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Stadt Wolfsburg Grasmilben quälen die Wolfsburger
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Grasmilben quälen die Wolfsburger
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07:01 01.06.2018
Unschöne Erfahrung: Karolin Ochmann hat juckende Stiche von Grasmilben-Larven – ein zunehmendes Problem in Wolfsburg. Quelle: Boris Baschin
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Wolfsburg

Erst hielt sie es für Mückenstiche: Die Wolfsburgerin Karolin Ochmann hat einen Tag nach der Gartenarbeit rötliche, juckende Pusteln auf ihrer Haut entdeckt. Wir ihr geht es vielen Wolfsburgern in diesen Tagen, denn: Grasmilben sind auf dem Vormarsch, wie die Stadt bestätigt.

Die Larven der Grasmilben verbeißen sich gern in Menschen

„Der Juckreiz klang nicht so schnell ab wie bei Mückenstichen“, berichtet die 46-jährige Wolfsburgerin. Erst mit etwas Recherche stieß sie auf die Schuldigen: Grasmilben, im Volksmund irreführend auch „Grasfloh“ genannt. Die erwachsenen Tiere sind rot, etwa drei Millimeter groß und leben unter der Erde. Beißen tun nur ihre Larven – die nämlich leben in hohem Gras und verbeißen sich gern in Menschen, um sich an ihren Zellsäften gütlich zu tun. Vier bis fünf Kunden mit Juckreiz sprechen täglich bei ihm in der Stadt-Apotheke vor, sagt Apotheker Jürgen Lübeck. „Dieses Jahr ist ein Mastjahr. Die Pflanzen blühen alle, die Pfingstrose explodiert förmlich – da wird es im Insektenbereich ähnlich sein.“

Nicht gefährlich, aber trotzdem unangenehm: Die Bisse der Grasmilben-Larven sorgen bei der Wolfsburgerin Karolin Ochmann für Juckreiz. Quelle: Boris Baschin

Gefährlich sind die Bisse nicht, im Gegensatz zu Zecken übertragen die Grasmilben keine Krankheiten. Unangenehm wird es bei allergischen Reaktionen. Lübeck rät: „Man kann versuchen, sich mit Insektenfernhaltemitteln wie Autan zu schützen. Und gegen den Juckreiz hilft Fenistil – und in ganz schlimmen Fällen Kortison.“

Insektenbestand in Deutschland seit 1982 um 80 Prozent verringert

In vielen Gärten werden die Milben aber gar nicht erst zur Gefahr, denn die Larven bevorzugen Wildwiesen. „Jeder Rasenmäher ist wie ein Staubsauger“, erklärt Manfred Wenst, Vorsitzender des Naturschutzzentrums Wolfsburg. Vor dem Hintergrund des Insektensterbens mahnt er dennoch an, das Gras auch mal wachsen zu lassen. 2017 hatte die Bundesregierung bekannt gegeben, dass sich der Insektenbestand seit 1982 um bis zu 80 Prozent verringert hat. Das wiederum lässt auch die Vogelpopulation schwinden: Schon fast die Hälfte aller 248 Brutvogelarten in Deutschland steht auf der Roten Liste.

Tipp des Biologen: Mit dem Mähen bis Anfang, Mitte Mai warten

Man könne schon helfen, indem man eine Ecke des Gartens wild wachsen ließe und Totholzhaufen anlege, schlägt der Biologe vor. „Die Grasmilben treten auch erst ab der Löwenzahnblüte auf. Man kann mit dem Mähen also zumindest bis Anfang, Mitte Mai warten.“

Von Frederike Müller

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