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Stadt Wolfsburg IHK-Chefin Aline Henke: „Wolfsburg könnte sich noch stolzer verkaufen“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg IHK-Chefin Aline Henke: „Wolfsburg könnte sich noch stolzer verkaufen“
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00:18 28.07.2018
Besuch in der WAZ-Redaktion: Redakteur Jörn Graue mit der Präsidentin der IHK Lüneburg-Wolfsburg, Aline Henke. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Seit Oktober 2017 ist Aline Henke Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. WAZ-Redakteur Jörn Graue hat sich mit ihr zum Gespräch getroffen.

Gerade hat die Stadt Wolfsburg 80. Geburtstag gefeiert und gilt damit als vergleichsweise jung. Welches sind aus Ihrer Sicht weitere bedeutende Eigenschaften?

Die Stadt kommt sehr dynamisch rüber und zeichnet sich aus durch einen hohen Freizeitwert und eine gute infrastrukturelle Anbindung. In Sachen Regionalmarketing könnte die Stadt aber noch etwas mehr tun und sich stolzer verkaufen. Hier spielt die Allianz für die Region, in der auch unsere IHK mitwirkt, eine wichtige Rolle. Der Ausbau der A 39 wird die Attraktivität der Region zusätzlich steigern. Der Schwerpunkt ist hier aus meiner Sicht eine gute Verbindung in Richtung Norden nach Lüneburg und Hamburg als Teil eines weitumspannenden Projektes. Bei der Breitbandversorgung gibt es in Wolfsburg noch Entwicklungspotenzial. Gerade Breitband zählt derzeit zu den Schwerpunktthemen der IHK. Vor dem Hintergrund immer größerer Datenmengen in sämtlichen Bereichen brauchen wir die Glasfaser-Technologie, da reicht die Ertüchtigung von Kupferleitungen nicht. Generell ist wichtig, den Anschluss nicht zu verlieren, sprich: Was wir heute haben, kann morgen schon zu wenig sein. Die dynamische Entwicklung muss weitergehen. Auch wenn es wie ein Gassenhauer klingt: Stillstand bedeutet Rückschritt. Das ist heute aktueller denn je.

Seit Mitte Oktober 2017 stehen Sie als Präsidentin an der Spitze der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Wie fällt die bisherige Bilanz aus?

Ich bin tief beeindruckt von unserem Kammerbezirk. Dieser kann mit seinen 65.000 Unternehmen von Wolfsburg bis Lüneburg vielschichtiger kaum sein. In unseren Vollversammlungen schaffen wir es, unser Motto mitmachen zu leben. Ein Dauerbrenner ist neben Infrastrukturprojekten das Thema Ausbildung. Ich bin ein großer Verfechter des Slogans „Wer Fachkräfte braucht, der muss sie ausbilden“. Hier gibt es noch ganz viel Luft nach oben. Oftmals finden sich auf Seiten von Arbeitgebern und Azubis die richtigen nicht. Hier sehe ich großen Nachholbedarf bei der Berufsorientierung. Genau dort setzt unser Projekt „Ausbildungsbotschafter“ an. Dabei gehen Azubis in Schulen und berichten Schülern von ihren Erfahrungen. Derzeit können viele Unternehmen freie Ausbildungsplätze nicht besetzen und viele potenzielle Azubis haben das Gefühl nicht unterzukommen. Hinzu kommt eine Abbrecherquote von 25 Prozent bei dualer Ausbildung und Studium. Deshalb ist mehr Einsatz bei der Berufsorientierung so wichtig.

Von den zehn Vizepräsidenten in der IHK ist nur eine weiblich. Braucht es nicht dringend mehr Frauen in Führungspositionen, ganz gleich ob in einer Interessenvertretung wie der IHK oder den Führungsetagen von Unternehmen?

