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IS-Kämpfer: Religion spielte keine große Rolle

Wolfsburg IS-Kämpfer: Religion spielte keine große Rolle

Die Wolfsburger Ayoub B. und Ebrahim H. B. stehen ab Montag in Celle vor Gericht. Beide hatten sich im vergangenen Jahr dem Islamischen Staat angeschlossen, später kehrten beide IS-Kämpfer nach Wolfsburg zurück und wurden verhaftet.

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Prozess vor dem Oberlandesgericht: Ayoub B. aus Wolfsburg droht eine längere Haftstrafe.

Quelle: Archiv

Den beiden Männern drohen einige Jahre Haft, auch wenn sie sich mittlerweile vom islamischen Staat distanziert haben und offenbar gegenüber der Polizei zahlreiche Aussagen gemacht haben. Radikalisiert wurden beide durch einen IS-Funktionär aus Tunesien, genannt „Der Sheikh“. Er scharte in Wolfsburg eine Gruppe junger Männer um sich  und brachte sie dazu, sich dem IS anzuschließen.  Wie kam es dazu? Eine Frage, die sich in Wolfsburg viele Menschen stellen.

Für den Geschäftsführer des Islamischen Kulturzentrums am Berliner Ring, Mohamed Ibrahim, könnten die Gründe für eine Radikalisierung unter anderem Perspektivlosigkeit, Ausgrenzung und Langeweile sein. „Aber eine genaue Begründung dazu kann ich Ihnen nicht liefern“, sagte er nach Berichten über die Wolfsburger Terrorzelle. Treffpunkt der Gruppe war nicht das Islamische Zentrum am Berliner Ring, sondern eine Moschee in der Heinrich-Nordhoff-Straße (siehe Text unten).

Wobei die Religion offenbar nicht einmal die große Rolle spielte. „Wir hatten mit Religion nichts zu tun“, beteuerte Ebrahim B. in einem in der Untersuchungshaft geführten Interview. Ein „falscher Prediger“ sei gekommen und habe Druck aufgebaut. „Wie kannst Du in Ruhe schlafen, also in der Wärme mit Heizung, wo junge Muslime gerade verhungern oder Frauen vergewaltigt werden?“, soll er gefragt haben. Der Mann machte demnach auch Versprechungen: Von teuren Autos und vier Frauen gleichzeitig sei die Rede gewesen – diese Versprechungen enden jetzt vor dem Oberlandesgericht in Celle.

Treffpunkt war die Ditib-Moschee

Die Wolfsburger IS-Gruppe traf sich nicht im Islamischen Zentrum am Berliner Ring, dort hatte es Hausverbote gegeben – offenbar auch gegen den tunesischen IS-Funktionär, der die jungen Leute als der „Sheikh“ indoktrinierte. Treffpunkt war stattdessen die  unscheinbare Ditib-Moschee in der Heinrich-Nordhoff-Straße.

Ein Gebetshaus für türkisch- und tunesischstämmige Muslime, meist der älteren Generation von VW-Arbeitern, so beschreibt der Landesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Yilmaz Kilic, die Moschee, die sich in einem unauffälligen Haus an der Einmündung zum Schachtweg befindet. Dort soll  der IS-Funktionär auch die beiden Wolfsburger indoktriniert haben, die sich ab Montag vor Gericht verantworten müssen. Kilic: „Die Radikalen klappern meist bestehende Moscheen ab, mit dem Versuch, sich dort zu festigen.“ So sei es auch bei der radikalen Clique gewesen.

Der Verfassungsschutz spricht von einer ganz normalen Moschee, die nicht unter Beobachtung stand. Auch die Ditib-Vertreter fanden anfangs alles normal. „Dem äußeren Anschein nach war dies ein ganz normaler jugendlicher Freundeskreis. Sie kamen zum Gebet und unterhielten sich untereinander“, so Kilic. Nach entsprechenden Hinweisen gab es dann allerdings ein Hausverbot.

Der Annahme, dass sich die Radikalisierung quasi unbemerkt  abspielte, widerspricht Kilic. „Der letzte Stand der Dinge ist, dass schon vor Bekanntwerden der Terrorzelle diesbezüglich Gespräche mit der Stadt, dem Bürgermeister, Landeskriminalamt und Verfassungsschutz geführt wurden.“ Ein Satz, den die Stadt bestätigt. In der Tat waren die Verwaltung und Oberbürgermeister Klaus Mohrs bereits vor dem Auffliegen der Gruppe  über die Vorgänge informiert worden.

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Wolfsburg. Als ein Zentrum radikaler Islamisten haben die niedersächsischen Behörden seit langem Wolfsburg im Visier. Nach Angaben von Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat sich dort in den vergangenen Jahren ein besonderer Schwerpunkt der salafistischen Szene gebildet.

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