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Stadt Wolfsburg Hagelsturm: Kanonenkugeln ganz aus Eis
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Hagelsturm: Kanonenkugeln ganz aus Eis
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00:16 31.07.2013
Das Dach zerschmettert: Wasserschaden im Phönix-Gymnasium. Quelle: Sebastian Bisch
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Heftig war‘s auch in Nordstadt, Westhagen und Detmerode. Die für Samstagabend geplante Ü-50-Party im Schützenhaus in der Breslauer Straße fiel aus: Hagel hatte ein Oberlicht durchschlagen und Sonnenschirme regelrecht zerfetzt. „Das müssen gewaltige Kräfte gewesen sein. Die Hagelkörner waren wie Geschosse. Gott sei Dank sind wir versichert“, sagte Wirtin Viktoria Cadjenovic. Auch in Detmerode splitterten Autoscheiben.

Gestern musste die Feuerwehr dann im Phoenix-Gymnasium in Vorsfelde einen Wasserschaden beheben: Ein Oberlicht am Flachdach war kaputtgegangen, Wasser ins Gebäude eingedrungen. „Vermutlich ist der Schaden auf den Hagel zurückzuführen“, sagte Einsatzleiter Jens Fänger. Insgesamt sechs Mann rückten gegen 10.54 Uhr aus, drei von ihnen waren mit Wassersauger und Wasserschiebern im Einsatz, um den Physikraum trocken zu legen. Gegen 12.20 Uhr war der Einsatz beendet, Hausmeister, Reinigungskräfte und Lehrer der Schule kümmerten sich um den Rest.

sag/kau

Hagel im Sommer – das kommt alle paar Jahre mal vor. Besonders heftig war es in Wolfsburg 2002, als auch noch ein Sturm dazu kam. So schlimm wie am Samstag hagelte es aber bisher noch nie. Hobby-Meteorologe Klaus Gottschick aus Rühen erklärt, wie das Phänomen zustanden kommt.

„Dass sich bei großer Hitze in großen Höhen Hagelkörner bilden, ist nichts Besonderes“, sagt er. Wenn Gewitter aufziehen, kühlt sich die Luft in den Wolken schlagartig ab. Das Kondenswasser, das vorher wegen der Wärme am Boden verdunstet und aufgestiegen ist, gefriert dann in Sekundenschnelle und rauscht wegen der Schwerkraft wieder zu Boden. „Es ist allerdings ein lokales Phänomen, das man nur schwer vorhersagen kann“, so Gottschick.

Das zeigte sich auch jetzt in Wolfsburg: Während am Allersee, in Vorsfelde, Reislingen, Sülfeld, Westhagen und Detmerode riesige Eisstücke Löcher in Dächer und Autoscheiben schlugen, gab‘s im Heinenkamp nur Regen.

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Die Schäden, die der Hagel angerichtet hat, lassen sich noch nicht beziffern. Man muss aber kein Experte sein, um zu vermuten, dass sie in Millionenhöhe gehen. Die Frage, die sich Betroffene stellen: Zahlt die Versicherung?

Die WAZ fragte Versicherungsvertreter Florian Rex. Er erklärt: „Schäden an Fahrzeugen übernimmt im Normalfall die Voll- oder sogar die Teilkasko-Versicherung. Schäden an Gebäuden werden von der Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Schäden am Hausrat (dazu gehören auch Fenster) fallen in den Bereich Hausratversicherung.“ Natürlich komme es immer auf den Vertrag an, im Normalfall sollten Hagelschäden aber abgedeckt sein, auch ohne Extra-Elemetarschäden-Versicherung.

Rat des Experten: Fotos von den Schäden machen und kaputte Gegenstände erst nach Rücksprache mit dem Versicherer entsorgen. „Handwerker dürfen eigentlich erst nach Freigabe durch den Versicherer tätig werden“, so Rex.

Zerstörte Dächer und Fenster dürfen aber abgedichtet werden, um Folgeschäden auszuschließen.

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