Das würde ich grundsätzlich begrüßen. Ich lasse keine Gelegenheit aus, Frauen dazu zu ermuntern. Wir haben hier ein riesiges Potenzial an Fachkompetenz und Empathie. In der IHK-Vollversammlung können wir noch mehr Mädels gebrauchen. Dort haben wir uns eine Frauenquote von 30 Prozent auferlegt. Aus meiner Sicht als Unternehmerin braucht es mitunter einen noch stärkeren Willen von Frauen, sich auch große Aufgaben zuzutrauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist inzwischen kein rein weibliches Thema mehr. Heute nutzen auch viele Männer die Elternzeit. Früher wurde in vielen Personalabteilungen unterschwellig das Alter einer Frau als Risiko gesehen, es wurde gleichgesetzt mit: „Kann noch ausfallen wegen Familiengründung“. Diese Möglichkeit gibt es für Männer heute auch, biologisch betrachtet sogar noch deutlich länger als bei Frauen. Parallel dazu hat in der Gesellschaft ein Umdenken stattgefunden, denn die Wahrnehmung als Risiko schwindet. Hier ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau einen großen Schritt vorangekommen.

Als Unternehmerin wissen Sie um die zentrale Bedeutung von Standortfaktoren. Welche sind aktuell die wichtigsten?

Hier dürfen wir nicht locker lassen und müssen immer wieder beispielsweise den Breitbandausbau anmahnen. Ob Straßennetz oder Glasfasernetz: Gerade in diesen Bereichen gibt es viel zu tun. Daran mache ich persönlich die Attraktivität von Standorten fest. Im Hinblick auf Ortschaften ohne einen angemessenen Mobilfunkempfang mag Nichterreichbarkeit zwar ein Privileg sein, allerdings können wir uns das angesichts aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen nicht leisten. Gerade als IHK mahnen wir die genannten Dinge immer wieder an. Wir sehen uns stark im Werben um Fachkräfte und im Werben für die Region.

In der aktuellen IHK-Standortumfrage bekommt Wolfsburg die Gesamtnote 2,5. Das ist zweifellos ein passables Ergebnis, aber eben auch kein Spitzenwert. Was sollte sich jetzt also dringend ändern?

Im gesamten IHK-Bezirk hat nur der Landkreis Harburg einen identischen Wert erreicht. So gesehen ist Wolfsburg schon mal ganz weit vorne. Die Initiative Wolfsburg Digital finde ich toll und diese hat das Zeug zum Leuchtturmprojekt. Auf der anderen Seite gibt es das Problem des fehlenden Wohnraums. Dies lässt sich mit Blick auf fehlende Gewerbeflächen als Flächenproblem sehen. Zugleich ist bezahlbarer Wohnraum die größte Herausforderung. Bei der Digitalisierung ist entscheidend, den Mittelstand nicht zu vergessen und hier Start-Up-Unternehmen mit gestandenen Mittelständlern zusammenzubringen.

Als IHK können Sie zwar Handlungsempfehlungen abgeben, entscheiden tut aber letztlich die Politik. Da kann, etwas böse formuliert, das schönste Projekt auch schon mal an den Eitelkeiten Einzelner scheitern. Wie gehen Sie mit gegensätzlichen Interessen und Blickwinkeln um?

Grundsätzlich nehmen wir als IHK das Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft wahr. Die Herausarbeitung von Einzelinteressen, zum Beispiel einzelner Branchen, obliegt den Fachausschüssen. Hier treffen sämtliche Interessen aufeinander und das Ziel ist es, zu einer gemeinsamen Stellungnahme zu kommen. Wenn wir an bestimmten Stellen Handlungsbedarfe sehen, werden wir nicht müde, diese gegenüber der Politik immer wieder anzusprechen. In der IHK-Vollversammlung verteilen wir die Sitze spiegelbildlich zu den Branchen und Regionen und tragen unsere Standpunkte gezielt in die Politik hinein. Als gestandene Unternehmer haben wir eine bodenständige Sicht auf die Dinge und es gilt stets, nicht aufzugeben.

Die besagte Umfrage legt auch offen, dass es der Politik offenkundig an Verständnis für betriebliche Angelegenheiten fehlt. Hat die IHK-Präsidentin dafür Beispiele parat?

