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Stadt Wolfsburg Große wirtschaftliche Bedeutung, aber nur drei Abgeordnete
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Große wirtschaftliche Bedeutung, aber nur drei Abgeordnete
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20:00 17.10.2017
Bundestag in Berlin: Hier ist Wolfsburg durch Falko Mohrs (SPD) und Pia Zimmermann (Linke) künftig mit zwei Abgeordneten vertreten.  Quelle: Archiv
Wolfsburg

 Das ist „weniger Gewicht, als es angemessen wäre“, findet nicht nur Oberbürgermeister Mohrs.

Zwei Abgeordnete im Bundestag, gerade mal eine im Landtag – gemessen an seiner immensen wirtschaftlichen Bedeutung ist die Stadt Wolfsburg in den künftigen Parlamenten deutlich unterrepräsentiert. Warum schaffen es die Volksparteien CDU und SPD nicht, ihre Kandidaten auf den Landeslisten so zu platzieren, wie es der Bedeutung des VW-Stammsitzes gerecht wäre? Gute Frage, finden viele. Schwere Antwort, sagen die Polit-Profis.

Das Wort des VW-Betriebsratsvorsitzenden hat Gewicht. Und Bernd Osterloh sagt klar: „Zumindest für die großen Volksparteien wäre es aus meiner Sicht gut gewesen, wenn sie ihre Wolfsburger Kandidaten so abgesichert hätten, dass sie reelle Chancen für den Einzug in die Parlamente gehabt hätten.“ Die Realität sieht anders aus. Im neuen Bundestag sitzen aus Wolfsburg Pia Zimmermann (Linke, über Listenplatz 1) und Falko Mohrs (SPD, Direktmandat), im Landtag gar nur noch Immacolata Glosemeyer (SPD, Direktmandat). Zum Vergleich: Gifhorn schickt drei Abgeordnete nach Hannover, Helmstedt zwei, Braunschweig gleich ein halbes Dutzend.

Die Wolfsburger CDU glänzt künftig in beiden Parlamenten durch Abwesenheit. Günter Lach (Bundestag, Platz 28) und Peter Kassel (Landtag, Platz 56) waren auf ihren Landeslisten viel zu weit hinten platziert. Für Günter Lach ein Unding angesichts der Bedeutung Wolfsburgs: „Da muss ein Landesverband auch mal ein eindeutiges Zeichen setzen.“ Bisher ist das nicht so, entscheiden Proporz, Mitgliederzahlen und letzte Stimm-Ergebnisse. Und dabei steckte der Wahlkreis 51 Helmstedt-Wolfsburg parteiintern zwischen Baum und Borke, weil Stadt und Landkreis zu verschiedenen Landesverbänden gehören. Das will man von unten ändern, sagt Lach: „Wolfsburg und Helmstedt müssen sich stärker vernetzen und Gewicht gewinnen.“ Einen weiteren Grund sieht Frank Roth, der lange Kreisgeschäftsführer der CDU war und die Mechanismen des Marktes kennt: „Die Landesliste ist wie der Futtertrog, da wollen alle hin. Vorne landet aber nur, wenn man genug Netzwerke hat und Gremienarbeit leistet“ – ein Seitenhieb auf die Parteiführung vor Ort.

Die SPD hatte Glück, holte gerade beide Direktmandate, zog vor vier Jahren über die Liste in beide Parlamente ein. Diesmal hatte Immacolata Glosemeyer Listenplatz 20: „Eine vergleichsweise gute Platzierung angesichts aller Rahmenbedingungen.“ An denen käme man nun mal nicht vorbei, sagt auch SPD-Urgestein Ingolf Viereck, früher selbst Landtagabgeordneter: „Natürlich muss der Anspruch sein, dass Wolfsburger Kandidaten immer dabei sind. Angesichts von Proporz und anderen Kriterien ist das aber leider eher unrealistisch.“ Verglichen mit seiner wirtschaftlichen Bedeutung sei Wolfsburg eine eher kleine Stadt, weiß auch Oberbürgermeister Klaus Mohrs – „und bekommt damit offenbar weniger Gewicht, als es angemessen wäre“. Dennoch wäre es „natürlich begrüßenswert, wenn beide Volksparteien in den Parlamenten vertreten wären.“

Von Ulrich Franke

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