus dem auch am Freitag, 6. April, vorliest: ab 10 Uhr im Kinopalast Delphin. Interessierte Gäste sind dort selbst spontan gern gesehen.

Von Andrea Müller-Kudelka

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