Die Umfrage gibt zunächst einmal ein allgemeines Stimmungsbild wieder. Jeder Unternehmer hat seine eigenen Erfahrungen. Im Durchschnitt hat ein Unternehmen 130 Kontakte pro Jahr mit der Verwaltung. An einem Hightech-Standort wie Wolfsburg suchen die Betriebe zu Recht eine Hightech-Verwaltung. Dennoch sind solche Kontakte bei Unternehmen häufig nicht Tagesgeschäft und können mitunter auch als lästig empfunden werden. Hier ist es immer wichtig, im Gespräch zu bleiben, gerade dann, wenn die Taktzahl von Unternehmen und Verwaltungen in der Zusammenarbeit nicht identisch ist, was wiederum unterschiedliche Gründe haben kann. Eine große Herausforderung gegenüber der Politik ist es, dass unternehmerische Belange nicht auf wenige eingekürzt werden. Hier ist ein Konsens wichtig, der darauf abzielt, zwischen Unternehmersicht und von der Politik getroffenen Entscheidungen zu unterscheiden. Außerdem ist es hilfreich, wenn nicht sämtliche EU-Richtlinien zu 150, sondern nur zu 100 Prozent umgesetzt werden müssen.

Blicken wir nach vorne. Digitalisierung ist als Begriff in Wolfsburg in aller Munde. Was verstehen Sie darunter?

Zuallererst eine wettbewerbsfähige Breitbandversorgung. Die Bedeutung schätzen viele der befragten Unternehmen als sehr hoch ein und sehen die Notwendigkeit eines Ausbaus. Ein weiterer Punkt für Betriebe im Zuge der Digitalisierung ist es, die Mitarbeiter mitzunehmen. Nicht wenige sind unsicher, weil sie nicht wissen, was an Veränderungen auf sie zukommt. Dabei sollen aber ja gerade neue digitale Möglichkeiten eine große Erleichterung mit sich bringen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem eigenen Betrieb, der Hankensbütteler Kunststoffverarbeitung?

Wir sind froh, dass wir jetzt Glasfaser haben. Wir befinden uns ständig auch online im Austausch mit unseren Kunden, indem wir zum Beispiel Lieferprogramme abgleichen. Auf der anderen Seite entwickeln wir als Automobilzulieferer Kunststoffteile und bekommen dafür Daten zur Verfügung gestellt. Das bedeutet, dass wir immer wieder große Datenpakete herunter- und heraufladen müssen. Wenn die entsprechende Infrastruktur nicht gegeben ist, wären wir also raus aus dem Geschäft. Vor der Umstellung auf Glasfaser hat ein solches Datenpaket auch gut und gerne mal drei Stunden geladen. In dieser Zeit stand dann ein Computerarbeitsplatz nicht zur Verfügung.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung für die IHK?

Ein großer Part ist ein bunter Strauß von Beratungsangeboten, etwa Angebote zu IT-Sicherheit und zum Online-Marketing. Ansonsten widmen wir uns unter der Überschrift „Arbeiten und Führen 4.0“ Themen wie Arbeitszeitregelungen oder der Gestaltung von neuen Geschäftsmodellen mit digitalem Einfluss. Ein aktuelles Ziel ist es, ein Online-Verfahren für die Erstattung von IHK-Prüferleistungen aufzubauen. Auch Ausbildungsverträge sollen künftig noch stärker digital erfasst werden.

Und wie steht es mit den IHK-Mitgliedsbetrieben?

Digitalisierung kann helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ich habe einmal eine speziell entwickelte Brille ausprobiert, die mir ansagte, welche Wartungsschritte an einer Maschine notwendig sind. Das fand ich total spannend. Hier stecken wir allerdings noch in den Kinderschuhen. Veränderungen an sich sind nichts Neues im Verlauf von Firmengeschichten. Aktuell kümmern wir uns um den Schutz von Daten.

„Mitmachen“ lautet das Motto für die Wahl zur IHK-Vollversammlung. Warum ist es für Unternehmer wichtig, sich hier zu engagieren?

Wir suchen nach klugen Köpfen, die Lust haben, ihre Kompetenz einzubringen – für ihre Branche und ihre Region. Die Wahl startet dann am 24. September und dauert bis zum 23. Oktober. Für die IHK-Vollversammlung als Parlament der regionalen Wirtschaft suchen wir 100 Menschen. In dem Gremium können wir auf die Politik Einfluss nehmen und durch gemeinsame Stellungnahmen die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen vertreten. Erstmals gibt es in diesem Jahr eine Online-Wahl. Gerne hätte ich noch mehr Frauen in unserem Parlament, weil sie ein großer Treiber der Wirtschaft sind.

Von Jörn Graue

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