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Gutachter: "Sehe keine Wiederholungsgefahr"

Wolfsburg-Vorsfelde Gutachter: "Sehe keine Wiederholungsgefahr"

Vorsfelde. Ist die Messerstecherin aus dem Vorsfelder Eck Alkoholikerin, geistig nicht ganz auf der Höhe oder sozial inkompetent? Diese Fragen sollte ein Gutachter klären. Die Antwort am Montag vor dem Braunschweiger Landgericht: Nichts davon trifft zu, die Frau sei völlig normal. Trotzdem könne sie für die Tatnacht vermindert schuldfähig sein.

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Große Suchaktion: Die Polizei hatte die Tatwaffe in nahen Gärten gesucht, sie lag aber in der Küche der Kneipe.

Quelle: Boris Baschin

Der Gutachter hatte die Vorsfelderin zwei Mal in der JVA Hildesheim gesehen, außerdem während des Prozesses beobachtet. Ihre Vorgeschichte zeige keine Auffälligkeiten, sagte er vor dem Landgericht. Zu den Beweggründen, das 52-jährige Opfer mit dem 23,8 Zentimeter langen Küchenmesser niederzustechen, stellte er eine Mutmaßung an. So habe der Verlust der Kneipe noch schwer gewogen, hinzu seien wiederholte Zwistigkeiten mit dem späteren Opfer gekommen. An dem Abend habe die Kombination aus massivem Alkoholkonsum und zwei Streits mit dem Lebensgefährten zu der Kurzschlussreaktion führen können („ein Rauschzustand mit affektiver Belastung“). Und eben diese Umstände könnten auch eine verminderte Schuldfähigkeit bedeuten. Wichtig: „Eine Wiederholungsgefahr sehe ich nicht“, so der Fachmann.

Er sehe auch keine Hinweise darauf, dass die Frau ihre Tat habe verschleiern wollen. Zwar sei sie direkt nach dem Angriff auf den 52-Jährigen durch ein Küchenfenster getürmt - aber Momente später bereits wiedergekommen. Und die Tatsache, dass die 28-Jährige die Polizei bei der Suche nach der Tatwaffe auf eine falsche Fährte geführt habe, erklärt der Gutachter mit ihrem benebelten Zustand. Hintergrund: Noch in der Tatnacht hatte sie gesagt, sie habe das Messer wohl in einen anliegenden Garten geworfen. Tatsächlich fanden die Ermittler es aber nach einer großen Suchaktion in der Küche, durch dessen Fenster sie getürmt war.

kn

Wie betrunken war die Angeklagte?

Ein zentrales Thema für Richter, Anwälte und Staatsanwältin ist die Frage nach der Schuldfähigkeit der Angeklagten in der Tatnacht – noch Stunden nach dem Messerstich wurden bei ihr 1,87 Promille Alkohol festgestellt. Dazu sagten am Montag auch Polizisten vor Gericht aus.

Das Opfer selbst hatte den Notruf gewählt (WAZ berichtete), ein Rettungswagen und zwei Streifenwagen kamen zum Vorsfelder Eck. Die 28 Jahre alte Täterin war flüchtig. Aber: „Wir sind nur eine Straße hochgefahren, da kam sie uns schon entgegen“, berichtete einer der Polizisten (22). Zwei Beamte begleiteten die Frau zu Fuß zurück zur Kneipe. Sie habe zwar nach Alkohol gerochen, aber nicht den Eindruck erweckt, „dass sie nichts versteht“. Auch eine weitere Polizistin (23) betonte über die Angeklagte: „Sie wirkte nicht so, dass sie mir nicht folgen kann.“ Sie sei „kooperativ“ gewesen.

Zwei Freunde der Angeklagten hatten betont, einige Stunden zuvor habe die 28-Jährige in ihrer Trunkenheit nicht mal mehr laufen können und habe halb getragen werden müssen. „Sie konnte nicht mehr gehen, so habe ich sie noch nie erlebt“, sagte ein 54-Jähriger.    

kn

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