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Stadt Wolfsburg Ingo Appelt: „Ich bin sexistisch, aber ich habe einen feministischen Sexismus“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Ingo Appelt: „Ich bin sexistisch, aber ich habe einen feministischen Sexismus“
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12:00 25.08.2018
„Besser...ist besser“: Ingo Appelt steht am 31. August mit seinem Live-Programm im Delphin-Palast in Wolfsburg auf der Bühne. Quelle: Felix Rachor
Wolfsburg

Der Mann mit den teuflischen Augenbrauen und den noch böseren Witzen kommt nach Wolfsburg: Am Freitag, 31. August, um 20 Uhr tritt Ingo Appelt im Delphin-Palast auf. Mit der WAZ hat er schon vorher über sein Programm gesprochen – und über Erziehungsprobleme, Hassmails und feministischen Sexismus.

Herr Appelt, Sie und Wolfsburg sind alte Bekannte, richtig?

Ja, in Wolfsburg war ich früher öfter, auch wegen VW. Ich war quasi Multifunktionär: In der Gewerkschaft, der SPD und der DGB. Wenn dich die Politik einmal am Hacken hat, kommst du nicht mehr raus (lacht). 

Aber Sie sind ja rausgekommen und machen jetzt Comedy – oder ist es eher Kabarett? 

In Amerika oder England gibt es diese Unterscheidung gar nicht. Ich bin schon politisch engagiert, aber ich würde es eher zur Stand-Up-Comedy zählen. Beim Kabarett geht es ja eher nur um das Wort und es ist ein bisschen belehrend, mutet manchmal von oben herab an. Mir geht es eher um das Miteinander – ich bin nicht besser als „die da unten“, nur weil ich oben auf der Bühne stehe. 

Wie viel improvisieren Sie dabei?

Es gibt zwar auch bewährte Witze in meinem Programm, aber ich möchte vor allem ein Live-Erlebnis haben und keinen auswendig gelernten Text. Das ist wie beim Kochen, da gucke ich in den Kühlschrank, schaue: „Was ist da, was muss weg?“ Manchmal haue ich einfach raus, worüber ich gerade reden will, auch mal was mich ärgert. Das ist dann auch ein bisschen ein Ventil (lacht).

Und dabei geht es dann auch um „Männerverbesserung“, wie es in Ihrem Programm heißt?

Ja, das spielt natürlich auch eine Rolle. Schon weil ich selbst ein Mann bin. Man hadert ja immer mit seiner Rolle. Man weiß ja gar nicht: „Wie soll man denn jetzt eigentlich sein?“ Da hat sich in den letzten 30 Jahren viel getan. Und im Moment gibt es so ein Macho-Flashback: Erdogan, Trump, oder auch Seehofer, Söder - was ist denn mit den Männern los? Es ist wie in der Schule: Wenn sie nicht beachtet werden, werden sie unverschämt. Und dann brechen sie ständig Kriege und Streitigkeiten vom Zaun.

Auf der Bühne geben Sie sich aber auch gern mal sexistisch – sind Sie zu Hause auch so?

Ich bin sexistisch, aber ich habe einen feministischen Sexismus. Klar kriegen die Frauen auch ihr Fett weg. Aber das Schlimme ist ja, dass jeder Mistkerl, der rumläuft, irgendwo noch eine Frau findet die sagt: „Find ich gut.“ Frauen müssen endlich aufhören, Männer, die sich daneben benehmen, toll zu finden.

Ist es nicht das Selbstbewusstsein, das Frauen toll finden? Und davon haben leider gerade die Machos besonders viel – oder zumindest stellen sie es zur Schau.

Ja, das ist genau der Fehler, wir missinterpretieren das oft. Männer, die sich daneben benehmen, sind oftmals gar nicht selbstbewusst, sondern einfach nur Mistkerle. Vielen Männern würde es schon guttun, auch mal zurückzustecken und sich zum Beispiel um die Kinder zu kümmern – da wird man sofort achtsamer mit seiner Umwelt. Das habe ich auch selber gelernt: Ich habe drei Kinder.

Fällt Ihnen die Vaterrolle auch mal schwer?

Wir sind ja die erste Vätergeneration, die sich überhaupt so intensiv um die Kinder kümmert. Und dann reden die gar nicht mehr mit einem, weil sie die ganze Zeit an den Daddelgeräten hängen. Die Digitalisierung der Kommunikation ist ein Kulturwandel, und ich bin halt schon 50, ich bin anders groß geworden. Deswegen ist uns das noch fremd und das schürt natürlich Ängste, weil man nicht weiß: „Was macht der da gerade?“

Apropos neue Medien: Ihr letztes WAZ-Interview war 1999, da erzählten Sie, dass Sie schon ab und an böse Briefe bekommen. Heute haben sie über 40.000 Follower auf Facebook – mussten Sie schon mal einen Shitstorm über sich ergehen lassen?

Ich habe irgendwann aufgegeben, mich darum zu kümmern. Gerade wenn man mal bei Maischberger oder Lanz sitzt und irgendwas Politisches sagt, da bekommt man sofort 300.000 Hassmails. Und das sind Leute, die würden dir auf der Straße die Hand geben, oder nach einem Autogramm fragen. Aber im Internet wird gehetzt und gemault.

Was, meinen Sie, kann man dagegen unternehmen?

Irgendwann werden wir die Technologie haben, die von alleine Kommentare überwachen und löschen, wenn sie unter die Gürtellinie gehen. Im Moment gibt es noch nicht die Algorithmen dafür, aber das ändert sich, spätestens wenn die Politik mal anfängt, das ernstzunehmen – das tut sie im Moment noch nicht. Noch erleben wir, dass Leute mit der gewonnenen Freiheit noch nicht umgehen können. Das ist ja auch ein Lernprozess. Ich bin gespannt, wie es in zehn Jahren aussieht.

Sind sie eigentlich inzwischen anständiger geworden? Sie haben mal versprochen, Sie benutzen das f-Wort nicht mehr …

Das war gelogen (lacht). Ich spiele ja auch mit dem Klischee und meinem Bad-Boy-Image. Aber das ändert sich auch, wenn man die Zielgruppe verschiebt. Ich habe irgendwann angefangen, mich zu fragen: „Was wollen die Frauen hören, worüber lachen sie?“ Bei Comedyveranstaltungen geht der erste Schnitt nach einem Gag immer auf eine Frau. Wenn die lacht, ist alles gut.

Worüber lachen Frauen denn lieber als Männer?

Über Männer.

Von Frederike Müller

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